Fadi Saad schlug einst selbst zu

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Buch "Kampfzone Straße" : Wie sich die Jugendgewalt eindämmen ließe

Fadi Saad, inzwischen Quartiersmanager in Moabit, hat an sich selber erfahren, wie diese Jugendlichen ticken, mit denen sich die Polizei herumschlagen muss. Fehlende Anerkennung und mangelnde Perspektiven haben ihn einst zum Mitglied der „Araber Boys 21“ werden lassen. Gewalt gehörte zu seinem früheren Leben: Er schlug zu, er benutzte ein Messer, er beraubte andere Jugendliche – und die Schule war nur eine gänzlich bedeutungslose Randerscheinung. Einen abschreckenden und wehrhaften Rechtsstaat, das beklagen Gaertner und Saad, erfahren die Jugendlichen zu selten. Immer wieder stand Fadi Saad vor Gericht – wegen Körperverletzung, Nötigung oder Raub, doch immer wieder beließen es die Richter mit Verwarnungen und einigen Stunden gemeinnütziger Arbeit. Oft genug gab es einen Prozess erst etliche Monate nach der jeweiligen Tat, als die Erinnerung längst verblasst war und eine Reue erst recht. Statt Grenzen zu erfahren, werde der Rechtsstaat für diese Jugendlichen dadurch zu einer zahnlosen Sozialveranstaltung. Erst beim achten Prozess, so erzählt Saad, verhängte der Richter einen Wochenendarrest.

Sehen Sie hier Bilder zum Fall Jusef El.-A. und von der Trauerfeier:

Der Fall Jusef El-A.
23.03.2012: Tränen und Nachdenken. Das Deutsch-Arabische Zentrum hatte zur Gedenkveranstaltung für den 18-jährigen Jusef El-A. aufgerufen. Er war am vierten März bei einer Auseinandersetzung nach einem Fussballspiel in Neukölln erstochen worden.Weitere Bilder anzeigen
1 von 14Foto: dapd
23.03.2012 20:4723.03.2012: Tränen und Nachdenken. Das Deutsch-Arabische Zentrum hatte zur Gedenkveranstaltung für den 18-jährigen Jusef El-A....

Verändert habe sich schon einiges, gestehen Gaertner und Saad zu. Das erfolgreiche Programm gegen vielfach aufgefallene Jugendliche zeigt Wirkung; viele der brutalsten Gewalttäter sitzen nun in Haft. Beide Autoren haben das Konzept der verstorbenen Jugendrichterin Kirsten Heisig unterstützt. Schneller aburteilen, härter strafen – das sei richtig, werde aber noch nicht konsequent genug umgesetzt. Der Grundsatz des Jugendstrafrechts – erziehen statt strafen – stoße an Grenzen bei den kriminellen Jugendlichen, die überwiegend aus Migrantenfamilien stammen. Wenn Erziehung nicht helfe, dann müsse Strafe sein, damit sich etwas ändere. Saad selbst hat erst in der Haft beschlossen, sein Leben zu ändern.

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