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Chance auf ein Comeback : Warum die Piraten wieder wichtig werden könnten
Christopher Lauer (rechts, neben Martin Delius) fiel im Abgeordnetenhaus unter anderem dadurch auf, dass er Innensenator Frank Henkel rhetorisch vor sich hertrieb.
Christopher Lauer (rechts, neben Martin Delius) fiel im Abgeordnetenhaus unter anderem dadurch auf, dass er Innensenator Frank...Foto: PICTURE ALLIANCE / DPA

Talkshowgesicht, BER-Aufklärer, Demonstrantin – kaum einer der einst prominentesten Piraten ist heute noch Parteimitglied. Engagiert sind sie weiterhin.

Christopher Lauer war der wahrscheinlich bekannteste unter den Berliner Piraten. Von 2011 bis 2016 Mitglied des Abgeordnetenhauses, fiel der heute 34-Jährige in dieser Zeit unter anderem dadurch auf, dass er den damaligen Innensenator Frank Henkel im Innenausschuss rhetorisch vor sich hertrieb. Im September 2014 verließ Lauer die Piratenpartei, die er später als „undankbaren Scheißhaufen“ bezeichnen sollte und trat, fast genau zwei Jahre später, in die SPD ein. Im Februar 2018 verkündete Lauer auf seinem Blog das vorläufige Ende seiner Laufbahn als Politiker. Daraufhin schrieb er seine Bachelorarbeit zum deutschen Raketenforscher Wernher von Braun und betreibt heute einen eigenen Politik-Podcast. Auf Twitter, wo er – wenn man durchschnittlich 140 Zeichen pro Tweet rechnet – Text mit dem viereinhalbfachen Volumen von Marcel Prousts Epos „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ veröffentlicht hat, steht trotzdem noch: „Become Chancellor or Die Tryin’“.

Martin Delius, 2009 in die Piratenpartei eingetreten, wurde – anders als Lauer – schon mal „der seriöse Pirat“ genannt. Er war Vorsitzender des BER-Untersuchungsausschusses im Abgeordnetenhaus. Wie Lauer verließ der 34-jährige Physiker die Piratenpartei während seiner Zeit im Parlament im Dezember 2015. Im Januar 2016 verkündete er mit 36 anderen ehemaligen Piratenpolitikern, „die Linke in Berlin im Jahr 2016 und darüber hinaus kritisch und solidarisch unterstützen“ zu wollen. Im September desselben Jahres holte er sich auch deren Parteibuch. Seit 2017 ist Delius für die Linken im Referat Regierungsplanung bei Senatskanzlei tätig.

Anne Helm ist die einzige Ex-Piratin, die heute noch im Berliner Abgeordnetenhaus vertreten ist – für die Linkspartei.
Anne Helm ist die einzige Ex-Piratin, die heute noch im Berliner Abgeordnetenhaus vertreten ist – für die Linkspartei.Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Anne Helm ist die einzige Ex-Piratin, die heute noch im Berliner Abgeordnetenhaus vertreten ist – und das sogar auf Regierungsseite, für die Linkspartei. Die ehemalige Synchronsprecherin war Bezirksverordnete in Neukölln, außerdem war sie die Bundessprecherin für Asyl- und Migrationspolitik der Partei. 2014 verursachte sie einen Skandal, der in den Medien zum Teil als „Bombergate“ bezeichnet wurde und zur Zerreißprobe für die damals schon angeschlagene Partei wurde: Bei einer Demonstration in Dresden hatte sie sich „Thanks Bomber Harris“ auf die bloße Brust geschrieben, ein Dank an den maßgeblich für die Bombardierung der Stadt am Ende des Zweiten Weltkrieges verantwortlichen britischen Luftwaffenbefehlshaber. Ein wenig mehr als ein halbes Jahr später verließ sie die Partei, seit 2016 ist sie Mitglied bei der Linken. Im Abgeordnetenhaus arbeitet sie als Sprecherin „für Medien und Strategien gegen rechts“. Seit dem 1. September 2018 ist sie mit dem ehemaligen Piraten Oliver Höfinghoff verheiratet. Auf Twitter heißt sie bis heute „@SeeroiberJenny“.

Marina Weisband, Diplompsychologin, studierte in Münster, als sie 2009 in die Partei eintrat. Von 2011 bis 2012 war sie politische Geschäftsführerin und appellierte 2012 öffentlich an ihre Parteikollegen, sich schärfer gegen antisemitische und rassistische Mitglieder zu stellen. „Unsere Ideen versinken in lauter Müll und Dreck“, schrieb sie in einem Blogpost. 2015 trat sie aus der Piratenpartei aus, „ganz still“, weil sie, wie sie sagte, keine Schlagzeilen verursachen wollte, die die Partei weiter beschädigen könnten. Gleichzeitig bezeichnete sie das „Label Piraten“ als „verbrannt“. 2014 rief sie das in Berlin basierte Projekt „Aula“ ins Leben, das Jugendlichen per Online-Plattform ermöglichen soll, „in einem festen, vorher vereinbarten Rahmen eigene Ideen für die Gestaltung ihres Schulumfelds zu entwickeln, Mehrheiten dafür zu finden und die Umsetzung zu beschließen“.

Marina Weisband bezeichnete das „Label Piraten“ als „verbrannt“.
Marina Weisband bezeichnete das „Label Piraten“ als „verbrannt“.Foto: Maja Hitij/dapd
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