Berlin : Der Kiezpolizist ist wieder da

1200 Kontaktbereichsbeamte sollen auf den Straßen präsent sein. 2006 mehr als 3300 Angriffe auf Polizisten

Tanja Buntrock

Der „Kob“ ist wieder zurück auf der Straße. Gestern verkündete Polizeipräsident Dieter Glietsch, dass bereits vor zwei Wochen der Kontaktbereichsbeamte wieder eingeführt wurde. Dieser – kurz „Kob“ – verkörpert das, was sich der Kiezbewohner jahrzehntelang bis zu seiner Abschaffung 1998 als „Freund und Helfer“ vorstellte: Ein bürgernaher Streifenpolizist, der die Straßen und Bewohner seines Kiezes kennt und jederzeit Ansprechpartner für die Sorgen und Probleme der Menschen ist.

Von den rund 1200 Kontaktbereichen seien bereits 900 wieder mit einem Kob besetzt, bestätigte Glietsch. „Die restlichen werden derzeit von den Direktionen bestimmt.“ In Problembezirken sollen sogar zwei bis drei Kobs pro Bereich eingesetzt werden. Anfang Januar hatte der Polizeipräsident die Rückkehr der Kobs angekündigt. Dieser war im Zuge der Polizeireform 1998 verschwunden. Er sollte durch den „Smöb“ (Sachbearbeiter mit örtlichem Bezug) ersetzt werden. Doch das klappte niemals so recht. Der „Smöb“ blieb für die Kiezbewohner und Geschäftsleute anonym. Einen Polizisten ihres Vertrauens, den sie vom Sehen kannten, gab es nicht mehr. Vor allem das Vertrauen der Bürger zur Polizei solle durch den Kontaktbereichsbeamten verbessert werden. Der Kob wisse in seinem Bereich mehr als andere und könne einschreiten, „bevor die Fäuste fliegen“, hieß es.

Und das ist offenbar nötig. Denn mit dem Vertrauen der Bürger zur Polizei ist das so eine Sache: In Berlin ist die Gewaltkriminalität hoch. Dies schlägt sich auch in den Angriffen auf Polizeibeamte nieder. So sind Widerstandshandlungen gegen Polizeibeamte im vorigen Jahr um rund neun Prozent auf 3 369 Fälle gestiegen. Damit liegt Berlin im Vergleich zu anderen Großstädten an der Spitze – wie schon in den vergangenen zehn Jahren. Allerdings gab Polizeipräsident Glietsch zu bedenken, dass seit zehn Jahren die Zahl der Gewaltvorfälle gegen Polizisten auf einem „gleichbleibenden Niveau“ liegt. Von einem Trend zu immer mehr Gewalt gegen Polizeibeamte könne man nicht sprechen. Dennoch mahnte er: „Es herrscht eine konstant hohe Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft, bei der auch vor Polizisten nicht haltgemacht wird.“ Erinnert wurde etwa an Angriffe von Anwohnern auf Polizeibeamte, die im Herbst 2006 in der Kreuzberger Wrangelstraße jugendliche Straßenräuber festnehmen wollten.

Nicht Jugendliche, sondern Erwachsene verübten die meisten Gewalttaten gegen Polizisten. Damit die Beamten sich dagegen schützen können, erhält nun jeder Beamte eine eigene Schutzweste – auf Kosten der Behörde. Früher mussten die Beamten die Weste größtenteils aus eigener Tasche bezahlen. Zudem bekommen nun alle Polizisten auf den einzelnen Abschnitten den Einsatzmehrzweckstock – auch „Tonfa“ genannt. Diesen nutzten bislang nur Beamte der Spezialeinheiten und der Bereitschaftspolizei.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisierte gestern dennoch, dass zu wenig zum Schutz der Beamten getan werde. GdP-Chef Eberhard Schönberg sagte, Funkstreifenbeamte seien besonders gefährdet. Doch das Schieß- und Selbstverteidigungstraining werde zu unregelmäßig angeboten. Der „Tonfa“ und kostenlose Schutzwesten hätten schon vor Langem eingeführt werden müssen.

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