• Der Schauspieler Adolfo Assor zum Theater-Lockdown: „Ich hatte das Gefühl, mein Lebenssinn ist verschwunden"

Der Schauspieler Adolfo Assor zum Theater-Lockdown : „Ich hatte das Gefühl, mein Lebenssinn ist verschwunden"

Der Schauspieler Adolfo Assor würde gern wieder auf seiner Ein-Mann-Bühne in Kreuzberg auftreten - und hätte gerne die Erlaubnis von Klaus Lederer dafür.

Schauspieler Assor würde am liebsten weiterspielen: „In meinem Theater könnten die Zuschauer mit ausreichend Abstand sitzen."
Schauspieler Assor würde am liebsten weiterspielen: „In meinem Theater könnten die Zuschauer mit ausreichend Abstand sitzen."Foto: privat

Seit mehr als 30 Jahren spielt Adolfo Assor in seinem Garn Theater in Kreuzberg nahezu täglich Ein-Mann-Vorstellungen. Das Keller-Gewölbetheater in der Katzbachstraße ist 500 Quadratmeter groß, muss wegen Corona aber gerade geschlossen bleiben. Das setzt dem Künstler ziemlich zu.

Adolfo Assor hat schon in „mindestens 120 Filmen“ mitgespielt. In dem Biopic „Zeiten ändern dich“ gibt er den Vater von Rapper Bushido.

Was hat sich an Ihrem Alltag geändert?
Die Schließung meines Theaters war eine große Veränderung für mich und ein riesiges Problem. Ab März durften keine Vorstellungen mehr stattfinden. Auf einmal hatte ich das Gefühl, mein Lebenssinn ist verschwunden. Ich lebe für die Kunst und dieses Leben war plötzlich nicht mehr da. Das empfinde ich als sehr schmerzhaft.

Normalerweise spielen Sie fünf Vorstellungen pro Woche…
Ja, von Donnerstag bis Montag jeweils ab 20.30 Uhr.

Was machen Sie gerade stattdessen?
Ich beschäftige mich weiterhin mit Texten, zum Beispiel mit „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett. Gemeinsam mit einem chilenischen Bekannten denke ich über eine Neuinszenierung nach. Aber das ist noch sehr unsicher.

Welche Stücke haben Sie sonst im Programm?
Wenn Corona nicht wäre, hätte ich drei Monate durchgängig „Das Beruhigungsmittel“ von Beckett gespielt. Das ist jetzt allerdings unterbrochen. Sonst würde ich gerne mal wieder etwas von dem portugiesischen Dichter Fernando Pessoa auf die Bühne bringen – oder auch „Tagebuch eines Wahnsinnigen“ von Nikolai Gogol.

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Was erhoffen Sie sich für die nächsten Wochen und Monate?
Am liebsten würde ich bald weiterspielen! In meinem Theater gibt es genug Platz und die Zuschauer könnten mit ausreichend Abstand voneinander sitzen. Vor Corona kamen durchschnittlich zehn Zuschauer pro Aufführung. Wenn ich wieder spielen dürfte, käme ich aber auch schon mit bis zu sechs Zuschauern über die Runden.

Sie spielen meist allein…
Das kommt hinzu. Es ist kein ganzes Ensemble auf der Bühne. Vielleicht müsste ich mal dem Kultursenator Klaus Lederer schreiben und ihn fragen, was er von Ein-Mann-Aufführungen für nur sechs Personen hält. Außerdem: Bei Beckett schreie ich kaum, meine Stimme geht von alleine in die Tiefe.

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Sie machen auch Filme, wie sieht es da aus?
Beim Film ist es mit Corona gerade noch schwieriger. Gerade schicke ich manchmal E-Castings ab. Ich verstehe gar nicht, warum ich das machen muss. Schließlich bin ich nicht so unbekannt. Generell braucht es jetzt bei den Drehs neue Ideen, denn es ist schwierig, Distanz zu halten. Von wegen Liebesbeziehungen. Gestrichen!

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