• Das Geschäft mit vergessenen Rechnungen: Wie man sich vor hohen Inkassokosten schützt

Das Geschäft mit vergessenen Rechnungen : Wie man sich vor hohen Inkassokosten schützt

Inkassounternehmen unterstützen ihre Auftraggeber dabei, Schulden einzutreiben - oft mit überhöhten Kosten. Die Berliner Verbraucherzentrale gibt Tipps.

Dörte Elss
Für viele ein großer Schreck: Inkasso-Briefe.
Für viele ein großer Schreck: Inkasso-Briefe.Foto: Jens Büttner/dpa

Wer von uns hat nicht schon einmal vergessen, eine Rechnung zu bezahlen? Die Aufgabe von Inkassounternehmen ist es, ihre Auftraggeber dabei zu unterstützen, in diesen Fällen den Betrag zu beschaffen, welchen Sie schulden. Vieles verursacht großen Unmut im Verbraucheralltag, aber überhöhte Inkassokosten sind nach wie vor eines der größten Ärgernisse, die uns in der täglichen Arbeit geschildert werden.

Einkommensschwache und überschuldete Menschen empfinden sie in der aktuellen Krisenlage sogar zunehmend als Bedrohung. Nun soll ein neuer Gesetzentwurf den Verbraucherschutz erhöhen, ist im Hinblick auf diesen Anspruch jedoch noch deutlich ausbaufähig, wie ich finde.

Die Inkassokosten werden im derzeitigen Entwurf leider nur unzureichend begrenzt, was jedoch dringend erforderlich ist. Die vorgesehene Begrenzung auf 18 Euro für Kleinstforderungen bis 50 Euro in einfachen Fällen greift zu kurz. Eine Deckelung bei 18 Euro für das erste Inkassoschreiben sollte ausnahmslos gelten.

Auch für Ratenzahlungsvereinbarungen werden oft ungerechtfertigte und überhöhte Gebühren verlangt. Aus meiner Sicht sind Ratenzahlungen grundsätzlich Teil der vergüteten Inkassodienstleistungen, gehören zum Kerngeschäft und dürfen somit nicht extra in Rechnung gestellt werden. Die Gebühren wie vorgesehen lediglich zu senken, reicht hier definitiv nicht aus.

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Zudem befürchte ich, dass die Notsituation von Verbrauchern, die dringend eine Zahlungsvereinbarung benötigen, ausgenutzt werden könnte, um andere nachteilige Vereinbarungen daran zu knüpfen. Ratenzahlungsvereinbarungen dürfen aber nicht mit Schuldanerkenntnissen und Lohnabtretungen gekoppelt werden. Transparenz ist hier besonders wichtig, damit Verbraucher genau wissen, was sie unterschreiben. Denn leider gibt es immer wieder Inkassounternehmen, welche gegen die Informationspflichten verstoßen.

Um unseriöse Geschäftspraktiken zu unterbinden, sollte deshalb auch die Aufsicht über Inkassodienstleister auf Bundesebene zentralisiert werden. Dies fordert auch der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU), was ich sehr begrüße. Als Verbraucher sind Sie darauf angewiesen, dass Rechtsverstöße geahndet werden, ohne dass Sie als Schuldner dabei selbst aktiv werden müssen, um Aufsichtsverfahren einzuleiten. 

Leider wird in Form des aktuellen Gesetzentwurfs wieder einmal nur an der unzureichenden gesetzlichen Struktur des Inkassowesens festgehalten. Das ist wirklich mehr als ärgerlich, denn wichtige Impulse für den Verbraucherschutz sind zwingend notwendig.

Ich wünsche mir, dass meine Anregungen und die der zahlreichen anderen Stimmen, die es dazu gibt, endlich Gehör finden. Denn dann kostet eine vergessene Rechnung uns alle zwar noch immer Geld aber vielleicht bedeutend weniger Nerven.

Dörte Elss ist Vorstand der Verbraucherzentrale Berlin e. V. An dieser Stelle gibt sie wöchentlich Tipps rund um den Verbraucherschutz. Weitere Verbraucherthemen finden Sie hier.

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