"Das Ziel ist, überhaupt anzukommen" : Auf 100 Kilometern Mammutmarsch durch Berlin

2000 Menschen wandern in maximal 24 Stunden 100 Kilometer rund um Berlin. Am Samstagnachmittag ging es los. Wir haben mit dem Gründer gesprochen.

Carmel Schnautz
Teilnehmer des Marsches.
Teilnehmer des Marsches.Foto: Mammutmarsch UG

Die Strecke würden andere nicht mal mit dem Fahrrad zurücklegen - beim Mammutmarsch wandern die Teilnehmer in maximal 24 Stunden durch Berlins schönste Natur im Grunewald und Wannsee mit Abstechern nach Brandenburg, zum Beispiel am Schloss Marquardt vorbei. Los geht es in diesem Jahr am Sonnabend, 25. Mai, 15.30 Uhr - und zwar in Spandau, im Südpark. Wir haben die Extremwanderung bereits im Spandau-Newsletter des Tagesspiegel thematisiert.

Alles begann im Jahr 2006 im Ruhrgebiet, als sich Bastian Kröhnert-Ferron und Philipp Laage auf eigene Faust auf den Weg machten und 100 Kilometer in 24 Stunden marschierten. Diese Erfahrung hat die beiden so sehr inspiriert, dass sie einige Jahre später den ersten Mammutmarsch in Berlin organisierten.

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Es ging los mit 17 Teilnehmern, die sich innerhalb weniger Jahre vertausendfacht haben. Mittlerweile gibt es die Wanderung auch in anderen deutschen Städten und auch eine kürzere Version von 30 beziehungsweise 55 Kilometern hat sich unter dem Namen „Little Mammut“ etabliert. Die Vorbereitung dauert ein ganzes Jahr, Sanitäts- und Sicherheitseinrichtungen sind nötig, aber auch Verpflegungsstationen gibt es auf der Strecke immer wieder.

Bastian Kröhnert-Ferron ist 32 Jahre alt und die Organisation des Mammutmarsches ist zu seiner Hauptbeschäftigung geworden. Wir haben mit ihm über den Mammutmarsch gesprochen.

Ist das Gefühl nicht ein wenig bizarr, nachts mit 2000 Leuten durch den Wald zu laufen?

Ob ich es jetzt bizarr nennen würde, weiß ich nicht. Ich finde, es ist eher ein schönes Gefühl, soweit das Auge reicht die Taschenlampen der Menschen zu sehen, die mit einem zusammen diese Wanderung auf sich nehmen. Das Schöne für mich ist, dass so viele Leute das Ganze gemeinschaftlich machen. Es gibt bei uns auch keine Gewinner oder Verlierer, denn darum geht’s nicht. Wenn es darum gehen würde, wer als erstes das Ziel erreicht, würden die Leute anfangen zu rennen. Das Ziel ist nicht, als erster im Ziel anzukommen, sondern überhaupt anzukommen. Da es so viel um das Miteinander und die Gemeinschaft geht, gibt es tatsächlich auch Gruppen, die sich hier gebildet haben und sich auch außerhalb dieses Rahmens, zum Beispiel zum Kanufahren oder zum Trainingsmarsch treffen.

Wander-Fan Bastian Kröhnert-Ferron.
Wander-Fan Bastian Kröhnert-Ferron.Foto: promo

Warum begeben sich so viele Menschen auf diesen Marsch?

Eine Frage, die wahrscheinlich jedem Teilnehmer gestellt wird. Es geht für die Meisten darum, eigene Grenzen auszutesten und herauszufinden, ob man es wirklich schafft.

Schaffen es denn auch viele nicht?

Das kommt sehr auf das Wetter und die Temperatur an. Natürlich schaffen es weniger Leute bei 30 Grad Hitze. Ungefähr ein Drittel der Teilnehmer schafft es ins Ziel.

Was ist Ihrer Meinung nach der schwierigste Teil?

Der Beginn der Nacht, wenn es kälter wird und man schon an die 40 Kilometer gelaufen ist. Ansonsten haben wir festgestellt, dass es auch um den 80. Kilometer schwierig ist, weil man schon viel Strecke in den Knochen hat und immer noch 20 Kilometer vor sich hat.

Welches Alter haben die Teilnehmer?

Bei einer der kürzeren Distanzen hat einmal ein Mann teilgenommen, der 82 Jahre alt war. Bei dem 100-Kilometer-Marsch war der Älteste 70 Jahre alt. Mittlerweile gibt es eine Einstiegsgrenze von 16 Jahren, vorher hatten wir einmal ein 11-jähriges Kind, das natürlich in Begleitung mitgelaufen ist. Es sind eigentlich alle Altersgruppen vertreten, auch wenn die Mehrheit zwischen 18 und 40 Jahre alt ist.

Wandern bis zur Erschöpfung.
Wandern bis zur Erschöpfung.Foto: promo

Gibt es einen neuen Hype ums Wandern?

Vorher gab es in Deutschland höchstens kleine lokale Events, die etwas Ähnliches wie den Mammutmarsch organisiert haben. Und die stellten in der Regel nicht wirklich eine sportliche Herausforderung für jüngere Leute dar. Das ganze „Wanderthema“ war meiner Meinung nach angestaubt. Die Assoziation, die viele Leute davon hatten, waren ältere Leute, die in den Bergen wandern gehen und zwischendurch Kaffeepausen machen. Insofern haben wir schon eine jüngere Zielgruppe angesprochen und ihnen das Wandern in einem anderen, sportlicheren Kontext gezeigt.

Gibt es eine feste Gruppe, die seit Beginn dabei ist?

Ja es gibt Leute, die schon seit dem ersten Marsch mitlaufen, das ist die feste Kerngruppe. Aber es gibt jedes Jahr viele neue Gesichter.

Nach dem Marsch gibt es Medaillen für die Teilnehmer.
Nach dem Marsch gibt es Medaillen für die Teilnehmer.Foto: promo

Was wartet auf die Teilnehmer im Ziel?

Das Ziel ist im Südpark, also quasi auch mitten in der Natur. Es wird Musik geben, alle Teilnehmer bekommen eine Medaille und etwas wie ein Festivalbändchen, welches danach am Arm getragen werden kann. Jeder bekommt ein Bier oder Radler oder alkoholfreies Bier in die Hand. Alle sind natürlich sehr fertig und wollen einfach nur entspannt zusammen genießen, dass sie es jetzt geschafft haben.

 

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