„Buchshop der Zukunft“ : Hugendubel eröffnet große Filiale im Europa-Center

In einer großen Filiale im Europa-Center setzt die Buchhandlung ein neues Konzept um. Dazu gehört auch eine Selfie-Ecke.

Neue Nachbarn. Im Europa-Center hat Hugendubel einen Teil der Räume des Elektronikmarkts Saturn übernommen.
Neue Nachbarn. Im Europa-Center hat Hugendubel einen Teil der Räume des Elektronikmarkts Saturn übernommen.Foto: Cay Dobberke

Es ist nicht das erste Mal, dass die Buchhandelskette Hugendubel in Charlottenburg eine Vorzeigefiliale an der Tauentzienstraße eröffnet. Ende der 1990er Jahre zog die damals größte Berliner Niederlassung in vier Etagen eines Geschäftshauses an der Ecke Rankestraße.

Doch 2012 schloss der Standort wegen gesunkener Umsätze und der hohen Miete. Schräg gegenüber kehrt Hugendubel nun zurück: Im Europa-Center öffnet am heutigen Donnerstag ein „Buchshop der Zukunft“ mit 1100 Quadratmetern Verkaufsfläche in zwei Stockwerken.

Als wichtigste Veränderung nennt Nina Hugendubel, geschäftsführende Gesellschafterin des Münchener Familienunternehmens, dass es keine klassischen Abteilungen wie „Belletristik“ oder „Sachbuch“ mehr gibt. Vielmehr gliedert sich die Buchhandlung in fünf Themenwelten.

Die größte ist „fiktiven Welten“ gewidmet; das Spektrum reicht von Fantasy, Comics oder Manga bis zu Krimis. Der zweite Bereich bietet „Inspiration und Hilfe“ für den Alltag, unter anderem geht es um „Wohnen, Essen, Spaß und Sport“. Der dritte Bereich ist für Kinder gedacht.

Im vierten will man die „Neugierde nach fremden Kulturen“ nähren. Der fünfte soll mit Biografien und geisteswissenschaftlichen Literatur alle Kunden ansprechen, die „ihren Horizont erweitern wollen“.

Nina Hugendubel und Filialleiter Thorsten Kretzschmar in der „Selfie-Ecke“.
Nina Hugendubel und Filialleiter Thorsten Kretzschmar in der „Selfie-Ecke“.Foto: Cay Dobberke

Der „Buchshop der Zukunft“ wurde zuerst in zwei Münchener Filialen erprobt und löste laut Nina Hugendubel ein „sensationelles Feedback“ aus. Es gibt noch mehr Besonderheiten. Kunden, die so viele Bücher gekauft haben, dass sie diese nicht selbst nach Hause bringen wollen, können sich gratis per Fahrradkurier beliefern lassen.

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In der Buchhandlung darf man E-Books kostenfrei auf Tablet-Computern oder Smartphones lesen. Dafür stehen sechs iPads zur Verfügung.

Alternativ dazu können sich Interessierte eine Lese-App, die nur im Laden funktioniert, auf ein eigenes Mobilgerät laden. Neu ist auch die Möglichkeit, persönliche Beratungstermine online zu vereinbaren.

Da man besonders junge Leute für das Lesen begeistern will, existiert eine „Instagram-Ecke für Selfies“. Auf einer kleinen, eigentlich funktionslosen, Treppe werden wechselnde Medien präsentiert.

Zur neuen Buchhandlung gehören auch ein Podium für Lesungen und ein eigenes Café.
Zur neuen Buchhandlung gehören auch ein Podium für Lesungen und ein eigenes Café.Foto: Cay Dobberke

Die Tauentzienstraße ist attraktiver geworden

Ein Lesecafé in der Filiale betreibt Hugendubel selbst. Es gibt auch eine Showküche für kulinarische Events. Die Mitarbeiter sollen in eine „Gastgeberrolle“ schlüpfen, auch bei vielen Sonderveranstaltungen. Zum Festprogramm während der ersten drei Tage gehören Lesungen, Mitmachaktionen, eine Zaubershow und andere Kinderattraktionen sowie eine Außenbühne für DJ-Musik und Karaoke.

Die Schließung der früheren großen Filiale und die jetzige Neueröffnung begründet Nina Hugendubel damit, dass die Tauentzienstraße in den vorigen sieben Jahren einen starken Aufschwung erlebt habe. Im Europa-Center öffnete das Unternehmen 2017 einen sehr viel kleineren Laden, der nun schließt. Für die nahen Hugendubel-Shops im KaDeWe und bei Karstadt am Kurfürstendamm ändert sich dagegen nichts.

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