• Craft-Bier-Brauerei Brewdog: Wie zwei Schotten den Punk nach Mariendorf bringen wollen

Craft-Bier-Brauerei Brewdog : Wie zwei Schotten den Punk nach Mariendorf bringen wollen

Im alten Gaswerk wird seit drei Jahren Craft-Bier gebraut. Nun kommen neue Brauer. Hier sprechen die Brewdog-Gründer über ihre Pläne.

Die Schotten James Watt (r.) und Martin Dickie haben Brewdog gegründet, mittlerweile Europas größte Craft-Bier-Brauerei.
Die Schotten James Watt (r.) und Martin Dickie haben Brewdog gegründet, mittlerweile Europas größte Craft-Bier-Brauerei.Foto: Judith Langowski

Herr Dickie, Herr Watt, Brewdogs berühmtestes Bier ist das „Punk IPA“, Sie nennen sich selbst Punks. Kann man den Punk ins bürgerliche Mariendorf bringen?

Martin Dickie: Wir wollen die außergewöhnliche Brauerei hier nutzen, um lokalen Hobbybrauern und kleineren Craft-Brauereien den Raum zu geben, zu experimentieren.

James Watt: Gerade weil viele Kunden aus Mariendorf kommen, wollen wir aus dem Gelände auch etwas Besonderes für die Nachbarschaft machen. Zum Beispiel mit einem Biermuseum oder einem Craft-Bier-Hotel. Unsere Brauereien in Schottland und den USA sind auch nicht zentral gelegen. Wir wollen erreichen, dass aus dem Gelände ein Zielort wird, für den Gäste auch einen längeren Fahrtweg in Kauf nehmen.

Das hat „Stone Brewing“ auch versucht und nun nach drei Jahren frustriert wieder aufgegeben. Was werden Sie anders machen?

Watt: Stone hat hier etwas Tolles aufgebaut. Wir haben aber einige andere Ideen, zum Beispiel ein Spieleangebot für drinnen und draußen, einen Park für Hunde und vielleicht sogar ein Coworking-Space. Aber wir fangen gerade erst mit der Planung an.

Dickie: Das Essensangebot wird sich auch ändern. Statt exklusiver Küche, wie bei Stone, soll es bei uns nicht zu teures, alltägliches Essen geben, das gut zum Bier passt – „beer food“ eben.

Stone-Brewing-Chef Greg Koch kritisierte, dass die Deutschen nicht bereit seien, mehr Geld für Craft-Bier zu bezahlen. Auch bei Brewdog gibt es viele Biere, die anders schmecken und deutlich teurer sind, als ein gewöhnliches Pils. Wie wird Ihr Angebot in Mariendorf sein?

Watt: Wir werden auf jeden Fall auch Biere anbieten, die näher am deutschen Geschmack liegen. Und wir freuen uns darauf, Bier in Deutschland für Deutschland brauen. Zudem wird es besondere Biere geben, die ganz anders gebraut werden oder ganz anders schmecken als herkömmliche Biere, zum Beispiel welche, die in Whisky-Fässern gereift wurden.

Dickie: Uns inspiriert die Vielfalt der deutschen Biertradition. Es ist sehr schwierig, ein gutes Pils oder Lager zu brauen. Wir haben zwölf Jahre gebraucht, um unser klassisches Pils zu entwickeln, das wir „Lost Lager“ nennen.

Fiel Ihre Wahl auch wegen des Brexits auf Mariendorf?

Watt: Der Brexit wird sich noch jahrelang hinziehen, wir können nicht sagen, dass wir nur deshalb hier sind. Wir wollen den Standort Mariendorf für Berlin und Deutschland nutzen und wenn es sich beim Brexit als nützlich erweist, umso besser. Später wollen wir von hier aus auch Österreich und die Schweiz beliefern.

Muss sich Mariendorf darauf einstellen, dass das Gelände ab Mai, also zu bester Biergartensaison, erstmal sechs Wochen schließt?

Dickie: Wir wollen versuchen, auch während der Umbauarbeiten immer Teile des Geländes offen zu halten, damit die Nachbarschaft weiterhin ihr Bier bekommt.

„Stone Brewing“ war unter anderem wegen der schlechten Zusammenarbeit mit Bauunternehmen in Berlin frustriert. Was ist Ihre Erfahrung?

Watt: Wir haben schon in Schottland, England, Deutschland und den USA Brauereien und Bars gebaut. Es kommt immer vor, dass es Probleme beim Bau gibt, so ist es dann eben.

Wie haben die Stadt und der Bezirk auf Ihre Pläne reagiert?

Watt: Sehr gut.

Und was steckt hinter der „Brewdog Airline“, mit der Sie auch nach Berlin fliegen wollen?

Watt: Für unsere Anteilseigner haben wir schon einmal einen Flug von London zu unserer Brauerei in Columbus, Ohio, gechartert. Im Flugzeug gab es dann speziell gebrautes Bier, das in der Flughöhe besonders gut schmeckt. Bald wollen wir das auch zwischen Schottland und Berlin versuchen. Die Fluglinie ist nur für „Equity Punks“, unsere Anteilseigner, die für 30 Euro einen Anteil erwerben können. Davon gibt es weltweit 100.000.

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