• Bundespolizei in den Berliner Partynächten: Waffenkontrollen zwischen Lichtenberg und Alexanderplatz

Bundespolizei in den Berliner Partynächten : Waffenkontrollen zwischen Lichtenberg und Alexanderplatz

Die Bundespolizei kontrolliert an diesem Wochenende an sieben Bahnhöfen vor allem junge Männer auf Waffen. Für einige von ihnen endet der Partyabend schnell.

Bundespolizisten kontrollierten zwischen Alexanderplatz und Lichtenberg mehr als 400 Männer penibel.
Bundespolizisten kontrollierten zwischen Alexanderplatz und Lichtenberg mehr als 400 Männer penibel.Georg Moritz

Als die drei Jungs aus dem Zug steigen, die Treppe hoch laufen, im Strom der Fahrgäste durch die neonlichtgeflutete Überführung den Bahnhof Warschauer Straße verlassen wollen, versperren ihnen sechs, sieben Bundespolizisten den Weg. „Guten Abend, bitte mal zur Kontrolle mitkommen.“ Die Beamten – Uniform, schusssichere Weste, Protektoren-Handschuhe – führen die drei Heranwachsenden ein paar Meter zur nächsten Ecke. Die Jungs werden durchsucht, Arme und Beine gespreizt, in jede Tasche gegriffen, Personalien überprüft.

Mehr als 400 Männer werden kontrolliert

Es ist Freitag, 20.51 Uhr, das durch Radio, Internetforen und Bahnhofsdurchsagen angekündigte, „Mitführverbot von gefährlichen Werkzeugen“ soll durchgesetzt werden. Die Bundespolizei hat für die Zeit von 20 bis 6 Uhr eine Verfügung für Bahnen und Stationen zwischen Lichtenberg und Alexanderplatz erlassen. Dort dürfen Beamte nun auch ohne konkreten Verdacht kontrollieren. „Wir können das schon personell nur bei einigen tun“, sagt Jens Schobranski von der Bundespolizei. „Doch aus Erfahrung wissen wir, von wem Streit ausgehen könnte.“

An der Warschauer Straße beschlagnahmt: ein verbotenes Messer
An der Warschauer Straße beschlagnahmt: ein verbotenes MesserHannes Heine

In dieser Nacht werden circa 200 Bundespolizisten fast 430 Personen – die meisten junge Männer – kontrollieren. Eigentlich suchen die Beamten nach einer Reihe von Gewalttaten auf dieser Innenstadtstrecke nach Messern, Schlagwerkzeugen, Reizgas. Bei einem der drei jungen Männer, die an der Warschauer Straße durchsucht werden, findet sich prompt ein Messer: stehende Klinge, zwölf Zentimeter, beidseitig geschliffen. Dies wäre auch an jedem anderen Tag verboten. Konfisziert, Anzeige.

Waffen, Drogen? Nein - aber ein offener Haftbefehl

21.21 Uhr, zwei Studenten aus Nepal werden angehalten. Sichtlich verunsichert stellen sich die zierlichen Männer mit dem Gesicht zur Wand, werden abgetastet, dürfen aber bald gehen. 21.33 Uhr, ein gut gelaunter Basecap-Träger nimmt seine Kopfhörer ab, als die Bundespolizisten ihn am Ende der Treppe zur Kontrolle bitten. Waffen, Drogen? Nein. Beim Überprüfen der Personalien meldet die Zentrale: offener Haftbefehl. „Ditt heißt jetzt aber nich’, dass ick ins Gefängnis muss, oder!?“ Ein Polizist sagt behutsam: „Stellt sich gleich heraus.“ Der Mann muss mit ins Präsidium.

An der Aktion auf der Berliner S-Bahn-Strecke waren Bundespolizisten aus Niedersachsen beteiligt.
An der Aktion auf der Berliner S-Bahn-Strecke waren Bundespolizisten aus Niedersachsen beteiligt.Georg Moritz

21.44 Uhr, ein großgewachsener Lockenkopf ringt um Fassung. Seine wartenden Freunde bittet er, schon vorzugehen. Die Clique will zu einer Party, in den Südkiez Friedrichshain strömen wie jeden Abend tausende Feierfreudige. Der Lockenkopf hat ein von einigen als Droge genutztes, verschreibungspflichtiges Schmerzmittel dabei. Dazu ein Tütchen grünes Pulver. Die Beamten lassen sich erklären, um was es sich da handele: Kratom, ein aus Südostasien stammender Laubbaum, dessen Blätter berauschend wirken können. Eine zügige Internetrecherche ergibt, es ist wohl tatsächlich Kratom – und legal. „Na dann, schönen Abend!“ Der Lockenkopf erleichtert: „Ihnen auch!“ Ein bettelnder Punk bittet am Bahnhofseingang die Beamten darum, ihn samt Freundin zu fotografieren.

„Schade, dass ich keine Kalaschnikow habe“

22.09 Uhr: Eine Frau und zwei Männer werden am Bahnsteig kontrolliert. Gegen den Kräftigeren – Glatze, Goldkette, Goldringe – liegt ein Haftbefehl wegen einer unbezahlten 1000-Euro-Strafe vor. Er legt den Schmuck ab, lässt sich Handschellen anlegen, steigt schwerfällig in den Polizeiwagen. Die Begleiterin weint, der Kumpel lallt: „Schade, dass ich keine Kalaschnikow habe.“

Am Samstagvormittag meldet die Bundespolizei vier Verstöße gegen die neue Verfügung, etwa wegen Reizgas in der Tasche. Dazu fünf Verstöße gegen das auch sonst bestehende Waffengesetz, sieben offene Haftbefehle, dutzende Drogenfunde. In der Nacht zu Sonntag wird der Einsatz fortgesetzt.

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