Charlottenburg : Ausstellung mit Fotos von Bryan Adams eröffnet in Berlin

Bryan Adams ist nicht nur Rockstar, sondern auch ein gefragter Modefotograf. Ihn interessieren aber nicht nur die makellosen Körper der Stars.

Mehr als 40 Fotografien von Bryan Adams sind bis zum 9. Februar in der Ausstellung „Exposed“ der Galerie Camera Work zu sehen.
Mehr als 40 Fotografien von Bryan Adams sind bis zum 9. Februar in der Ausstellung „Exposed“ der Galerie Camera Work zu sehen.Foto: Jens Kalaene/dpa

Beim Betreten der Bryan-Adams-Ausstellung „Exposed“ kann einem kurz schwindelig werden. Nicht nur vom Anblick all der Über-Promis, die die Wände zieren, sondern auch von einem großformatigen Porträt von Linda Evangelista, dessen Mehrfachbelichtung einen kurz glauben macht, man hätte einen oder auch fünf im Tee. Was dann kommt, lässt sich nur mit Superlativen beschreiben: Neben dem Supermodel Evangelista finden sich an den Wänden das Supermodel Kate Moss, Oscarpreisträgerin Julianne Moore, Popstar Amy Winehouse und Queen Elisabeth.

Schwindelerregende Höhen: Porträts von Julianne Moore und Michael J. Fox, die Mehrfachbelichtung von Supermodel Linda Evangelista
Schwindelerregende Höhen: Porträts von Julianne Moore und Michael J. Fox, die Mehrfachbelichtung von Supermodel Linda EvangelistaFoto: Doris Spiekermann-Klaas

Aber die Celebritys passen ja auch gut hier her: in die Galerie Camera Work, gelegen in einem schönen Charlottenburger Hinterhof. Keine 50 Meter entfernt von der Paris Bar, in der sich auch die hiesigen Stars und Sternchen gerne mal blicken lassen. Der Künstler, Bryan Adams, ist selbst ein Megastar, bekannt vor allem für Rockballaden wie „Everything I do, I do it for You“ oder seine Soft-Rock-Hymne „Summer of ’69“.

Amy Winehouse, London 2010
Amy Winehouse, London 2010Foto: Bryan Adams / Courtesy of CAMERA WORK

Adams gründete ein Magazin in Berlin

Der Kanadier ist aber auch seit vielen Jahren ein gefragter Fotograf. 2003 gründete er in Berlin das Modemagazin „Zoo“, für das er auch heute noch arbeitet. Magazine wie „Vogue“ oder „Harper’s Bazar“ veröffentlichten seine Fotografien. 2013 zeigte das NRW-Forum in Düsseldorf eine große Schau seiner Werke.

Adams’ Stil ist kühl, neutral, obwohl er viele der Porträtierten persönlich kennt – oder kannte. Allen voran die 2011 verstorbene Sängerin Amy Winehouse, mit der ihn eine enge Freundschaft verbunden haben soll. Von ihr sind drei Fotos zu sehen, eines davon das berühmte Porträt im Profil aus „Harper’s Bazar“. Das Foto wirkt authentisch, unperfekt. Man sieht die Makel auf Winehouses Haut, das Loch über der Lippe, in dem mal ein Piercing steckte. Hier spürt man noch am ehesten eine Intimität zwischen Fotograf und Model, die bei einigen der perfekt retuschierten Modefotografien, beispielsweise von Victoria Beckham, fehlt.

Nie heroisch oder patriotisch: Bilder von Kriegsveteranen

Aber auch einige neuere Fotos zeigen einen intimeren Blick. Zwei Porträts von Tokio-Hotel-Sänger und Model Bill Kaulitz, die ihn mit extravagantem Schmuck oder in High Heels und Netzstrumpfhosen zeigen, spielen mit Geschlechterrollen, mit Queerness und Voyeurismus. Sie brechen die Hochglanzästhetik der „Exposed“-Serie etwas auf. Die meisten dieser großformatigen Porträts sind schwarz-weiß, erinnern in ihrem Glamour an Helmut Newton, in ihrer Distanziertheit an Irving Penn und in ihrer Komposition an Richard Avedon. Wieder große Namen.

Private Karl Hinett, London 2011
Private Karl Hinett, London 2011Foto: Bryan Adams / Courtesy of CAMERA WORK

Dabei sind die interessantesten Fotografien Adams’ die von jungen Männern, deren Namen kaum einer kennt. Die in der Marginalisierung verschwinden, als Kollateralschäden eines Konflikts, der in der Öffentlichkeit kaum noch Beachtung findet. Für die Serie „Wounded - The Legacy of War“ hat Adams junge britische Soldaten fotografiert, die im Irak oder in Afghanistan waren und teilweise schwer verletzt zurückkehrten. Er inszeniert sie ähnlich wie die Celebritys: vor neutralem Hintergrund, in eleganten Posen, nie aber heroisch oder patriotisch.

Einer der jungen Männer posiert mit nacktem, tätowierten Oberkörper, die Hände hinterm Kopf verschränkt. Er könnte auch Musiker sein. Erst beim nahen Herantreten sind die tiefen Narben zu erkennen, mit denen sein Körper übersät ist. Dass Camera Work nur vier Bilder aus dieser Serie zeigt, ist schade. Mit Blick auf den nicht-musealen Kontext allerdings verständlich: Kriegsveteranen verkaufen sich eben nicht so gut wie Popstars.

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Bryan Adams: Exposed, bis 9.2., Galerie Camera Work, Kantstr. 149, Dienstag bis Samstag 11-18 Uhr

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