„Das Monster ist final gezähmt“ : Entrauchungsanlage vom BER funktioniert

Ein Hauptproblem der BER-Baustelle ist gelöst: Der TÜV hat die Entrauchungsanlage abgenommen. Der Flughafenchef gibt sich optimistisch für eine Eröffnung 2020.

Die Entrauchungsanlage am BER ist nun "frei von jeglichen Mängeln"
Die Entrauchungsanlage am BER ist nun "frei von jeglichen Mängeln"Foto: Kai-Uwe Heinrich

Der BER, mal anders: Eine positive Nachricht von der Baustelle, verkündet von Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup. Der TÜV Rheinland hat jetzt die berüchtigte Entrauchungsanlage komplett abgenommen. Das Monster ist final gezähmt“, sagte Lütke Daldrup am Freitag auf einer Pressekonferenz in Berlin. Die Entrauchungsanlage galt viele Jahre als ein Hauptproblem und war extra in drei kleinere beherrschbare Anlagen zerteilt worden. Auch war die Brandschutzanlage der offizielle Grund, weshalb die Eröffnung 2012 nicht stattfinden konnte.

Vor einigen Wochen hatte der TÜV Rheinland sein Siegel bereits für die von Siemens programmierte Software zur Steuerung der Entrauchungsanlage gegeben, die im Brandfall bei hunderten Szenarien feindosiert den Abzug des Qualms und die Zufuhr von Frischluft garantieren muss.

Nun folgte die Hardware, also die Frischluft- und Entrauchungskanäle samt Brandschutzklappen, die die Firma Caverion errichtet hat. Die maschinelle Entrauchung sei vom TÜV am 24. Mai final geprüft worden und „frei von jeglichen Mängeln“, sagte Lütke Daldrup. Damit reiht sich die einst als „Monster“ bekanntgewordene Entrauchungsanlage in die Reihe gelöster BER Probleme ein – nach den Automatiktüren, der Sprinkleranlage, den zu schweren Deckenventilatoren und dem ursprünglich nicht brandschutzsicheren Übergang vom unterirdischen BER- Bahnhof ins Terminalgebäude darüber.

Eröffnung 2020? Daldrup bleibt optimistisch

Lütke Daldrup betonte erneut, dass „die Eröffnung des neuen Flughafens im Oktober 2020 gesichert ist“. Er zeigte sich optimistisch, dass auch die Mängel an der Brandmeldeanlage und den Kabelanlagen der Sicherheitsbeleuchtung und der Sicherheitsstromversorgung in den nächsten Monaten und damit rechtzeitig beseitigt werden können: „Die Mängelbeseitigung kommt sehr gut voran.“ Die Wirk- und Prinzipprüfungen (WPP) sollen im Sommer beginnen, im Herbst soll den Behörden die Baufertigstellungsanzeige übergeben werden.

Damit die WPP beginnen kann, müssen alle Mängel der „Priorität 1“ abgestellt sein – nach einer Prioritätenliste nach Vorgaben des TÜV, die mit Brandenburgs Baubehörden abgestimmt sei, sagte Lütke Daldrup. Die anderen Mängel sollen dann bis zum Start des Probetriebes im April 2020 beseitigt werden.

Weiterhin viele Probleme mit dem Flughafen

Der nach außen demonstrierte Optimismus steht nach Tagesspiegel-Recherchen allerdings weiter im Kontrast zum Ausmaß der Probleme, insbesondere bei den Kabeln, die den BER-Start im Oktober 2020 gefährden können. Im März hatte der TÜV in einem Prüfbericht mehr als 11.000 wesentliche Mängel festgestellt, darunter kritische, die eine Abnahme durch TÜV und Behörden ausschließen: Dazu gehören überbelegte Kabeltrassen, nicht getrennt verlegte Stark- und Schwachstromleitungen und der nicht gesicherte „Funktionserhalt“ von Kabeln für die Notstromversorgung oder die Sicherheitsbeleuchtung, die im Brandfall nachweislich 90 Minuten weiter funktionieren müssen.

Um all das zu beseitigen, sind nach wie vor Umbauten erforderlich, wie Lütke Daldrup intern auch eingesteht: „Das Bausoll steigt an. Die Abarbeitungsgeschwindigkeit der Mängel ist immer noch nicht im erforderlichen Zielkorridor“, heißt es in einer FBB-Unterlage vom Mai 2019 zur aktuellen Lage.

Wenn der BER ans Netz geht, sollen Anwohner um Schönefeld mit weniger Krach belastet werden. Piloten und Airlines in Schönefeld sollen, wie berichtet, mit einem neuen Entgeltsystem des Flughafens animiert werden, leise Start- und Landeverfahren zu wählen. Man könne mit derselben Maschine lauter oder leiser fliegen, erläuterte Lütke Daldrup. Künftig wird der reale Lärm beim Starten oder Landen gemessen – und danach das Entgelt berechnet, in einer Spanne von 40 Euro bis zu 7500 Euro für laute Maschinen. Besonders teuer werde es in den Randzeiten kurz vor Mitternacht oder am Morgen. „Wir leisten damit Pionierarbeit“, sagte der Flughafenchef. Seines Wissens werde das Modell erstmals in Deutschland eingeführt.

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