Berlin : Das traurige Ungeheuer und der hübsche Bücherwurm

Ab heute zeigt das Theater am Potsdamer Platz „Die Schöne und das Biest“. Am Mittwoch lud der Tagesspiegel Gäste zur exklusiven Vorpremiere ein

Daniela Martens

Die Teller tanzen und blinken. Der Teppich schlägt Flikflaks. Der Flaschenöffner dreht Pirouetten. Das traurige Ungeheuer hat seine Tatzen in elegante Reitstiefel gezwängt und den buckligen Leib in einen himmelblauen Seidenanzug. Schließlich ist es Gastgeber und auch noch verliebt. So geht es zu im verwunschenen Schloss im dunklen Wald, in dem die Wölfe mit den orangeglühenden Augen lauern – mitten in Berlin, auf der Bühne des Theaters am Potsdamer Platz.

Zu einer exklusiven Vorpremiere des Musicals „Die Schöne und das Biest“ hatte der Tagesspiegel als Medienpartner am Mittwochabend 1500 Kunden geladen. Sie konnten das Spektakel schon vor dem offiziellen Start am heutigen Freitag erleben. Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt und Geschäftsführer Clemens Riedl begrüßten die Gäste.

„Märchen schreibt die Zeit, in des Dichters Kleid“, heißt es im Titelsong: Das Märchen von der schönen Belle (Leah Delos Santos), die es nicht leicht hat. Die Menschen aus ihrem Dorf finden sie seltsam, weil sie ein Bücherwurm ist. Der unangenehme Schönling und Macho Gaston (Kevin Kraus) mit den baumstammdicken Oberschenkeln will sie heiraten – gegen ihren Widerstand. Und dann wird sie auch noch gefangen genommen, im Schloss des gehörnten Ungeheuers: Das Biest (Yngve Gasoy-Romdal) ist ein verzauberter Prinz, der nur durch die Liebe einer Frau wieder zum Menschen werden kann: Belle.

Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Denn neben der Schönheit fehlen dem Biest auch gute Manieren und die Kontrolle über sein aufbrausendes Temperament. Hilfe bei den Eroberungsversuchen bekommt er von seinem verzauberten Hofstaat: Der Diener Lumière ist halb Mensch halb Kerzenleuchter, vor allem aber ein galanter Charmeur. Der Hofmarschall von Unruh ist eine laufende und sprechende Standuhr. Beide erziehen ihren ungestümen Herrn: „Sei ein Edelmann“, singen sie.

Wird sie sich in ihn verlieben? Das ist die große Frage. Liebe auf den ersten Blick hingegen ist es bei den Zuschauern – zu dem Musical. „Ich habe vor Rührung geweint. Das sagt doch alles“, sagt Katharina Schöbel nach der Vorstellung. Und bei welchem Darsteller hat es beim Publikum gefunkt? Die Schöne? „Nee“, sagt die achtjährige Dana. Das Biest? Sie schüttelt den Kopf: „Der Kerzenständer war am allerbesten mit seinem französischen Akzent.“ Witz und Ironie des Stückes seien „der Knaller“, meint Danas Mutter Martina Fundi. Marion Beckers Herz schlägt für einen ganz anderen: Den schmierigen Beau Gaston: „Der war herzerweichend – für einen Bösewicht.“

Premiere heute, 19 Uhr. Vorstellungen täglich im Theater am Potsdamer Platz, Karten ab 30 Euro unter Tel. 01805 44 44.

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