Berlin : Der Pferde-Krüger

Er liebte Tiere und Paraden, porträtierte gewitzt den Hof und die Gesellschaft Im Schloss Charlottenburg wird in Kürze an ein Berliner Original erinnert

Christian van Lessen

Franz Krüger – ein Allerweltsname? Im Berlin des 19. Jahrhunderts wusste jeder, der auf sich hielt, wer dieser Krüger war. Natürlich „Pferde-Krüger“, der gern Pferde und Paraden malte. Im Charlottenburger Schloss wird eine Ausstellung mit Hunderten von Werken vorbereitet, die an Krüger erinnert. Erinnert? Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten und die Staatlichen Museen sind sicher, dass Pferde–Krüger zu den wenigen Berliner Künstlern gehört, die beim Publikum nie in Vergessenheit geraten sind. Am Donnerstag wurden die Hauptwerke im Neuen Flügel aufgehängt, darunter ein Gemälde, das die „Parade unter den Linden“ zeigt. Natürlich mit vielen Pferden und Menschen, darunter Berliner Originale und Volkstypen wie Schusterjungen oder Spreewälder Ammen. Wer genau hinsieht, erkennt auch den preußischen Baumeister Karl Friedrich Schinkel oder den Bildhauer und Grafiker Johann Gottfried Schadow, auch den einst so berühmten Theaterfriseur Warnecke.

Krügers Werke waren beim Hof, der vor allem die Paradenbilder in Auftrag gab, beliebt. Auch in der Bevölkerung. Die freute sich über die detailgetreuen und auch witzigen Darstellungen. Der Künstler, so schien es, malte mit dem Schalk im Nacken, verstand es, die (gute) Gesellschaft seiner Zeit in Szene zu setzen So wundert es nicht, das die geplante Ausstellung den Titel „Preußisch korrekt – berlinisch gewitzt“ erhalten hat.

Der volkstümliche Krüger, 1797 geboren, galt als bedeutendster Militär- und Porträtmaler. Als Junge schon malte der Beamtensohn aus Großbadegast bei Köthen, was ihm vor den Pinsel kam. Erst ausschließlich Tiere, dann Landschaften, zumal er in Dessau mit dem Landschaftsmaler Carl Wilhelm Kolbe in Kontakt kam. Kolbe war deshalb schon als Eichen-Kolbe berühmt. Seine Anregungen und das Studium an der Berliner Akademie der Künste ließen den jungen Krüger langsam zum berühmten Pferde-Krüger reifen. Und die königliche Familie hatte nichts dagegen, sich von einem Mann dieses Spitznamens porträtieren zu lassen, immerhin war er Königlicher Professor. Allerdings wurde ihm auch „demokratisches Gedankengut“ nachgesagt.

Krügers Werke gingen in die Tausende, er malte und zeichnete auch am Hof des Zaren. Immer wieder Paraden und Pferde, aber auch Größen wie den Industriellen Borsig. Viele Bilder gerieten unter die Räder, weil der Meister seine Werke schnell aus dem Sinn verlor und sich wenig um ihr weiteres Wohlergehen kümmerte. Vieles aber schmückte den Hof und die Museen, und im Charlottenburger Schloss wird nun anlässlich des 150. Todestages Krügers erstmals seit 1881 das Werk umfassend ausgestellt. Die Nationalgalerie, das Kupferstichkabinett und die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten vereinen ihre Bestände und ergänzen die Ausstellung um Leihgaben weiterer deutscher und europäischer Sammlungen. Krüger ist in Kunstkreisen eben kein Allerweltsname.

Preußisch korrekt - berlinisch gewitzt Der Maler Franz Krüger (1797 - 1857). 4. April bis 1. Juli 2007, Schloss Charlottenburg, Neuer Flügel, 6 Euro, erm. 5 Euro, www. berlinisch-gewitzt.de

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