Der neue Opel Grandland X Hybrid4 : Gelb, grün, blau? Rot!

Opel hat sein Topmodell Grandland X unter Strom gesetzt und bietet ihn als allrad-betriebenen Plug-in-Hybrid an.

Bis 2024 will Opel jedes Modell auch als elektrifizierte Variante anbieten. Den Grandland X gibt es jetzt schon als Plug-in-Hybrid.
Bis 2024 will Opel jedes Modell auch als elektrifizierte Variante anbieten. Den Grandland X gibt es jetzt schon als...Foto: Andreas Conrad

Ein Mann fährt durch die Negev-Wüste und singt so vor sich hin. Er fährt einen robusten SUV, das ist sinnvoll in dieser Gegend, einen Opel Grandland X, um genau zu sein. Keine Marke, die man bei einem Rapper unbedingt erwarten würde, aber Moses Pelham ist nun mal „bekennender Opel-Fan“, so jedenfalls lässt es der Rüsselsheimer Hersteller in seiner Mitteilung zu Pelhams neuem, in Israel gedrehtem Musikvideo „Wunder“ wissen.
Darin rappt der Frankfurter über sein Leben, „Ja is’ wahr es geht hier gerade drunter und drüber“, was irgendwie auch auf die dabei durchquerte Wüste zutrifft. Eine malerische Kulisse, mit dem bärtigen Moses als erstem und dem schneeweißen Grandland X als zweitem Hauptdarsteller, zumindest im Anfangsdrittel des Videos, bis beide, o Wunder, endlich Wasser erreichen und Moses baden geht. Es dürfte das Tote Meer sein.

Bis zu 59 Kilometer, vielleicht auch ein bisschen mehr, schafft der Grandland X Hybrid4 rein elektrisch.
Bis zu 59 Kilometer, vielleicht auch ein bisschen mehr, schafft der Grandland X Hybrid4 rein elektrisch.Foto: Opel

Der Grandland X wurde erstmals auf der IAA 2017 in Frankfurt präsentiert, mittlerweile sind rund 180 000 Stück verkauft, Opel spricht von einem Bestseller. Zunächst wurde er als klassischer Benziner oder Diesel angeboten, auch Pelham setzt noch auf den traditionellen Antrieb und das ist gut so. Denn wenngleich es den Grandland X neuerdings auch als Plug-in-Hybrid gibt, mit Frontantrieb oder Allrad – eine Steckdose in der Wüste zu finden, käme ja wirklich fast einem Wunder gleich.

Hingucker mit schwarzer Motorhaube

Im Schwarzwald sieht das schon anders aus, man studiere nur mal die Ladesäulenkarte der Bundesnetzagentur. Selbst im Hochschwarzwald wird man fündig, gleich zweimal in Schönau, das wir soeben in einem Grandland X Hybrid4 durchqueren, rotglänzend mit auf Wunsch schwarzer Motorhaube, ein echter Hingucker. Man könnte nun also Strom tanken, wenn man wollte, schließlich ist unsere unter den hinteren Sitzen verstaute 13,2-kWh-Lithium-Ionen-Batterie weitgehend leer und füllt sich auch durch fleißige Versuche zu rekuperieren nur geringfügig wieder. Der Zeiger bleibt im roten Bereich, offenbar verpufft beim Bremsen oder Verlangsamen doch nur wenig mechanische Energie, Wärme also, die nun in Extrastrom für die Batterie umgewandelt werden könnte.

Auf dem Display kann man sehen, welcher der drei Motoren den Wagen antreibt. Hier sind es die beiden E-Motoren.
Auf dem Display kann man sehen, welcher der drei Motoren den Wagen antreibt. Hier sind es die beiden E-Motoren.Foto: Opel

Immerhin kann man dabei zuschauen: Auf dem mittig angeordneten Touchscreen des Infotainment-Systems wird der Energiefluss des Benzinmotors und des vorderen und hinteren Elektromotoren angezeigt, Gelb für Benzin-, Grün für Elektrobetrieb, das leider nur selten auftauchende Blau fürs Rekuperieren. So ein Wunder der modernen Technik ist eben kein Perpetuum mobile, zum Glück haben wir noch den Benzinmotor.
Zwar gäbe es am Automatikhebel die Einstellung „B“ für maximale Rekuperation. Das fühlt sich aber so an, als fahre man mit angezogener Handbremse, und selbst als nun der Wagen einfach bergab rollen soll, ohne Tritt aufs Pedal, wird er langsamer. Verfolgende Brummi-Fahrer, nicht ahnend, dass hier gerade die extrastarke „B“-Rekuperation zum Einsatz kommt, werden da schon mal ungeduldig und beginnen zu hupen.

Bis zu 59 Kilometer rein elektrisch

Doch wenngleich die Elektrik auf der Langstrecke bald an ihre Grenzen stößt, hat sie auf der Kurzstrecke unbestreitbaren Wert und macht den Wagen zu einem voll förderfähigen, als Dienst- und Firmenwagen sogar steuerlich begünstigten Elektrofahrzeug. Die Reichweite bei rein elektrischem Betrieb ist mit 59 Kilometern angegeben, durch Rekuperieren könne sich dies um maximal zehn Prozent erhöhen, verspricht Opel, das wären dann knapp 65 Kilometer. Vielen Berufs- und Einkaufspendlern genügt das fürs Tägliche. Zudem dürfen sie in jede noch so strenge Umweltzone, müssen mit keiner Kontrolle rechnen, wird doch der emissionsfreie Betrieb durch ein oberhalb der Frontscheibe angebrachtes Licht signalisiert. Auch wer nach längerer Anreise sich einer solchen strengen Umweltzone nähert, muss sich nicht sorgen, hat er nur rechtzeitig die „e-Save“-Funktion aktiviert. Mit ihr lässt sich eine variable Restfüllung der Batterie aufsparen, bis man sie braucht.

Welcher Modus soll's denn sein? Elektro, Hybrid, Allrad oder Sport?
Welcher Modus soll's denn sein? Elektro, Hybrid, Allrad oder Sport?Foto: Opel

Die ist in sieben Stunden wiederaufgeladen, jedenfalls wenn man sich mit einer Haushaltssteckdose und dem mitgelieferten Kabel begnügt. Mit einer Green-Up-Steckdose dauert es vier, an einer 7,4-kW-Wallbox nur rund zwei Stunden. Beim Aufspüren der nächsten Ladestation hilft und leitet das serienmäßige Navigationssystem.

Sauber und geräuscharm durchs Gelände

Doch will wohl kein Fahrer immer nur über den sinkenden Ladezustand nachsinnen, sondern auch Spaß haben, und der ist doch eher mit Agilität, Dynamik, Komfort verknüpft. Auch als gegenüber herkömmlichem Antrieb emissionsärmerer Plug-in soll der Wagen lossausen, wenn einen danach verlangt, und das tut der Grandland X Hybrid4 dank seiner 300 PS, die sich auf den 200 PS starken, Turbo-gestählten Benzin-Direkteinspritzer und zwei Elektromotoren verteilen, 110 PS vorne, 113 hinten. Abrufen kann man dieses Energiebündel mittels vierer Fahrmodi: Gestartet wird grundsätzlich im rein elektrischen Modus „Elektro“, bei dem zunächst der E-Motor an der Hinterachse, nach Bedarf auch der an der Vorderachse den Wagen antreibt. Ist schnelles Durchstarten, ein kräftiger Tritt aufs Gaspedal erforderlich, schaltet kurz der Benziner zu. Der Regelfall ist aber Rollen im Modus „Hybrid“, in dem sich der Wagen automatisch je nach Fahrsituation den effizientesten Antrieb sucht. Der Modus „Allrad“ steht für permanenten E-Antrieb auf beiden Achsen, gut für Jäger, Vogelkundler und sonstige Naturmenschen, die sich nicht nur emissionsfrei, sondern auch geräuscharm durchs Gelände pirschen wollen. Bei „Sport“ schließlich wirken Benziner und E-Motoren gemeinsam, mit bis zu 520 Nm Drehmoment Systemleistung. Der Wagen zieht dann schon sehr flott ab.

Bis zu 235 km/h Spitze schafft der 300 PS starke Grandland X Hybrid4. Rein elektrisch sind es 135 km/h.
Bis zu 235 km/h Spitze schafft der 300 PS starke Grandland X Hybrid4. Rein elektrisch sind es 135 km/h.Foto: Opel

Zudem ist er mit allerhand Zusatzfunktionen zur Erhöhung von Sicherheit und Komfort ausgestattet, von denen manche in der autoarmen Negev-Wüste überflüssig wären, anders als im Schwarzwald. Serienmäßig sind etwa der Frontkollisionswarner mit automatischer Gefahrenbremsung und Fußgängererkennung, der Spurhalteassistent, der Toter-Winkel-Warner und einer, der einen einschlummernden Fahrers rechtzeitig erkennen und aufwecken soll. Gegen Aufpreis gibt es eine Rückfahr- und sogar eine 360-Grad-Kamera und manches mehr. Serienmäßig ist schließlich der vielfach variable, ergonomische und von der Aktion Gesunder Rücken e.V. zertifizierte Fahrersitz. Auch im Schwarzwald, aber besonders auf den Rumpelpisten der Negev-Wüste sehr zu empfehlen.

Technische Details
Abmessungen: 4,48 m (L), 1,91 m (B mit eingeklappten Spiegeln), 1,61 m (H)
Kofferraumvolumen: 390 bis 1528 Liter
Antrieb: 1,6-Liter-Turbobenzin-Direkteinspritzer mit 200 PS, elektrische Einheit mit zwei Elektromotoren (Front 110 PS, Heck 113 PS), Systemleistung bis zu 300 PS und 520 Nm Drehmoment, Höchstgeschwindigkeit 235 km/h (rein elektrisch bis 135 km/h, im Allradmodus schaltet bei 80 km/h der Benziner zu), von 0 auf 100 in 6,1 Sekunden, Reichweite im Elektrobetrieb 59 km lt. WLTP-Zyklus, Acht-Stufen-Automatik.
Preis: Der Grandland X Hybrid4 ist in der Ausstattungslinie „Innovation“ ab 51.165 Euro erhältlich. Als Fronttriebler startet der Grandland X Hybrid bei 43.440 Euro.

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