Charlottenburg-Wilmersdorf : Ein Platz für Benno Ohnesorg in Berlin?

Im Juni 1967 wurde der Student Benno Ohnesorg bei Protesten gegen den Schah-Besuch in Berlin von einem Polizisten erschossen. Das zuständige Bezirksamt erwägt nun die Umbenennung des Shakespeareplatzes.

Sabine Beikler Cay Dobberke
Ein Polizeifoto des sterbenden Studenten Benno Ohnesorg in der Polizeihistorischen Sammlung in Berlin
Ein Polizeifoto des sterbenden Studenten Benno Ohnesorg in der Polizeihistorischen Sammlung in BerlinFoto: Jörg Carstensen/dpa

Berlin wird wohl einen Benno-Ohnesorg-Platz erhalten. Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf prüft nach einem entsprechenden Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung mit den Stimmen von SPD, Grünen, Linken bei Ablehnung von CDU und AfD und Enthaltung der FDP eine mögliche Umbenennung des Shakespeareplatzes gegenüber der Oper in Benno-Ohnesorg-Platz.

Das Bezirksamt soll außerdem klären, ob die dortige Shakespeare-Büste vor die Schaubühne am Lehniner Platz versetzt werden kann. Der Student Benno Ohnesorg wurde während einer Demonstration in West-Berlin am 2. Juni 1967 von dem Polizisten Karl-Heinz Kurras erschossen. Jahrzehnte später wurde Kurras als Stasi-Spitzel enttarnt.

Ohne Entschädigung und Entschuldigung

Der frühere Berliner Grünen-Abgeordnete, Justizsenator und Bundestagsabgeordnete Wolfgang Wieland fordert die Platzumbenennung. „Nach einem politischen Beschluss muss dieser auch umgesetzt werden“, sagte Wieland dem Tagesspiegel. „Die Umbenennung des Platzes am 2. Juni dieses Jahres wäre ein gutes Datum, 51 Jahre nach dem Tod von Benno Ohnesorg.“ Dass die Shakespeare-Büste eventuell weichen soll, sieht Wieland nicht dogmatisch. „Die Büste kann dort stehen bleiben.“

Wieland war selbst 1967 auf der Demo gegen den Schah-Besuch. Eine Entschädigung für die Familie Ohnesorg habe es nie gegeben. Auch eine Entschuldigung des gesamten Senats fehle bisher, kritisiert Wieland. Lediglich Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) entschuldigte sich am 2. Juni vergangenen Jahres – 50 Jahre nach den tödlichen Schüssen – für den Polizeieinsatz.

Damals habe die Polizei die Demonstranten nicht vor den Schah-Anhängern geschützt, die auf die Studenten mit Dachlatten und Stahlruten losgegangen seien. Bei der Polizei habe es geheißen: „Knüppel frei“ gegen die Studenten. „Nun möchte ich die Opfer dieser Gewalt und Willkür, deren Täter nicht oder nicht ausreichend belangt wurden, um Entschuldigung bitten“, sagte Behrendt.


Jetzt neu: Wir schenken Ihnen Tagesspiegel Plus 30 Tage gratis!