Citadel Music Festival : Konzerte in der Zitadelle: Die Festivalsaison hat begonnen

Die alte Renaissance-Festung findet Thomas Spindler magisch. Hier lädt er dieses Jahr wieder zum Citadel Music Festival. Und hat auch sonst viel vor.

Als Veranstaltungsort macht die Zitadelle ordentlich was her.
Als Veranstaltungsort macht die Zitadelle ordentlich was her.Foto: Britta Pedersen / promo

Man kommt an in der Zitadelle Spandau und Thomas Spindler packt einen gleich am Arm. Er ist Macher des Citadel Music Festivals, das die Zitadelle nach der Wuhlheide und der Waldbühne zu einer der großen Berliner Open-Air-Bühnen gemacht hat. Spindler sagt: „Komm mit, Du musst Dir selber anschauen, was wir neu gemacht haben.“

Er schleppt einen zu einem Stuhl des Zitadellen-Cafés, von dem aus man einen astreinen Blick auf die Open-Air-Bühne mitten im großen Hof der Festungsanlage hat, die gerade aufgebaut wird und zum großen Teil auch bereits steht.

„Dieser Blick, das ist neu“, sagt Spindler, „früher war hier alles zugestellt, vom Café aus konnte man nicht auf die Bühne blicken.“ Jetzt aber schon, denn der Betreiber ist seit kurzem Thomas Spindler.

Auch die Zitadellenschänke nebenan hat er übernommen, die ab sofort unter dem Namen Zitadellenwirtschaft firmiert und wo an den Wochenenden Ritteressen mit Barden und Bänkelsängern stattfinden.

Die Zitadelle als Veranstaltungsort

Der Mittfünfziger betreibt seit 20 Jahren die Konzertagentur Trinity, eine der führenden der Stadt, außerdem mehrere Berliner Clubs und den Schöneberger Plattenladen Dodo Beach. Seit 13 Jahren veranstaltet er auch das Citadel Music Festival und ist ganz offensichtlich gerade dabei, die traumhaft gelegene Zitadelle noch stärker als Veranstaltungsort zu positionieren.

Die Kulisse stimmt auf jeden Fall: Die Zitadelle ist eine der besterhaltenen Festungen der Hochrenaissance in Europa. Ein Open-Air-Kino wird es hier im Sommer nun auch geben, Public-Viewing zur WM, Nachtmärkte und im Juli eine Oldtimer-Show. Kleinere Clubkonzerte, so Spindler, plane er außerdem demnächst in seiner neuen Zitadellenwirtschaft.

18-Open-Air-Konzerte geplant

Das Citadel Music Festival selbst wird bis Ende August gehen, danach wird die Freiluftbühne wieder abgebaut. Bis dahin sollen 18 Open-Air-Konzerte stattgefunden haben, mehr dürfe er nicht veranstalten, sagt Spindler, so seien eben die Auflagen. Obwohl, so ist zu spüren, eigentlich mehr ginge.

Unter anderem soll Nena in diesem Jahr auftreten.
Unter anderem soll Nena in diesem Jahr auftreten.Foto: Thilo Rückeis

Eine bunte Mischung an Shows wird es ihm Rahmen des Festivals geben. Nena wird auftreten, die Nine Inch Nails, Lenny Kravitz und weitere Künstlern, mit denen man als Konzertveranstalter kaum etwas falsch machen kann.

Eröffnet wurde am Montag mit den Hollywood-Vampires, einer kuriosen Star-Allianz von Schauspieler Johnny Depp, Alice Cooper und Joe Perry von der Band Aerosmith. Mehr als 200.000 Tickets habe er insgesamt bereits verkauft, sagt Spindler, das gesamte Festival sei damit so gut wie ausverkauft. Für das beschauliche Spandau, das betont er, sei das ein Riesending.

Thomas Spindler als Schlossherr

Spindler war mal Punker und wurde dann dank des Geschäfts mit dem Rock’n’Roll reich. Er hat lange Haare, trägt ein schlabberiges, weit geöffnetes Hawaii-Hemd und ist überall tätowiert. Dabei, so lässt er nebenbei noch fallen, sei er nicht nur Konzertveranstalter, sondern auch ein „sehr erfolgreicher Rennsport-Fotograf“. Gerade erst sei er wegen dieses Jobs beim Großen Preis von Monte Carlo gewesen.

Er packt einen dann bald wieder am Arm und zieht einen barfuß weiter über das Gelände. Am kleinen Hafen, der durch die Öffnung einer Schleuse direkt an die Havel angebunden ist, die die Zitadelle umschließt, bleibt er stehen und sagt, dass er hier noch vor Festivalbeginn den Job zu erledigen habe, der immer an ihm hängenbleibe: das Hafenbecken zu reinigen.

„Ich ziehe mir dann wie jedes Jahr eine Art Ganzkörperkondom an, steige in das Wasser und hole tote Tiere raus und was sich sonst noch so hier angesammelt hat“, erklärt er. Die Stars, führt er fort, kämen meist genau hier an, mit dem Boot. „Die freuen sich dann jedes Mal wie kleine Kinder. Mit dem Schiff direkt zum Festivalgelände zu schippern, das erleben die auch nur einmal im Jahr.“

Spindler sagt, er sei total dankbar, dass er hier sein dürfe. Gleichzeitig führt er über das Gelände wie ein Schlossherr. Er spricht von einer „Abenteuerspielwiese“, auf der er gelandet sei. Ab geht es jetzt in den Backstagebereich. Überall sind Handwerker und Techniker, der ganze abgeschlossene Bereich für die Rockgrößen wird gerade renoviert.

Einer seiner Mitarbeiter hat eine riesige, aufblasbare Blume angeschleppt, zu der Spindler erst einmal seinen Kommentar abgibt. Das Ding muss weg oder zumindest woanders hin. Lenny Kravitz, so scheint er anzunehmen, kann wohl eher wenig damit anfangen. Im Backstagebereich steht überall Kunst herum, Bilder und Skulpturen. „Kunst muss sein“, sagt Spindler.

Dann geht es raus, hinter den Backstagebereich, in einen riesigen Garten auf dem Festungswall der Zitadelle. Der Blick über die Havel ist atemberaubend. Ein Fischreiher fliegt vorbei, ums Eck würden Waschbären leben, sagt Spindler. „Hier ist Magie“, befindet er. Und mit dieser Magie will er seine Gäste verzaubern.

Weitere Stars des Citadel Music Festival

Den ganzen Sommer über bespielen hochkarätige Acts die Freiluftbühne in der Zitadelle. Für drei Konzerte gibt es im offiziellen Kartenvorverkauf keine Tickets mehr: A Perfect Circle (17. Juni), Massive Attack (29. Juni) und Nine Inch Nails (2. Juli).

Zum Glück gibt es weitere Termine, um die Mauern der Burg zum Wackeln zu bringen. Am morgigen Donnerstag treten Runrig im Rahmen ihrer Abschiedstournee auf. Am Sonnabend stehen Marc Storace und Sweet mit Gästen wie Doro auf dem Programm, nächste Woche Dienstag Lenny Kravitz.

Nena auf der Bühne.
Nena auf der Bühne.Foto: dpa

Am 22. Juni lässt Nena ihre Luftballons steigen, einen Monat später ist Billy Idol dran (19. Juli). Etwas gemütlicher und folkiger wird es am 24. Juli mit Amy Macdonald und einen Tag später mit dem Lagerfeuer-Barden Jack Johnson.

Am 29. Juli greift Joan Baez in die Saiten, am 6. August gibt es Glam Metal von Steel Panther, eine Woche bekommt Spandau dann Besuch von Arcade Fire (13. August).

Berliner Eigengewächse kriegen auch eine Chance: Savas und Sido treten am 15. August auf, kurz darauf spielen Santana (17. August) und Milky Chance mit Mighty Oaks (18. August).

Am 21. August bringen die Norweger von A-ha Band und Streicher mit, bei Fat Freddy’s Drop am 24. August wird die Bühne ebenfalls recht voll werden. Das Festival schließt mit einem auf den 29. August verschobenen Konzert von Michael Patrick Kelly.

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