Der Sommer ist zurück : Das sind unsere Wassersporttipps für Berlin

Mal richtig Welle machen? Geht gut auf Berliner Gewässern, etwa mit Stand-Up-Paddling, Solarbooten und Vintage-Tretbooten. Anregungen finden Sie hier.

Carmel Schnauz
Schwankendes Start-Up. Die „Kolula“-Gründer Lars Emisch (li.) und Steven Bredow beim Stand-Up-Paddeling auf der Havel.
Schwankendes Start-Up. Die „Kolula“-Gründer Lars Emisch (li.) und Steven Bredow beim Stand-Up-Paddeling auf der Havel.Foto: Sven Darmer/Davids

Raus aufs Wasser, es ist die letzte Rettung an heißen oder gar schwülen Tagen. Aber wo klappt das schön unkompliziert und mit viel Spaß? Wir haben uns in Berlin umgeschaut. Hier sind unsere Tipps:

STAND-UP-PADDLING

Eine fast menschenleere Insel am Havelufer zwischen Schildhorn und Schwanenwerder, ein Stahlcontainer, eine verschlossene Tür – auf den ersten Blick sieht es hier auf Lindenwerder nicht nach einem aufregenden Wassersport-Erlebnis aus. Doch ein paar Smartphone-Klicks später öffnet sich die Tür wie von Geisterhand, dahinter verbirgt sich ein Stand-Up-Paddel-Board, kurz SUP-Board.

Das war einfach – und „einfach“ heißt in der Sprache der südafrikanischen Zulu „Kolula“. So nennt sich auch das Unternehmen, das in Berlin und Brandenburg seit einigen Wochen vollautomatische Stationen anbietet, an denen man die schwimmenden Bretter zum Stehpaddeln ausleihen kann.

Zeit für einen Selbsttest auf Lindwerder. Los geht’s, indem man sich über die Kolula-Website die Station sucht, das Board zur Wunschzeit bucht und das Schließfach vor Ort per Link öffnet. So kann man ohne Wartezeit lospaddeln.

Auch das Stand-Up-Paddling selbst ist kaum herausfordernd. Die Bretter sind groß und breit, sodass man relativ sicher steht. Sollte der Wind zu stark sein oder braucht man größere Paddelkraft, so geht man einfach auf die Knie.

Im Schließfach findet man neben Board und Paddel auch eine Sicherheitsleine fürs Fußgelenk – damit einem das Brett nicht davonschwimmt, sollte man doch einen Platscher ins Wasser machen. Und eine wasserdichte Tasche fürs Handy liegt auch bereit. Das sollte man auf keinen Fall einschließen, nur damit lässt sich der Container wieder öffnen.

Carsharing für Surfbretter. Per Smartphone öffnet sich die Box, in der die SUP-Boards bereitliegen.
Carsharing für Surfbretter. Per Smartphone öffnet sich die Box, in der die SUP-Boards bereitliegen.Foto: Sven Darmer/Davids

Bei der Online-Buchung gibt es zudem ein paar Infos, die man normalerweise vom Vermieter persönlich bekäme: Auf welche Länge ist das Paddel einzustellen? Wie startet man am besten vom Ufer aus? Welche Paddelhaltung ist die beste?

Anwesend beim Test sind die beiden Kolula-Gründer Lars Ermisch und Steven Bredow. Ermisch hat Sportwissenschaften in Köln studiert, eine Weile in Australien gelebt und dann in Deutschland für einen SUP-Hersteller gearbeitet. Bredow kommt aus dem Kanurennsport, hat SUP in Südafrika für sich entdeckt und danach in Deutschland Kurse dafür angeboten. Vor vier Jahren lernten sich die beiden kennen. Steven Bredow arbeitet als Stand-Up-Paddling-Referent beim Deutschen Kanuverband.

„Uns verbindet die Leidenschaft zum Wassersport. Dieses Gefühl wollen wir mit unseren Kunden teilen“, sagen beide. Sie wollen die Einfachheit des Carsharing-Konzeptes mit Stand-Up-Paddling verbinden“. Lange haben sie an ihrer Idee gearbeitet, seit diesem Sommer ist das SUP-Sharing online buchbar.

Bislang gibt es zwei Stationen in Berlin: Jene auf Lindenwerder an der Havelchaussee 1 (Dienstag bis Sonntag, 10-21 Uhr). Die Fähre setzt nach Bedarf über und kann mit einer Glocke gerufen werden. Station Nummer 2 liegt am Spreeufer in Schöneweide, Nähe Café-Bistro „Weinhafen Rummelsburg“, Nalepastraße 10-16 (täglich 8-20 Uhr).

Weitere vier Stationen gibt’s in Brandenburg, zwei in Potsdam, die anderen in Caputh und Petzow. In Sachsen-Anhalt hat Kolula eine Station in Bitterfeld.

Mehr Infos: www.kolula.com. Noch mehr Möglichkeiten zum Stand-Up-Paddling in und um Berlin finden Sie hier und hier.

SOLARBOOTVERLEIH

Der Ruf nach umweltverträglichen Alternativen macht am Ufer nicht Halt. Schon 1995 eröffnete die SolarWaterWorld AG in Köpenick die weltweit erste Solarboottankstelle, damit Solarboote auch nach Sonnenuntergang fahren können. Die Firma stellt entsprechende Boote her und Systeme, mit denen herkömmliche Schiffe nachgerüstet werden können. Den Härte- und Belastungstest absolvierte 2007 der Katamaran „Sun21“ bei einer Atlantiküberquerung. Mittlerweile vermietet die SolarWaterWorld auch luxuriöse Charterschiffe und „Selbstfahrerboote“.

Klimafreundlich. Andrang an der weltweit ersten Solarboottankstelle in Köpenick.
Klimafreundlich. Andrang an der weltweit ersten Solarboottankstelle in Köpenick.Foto: Schöning/Imago

Letztere bekommt man an zwei Standorten in Berlin, ein Bootsführerschein ist nicht nötig. In Köpenick kann man über die Website reservieren. Am Osthafen klappt es bislang nur telefonisch. SolarWaterWorld ist die einzige Anlaufstelle für Solarboote in Berlin. Ab 40 Euro pro Stunde muss man für die nachhaltige Bootstour zahlen, ruhigeres Klimagewissen inklusive. Eine Tour führt in einer Stunde von Köpenick zum Müggelsee, für Picknick-Päuschen kann man dafür Premiumplätze ansteuern. Solarboote müssen nämlich nicht in der für Motorboote vorgeschriebenen Fahrrinne bleiben. Also, Anker werfen und ausgiebig genießen.

NOSTALGISCHE TRETBOOTE

Der Verleih Kanuliebe auf der Insel der Jugend am Spreeufer des Treptower Parks feiert 2020 sein zehnjähriges Jubiläum. Die Betreiber wohnten vor der Gründung am Landwehrkanal und erkundeten damals Berlins Gewässer mit einem selbst bemalten Kanu. Immer häufiger wurden sie vom Ufer aus auf ihr Gefährt angesprochen. Irgendwann kamen sie auf die Idee, daraus einen Verleih zu machen, heute haben sie einen der schönsten Anleger der Stadt.

Nostalgisch. Die restaurierten Oldie-Tretboote von „Kanuliebe“ an der Insel der Jugend in Treptow.
Nostalgisch. Die restaurierten Oldie-Tretboote von „Kanuliebe“ an der Insel der Jugend in Treptow.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Mit zehn originell gestalteten Kanadiern ging’s los, später kamen Tretboote hinzu, aber keine gewöhnlichen plumpen Kästen, sondern Oldies aus den 60er Jahren, die mühevoll über Kleinanzeigen in ganz Deutschland zusammengesucht und restauriert wurden. Außerdem vermietet „Kanuliebe“ SUP-Boards.

Mehr Infos auf der Website des Verleihs.

AUF FLOSS-TOUR

Wer nicht auf Komfort verzichten mag, kann sich bei „Floß & Los“ am Müggelsee in Friedrichshagen oder am Treptower Park einen motorbetriebenen Huckleberry-Finn-Untersatz mieten und mit einem kalten Getränk in der Hand entspannt über die Spree schippern – in den vergangenen Jahren ist das immer beliebter geworden. Camping-WC und Grill lassen sich dazu buchen, die schwimmende Barbecueparty gibt es für bis zu zwölf Passagieren – und man braucht nicht mal einen Bootsführerschein. Neuerdings gibt es auch ein Stand-Up-Paddel-Board gratis dazu, damit man sich die Zeit beim Ankern sportlich vertreiben kann.

Mehr Infos auf der Website des Verleihs:

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