Berlin : Der Kunst den Hof gemacht

Enkel des Bildhauers Ernst Barlach plant Skulpturenmuseum an der Oranienburger Straße in Mitte

Christian van Lessen

Ein Skulpturenmuseum – auch mit Werken des Bildhauers Ernst Barlach – will sein Enkel im „Kunsthof“ neben der Synagoge an der Oranienburger Straße 27 einrichten. Der Hamburger Medienunternehmer Hans-Georg Barlach hat Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) entsprechende Pläne vorgestellt. Gothe spricht von einer „tollen Idee“. Allerdings seien einige Umbauten in dem denkmalgeschützten Hof geplant, so dass es noch Abstimmungen mit Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) und dem Denkmalschutz geben müsse. In Kürze werde man Barlach mitteilen, was „denkbar“ sei, sagt Gothe.

Der Hamburger Unternehmer, der in jüngster Zeit mit einem rechtlich umstrittenen Anteilserwerb am Suhrkamp-Verlag von sich reden machte, will nicht, wie Gothe, von einer speziellen Barlach-Galerie sprechen, „aber Barlach gehört da rein“. Er könnte das Museum auch mit dessen Werken ausstatten, aber es sollten auch andere Künstler mit Bezug zu Berlin gezeigt werden, etwa Werke von Markus Lüpertz oder Georg Baselitz. Das Skulpturenmuseum könnte – ohne Neubau – auf einer Fläche von rund 1000 Quadratmetern in Kooperation mit der Bildgießerei Noack verwirklicht werden. „Wir sind noch in der Planungsphase.“ Inzwischen seien ihm auch Räume in Charlottenburg angeboten worden, sagt Hans-Georg Barlach, der im Vorstand der Barlach-Stiftung in Güstrow sitzt.

Mit Umbauten im Kunsthof soll das Berliner Archtiktenbüro Baller beauftragt werden. Geplant ist, den Hof für eine Passage zur Krausnickstraße zu öffnen. Stadtrat Gothe hat gegen den Durchbruch und Veränderungen des Pflasters weniger Bedenken als gegen Arbeiten an Fassaden des Hofs, wo an eine „großzügige Eingangssituationen mit Balkonen“ gedacht sei. Gothe betont, bei der Hofsanierung sei viel öffentliches Geld geflossen. Man müsse auch beachten, dass dort Leute lebten und der Umbau „wohnverträglich“ sein sollte.

Der Kunsthof, um 1840 mit einem repräsentativen Gebäude für die Bankiersfamilie Goldberger errichtet, ist nach Ansicht der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ein Beispiel für bürgerliches Leben in der Schinkel-Zeit in „qualitätsvoller klassizistischer Architektur.“ Nach dem Verfall zu DDR-Zeiten wurde der Hof aus Mitteln des Förderprogrammes „Städtebaulicher Denkmalschutz“ zwischen 1996 und 1999 saniert. Es gehörte nach der Wende zum Immobilienimperium Roland Ernst, geriet unter Zwangsverwaltung, mehrfach änderten sich die Eigentumsverhältnisse, Barlach hielt Anteile. Die Grundidee, den Hof mit der beherrschenden Kastanie zu einem Ort voller Galerien und Kunstgewerbe zu machen, blieb allerdings in Ansätzen stecken. Das Gelände wirkt noch immer wie versteckt, viele Passanten laufen vorbei. Eine Skulpturen-Galerie könnte es aus dem Schattendasein erlösen.

Auf Belebung hofft auch die Hutmacherin Katharina Sigwart. Sie zog als eine der ersten 1998 ein, hat seitdem 14 Läden und Geschäfte ausziehen oder in die Pleite gehen sehen. Ihr Laden geht, weil sie auch internationales Publikum hat und Kunden gezielt den Hof ansteuern. Das Handicap sei der unauffällige Eingang, sagt sie. Die Hackeschen Höfe kenne jeder, nicht aber den Kunsthof. Galerien, hoffnungsvoll gestartet, gaben auf. Noch wohnen hier „ganz normale Leute, nicht Gutbetuchte,“ auch Künstler, es gibt Ateliers, das Café Silberstein, die Hofbäckerin. Und es gibt viel Leerstand. Vielleicht ziehen bald Skulpturen ein.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben