Der Subaru Forester e-Boxer : Abwärts im Schildkrötenmodus

Der japanische Hersteller Subaru hat seinen SUV Forester gründlich überarbeitet, inklusive neuer Mild-Hybrid-Technik.

Ab sofort auch ein bisschen elektrisch. Der neue Subaru Forester e-Boxer.
Ab sofort auch ein bisschen elektrisch. Der neue Subaru Forester e-Boxer.Foto: Subaru

Willkommen im Paralleluniversum! Zwei Autowelten, einander so nah und doch so fern. Jenseits des mannshohen Zauns heult gerade ein Porsche durch die Steilkurve der ovalförmigen Teststrecke des Lausitzrings, während wir uns in einem Subaru Forester von Wellental zu Wellental mühen. Wobei die Mühe klar bei den Offroad-Neulingen hinterm Lenkrad liegt, der Forester, schon die vier früheren Generationen und erst recht die brandneue Hybridversion „e-Boxer“, ist schließlich für raues Gelände gemacht. Den Porsche auf der Rennpiste einholen? Keine Chance. Aber hier auf dem weiträumigen Offroad-Parcours, neben der Rennstrecke und dem Test-Oval Teil der Dekra-Anlage Lausitzring, wäre der heiße Renner verloren. Wir dagegen…

Im Matsch immer schön langsam

„Im Gelände zählt nicht Geschwindigkeit, sondern Kraft“, hat der die Novizen als Beifahrer überwachende Instrukteur vor der Fahrt gemahnt, das Allradmanagement über den für solche Querfeldein-Touren gedachten „X Mode“-Drehknopf auf „Deep Snow Mud“ eingestellt und für besonders heikle Stellen den „Schildkrötenmodus“ empfohlen: „Möglichst unter 1000 Umdrehungen.“

Alles so schön schräg hier. Auf dem Offroad-Parcours des Lausitzrings werden kuriose Fahrgefühle geboten.
Alles so schön schräg hier. Auf dem Offroad-Parcours des Lausitzrings werden kuriose Fahrgefühle geboten.Foto: Subaru

Steilkurve kann der Forester allerdings auch, wie sich bald zeigt, eine ganz spezielle, eigens präparierte: Nur wenige Meter lang, aber mit rund 30 Grad seitlicher Neigung, das ist schon ein kurioses Fahrgefühl. Und es wird noch kurioser: Erst einen Abhang hinunter, die Fahrspur ausgefahren, mit drei extratiefen Löchern, danach in einer 180-Grad-Kehre nach rechts weg. Aber der Wagen bewältigt alles geduldig und zuverlässig, beim Weg in den Abgrund muss man dank Bergabfahrassistent nicht mal bremsen, das macht der Wagen ganz allein. Selbst als ein Hinterrad ohne Bodenkontakt in der Luft schwebt, wird es mittels Traktionskontrolle wie gewünscht automatisch gebremst und die Kraft auf sein erdverhaftetes Gegenüber verlagert. Auch die aufgeschütteten Erdhügel rauf und runter, das Wegstück aus tückisch-weichem Sand, durch Matschpfade und Schlammlöcher – für den Forester mit seinem permanenten Allradantrieb kein Problem.

Der Forester e-Boxer bewährt sich auch auf drei Rädern.
Der Forester e-Boxer bewährt sich auch auf drei Rädern.Foto: Subaru

Vorher der Weg von Dresden zum Lausitzring sowieso, über Landstraße und Autobahn also, vorbei an Schloss Moritzburg, das sich den Ortsfremden auf einem Schild als Drehort des Kultmärchenfilms „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ empfiehlt. Ob sich der Prinz heute statt für seine Kutsche für den e-Boxer entscheiden würde? Wäre in der asphaltfreien Natur schon ratsam.

Der Subaru Forester E-Boxer vor der Kulisse von Schloss Moritzburg.
Der Subaru Forester E-Boxer vor der Kulisse von Schloss Moritzburg.Foto: Andreas Conrad

Den Forester hat Subaru – man empfiehlt sich als „weltgrößter Hersteller von allradgetriebenen Pkw“ – seit 1997 im Programm. Ein traditionsreiches Fahrzeug, stets von einem Boxermotor angetrieben, dessen Zylinder also nicht in Reihe oder V-förmig angeordnet sind, sondern sich gegenüberliegen, was unter anderem eine flache Bauweise und dadurch einen tieferen Schwerpunkt des Wagens ermöglicht. Auch bei seinem rundum aufgefrischten SUV-Klassiker Forester setzt der japanische Hersteller auf diese Tradition, zugleich aber auf Erneuerung, und die ist im Automobilbau mehr und mehr mit dem Buchstaben E wie elektrisch verbunden – hier nun, ein erster Schritt in diese Richtung, als Mild-Hybrid-Technik.

Auch rein elektrisches Fahren ist möglich - nicht sehr weit

Der effizientere, gegenüber dem Vorgänger um 1,8 Kilo leichtere 150-PS-Benziner des Forester wird dabei durch einen im Gehäuse des stufenlosen Automatikgetriebes integrierten 16,7-PS-Elektromotor unterstützt. Er soll die Dynamik des Wagens verbessern und vor allem den Spritverbrauch senken – laut Hersteller um durchschnittlich 0,7 Liter pro 100 Kilometer. Bis zu 1,6 Kilometer bei maximal 40 km/h ist sogar rein elektrisches Fahren möglich, danach schaltet der Boxer dazu. Bei hohem Tempo treibt der das Auto alleine voran und lädt nebenbei die Hybridbatterie, die sich auch beim Bremsen und Verlangsamen durch Rekuperieren, also Umwandlung überschüssiger kinetischer in elektrische Energie auffüllt. Der Strom der verschiedenen Energieflüsse ist auf einem Multifunktionsdisplay oberhalb des Infotainment-Touchscreens gut zu verfolgen. Rein elektrische Fortbewegung ist allerdings nur im Fahrmodus „Intelligent“ möglich, nicht im zweiten, dem „Sport“-Modus.

Edles Innenleben. Dank verlängertem Radstand ist der Forester auch bequemer geworden.
Edles Innenleben. Dank verlängertem Radstand ist der Forester auch bequemer geworden.Foto: Subaru

Auch wenn der Forester noch immer wie ein Forester aussieht, im Design nur behutsam überarbeitet wurde, um zugleich robuster wie auch eleganter zu erscheinen, so wird er doch als ein fast neues Auto beworben. Neben dem hybrid-verstärkten Antrieb ist das durch die „Subaru Global Platform“ möglich: Eine vom Hersteller neu entwickelte Fahrzeugarchitektur, das Grundgerüst für alle neuen Modelle, durch die, wie es heißt, „die Steifigkeit von Karosserie und Aufhängung um 70 bis 100 Prozent gesteigert“ worden sei. Wie das technisch erreicht wird, dürfte den Durchschnittsfahrer kaum interessieren, doch soll er von minimierten Vibrationen, halbierter Wankneigung und direkterer Lenkung profitieren – sowie, im Falle eines Unfalls, von der um 40 Prozent gesteigerten Fähigkeit, unerwünschte kinetische Energie zu absorbieren.

Auf dem Multifunktionsdisplay ist der Fluss der Energieströme gut zu verfolgen.
Auf dem Multifunktionsdisplay ist der Fluss der Energieströme gut zu verfolgen.Foto: Subaru

Eine Frage der passiven Sicherheit also. Für die aktive Sicherheit dagegen ist zuallererst das mit zwei Kameras am Innenspiegel arbeitende System „Eyesight“ zuständig, das Assistenzsysteme zur Kollisionswarnung und Notbremsung, zum Spur-, Abstands- und Tempohalten sowie zum Anfahren im Stau und an der Ampel integriert, optional auch die Funktion zur Notbremsung beim Rückwärtsfahren bietet. Eine weitere Kamera über dem Multifunktionsdisplay behält dagegen den Fahrer selbst im Blick, passt auf ihn mittels „Driver Monitoring“ Sitzposition und Rückspiegeleinstellung an, erkennt sogar, wenn er einzuschlafen droht, und schlägt Alarm. Dank all dieser Finessen – serienmäßig verfügt der Forester auch über einen radargestützten Assistenten für Spurwechsel, den toten Winkel und Querverkehr beim Rückwärtsfahren – hat es der Wagen geschafft, 2019 beim Crashtest der unabhängigen Prüforganisation Euro NCAP alle fünf möglichen Sterne und die höchste Sicherheitsauszeichnung „Best in Class“ zu erringen.

Bevor es in den Matsch geht, "X Mode"-Knopf drehen.
Bevor es in den Matsch geht, "X Mode"-Knopf drehen.Foto: Subaru

Aber egal wie sicher und sparsam ein Auto auch sein mag – man muss doch das Aussehen als gefällig empfinden und sich darin wohlfühlen. Auch hier hinterlässt der Forester einen guten Eindruck, wirkt trotz des rustikalen Namens keineswegs wie ein Dienstwagen für Förster und andere Waldbewohner, vielmehr geradezu sportlich, auch wenn die den Kühlergrill flankierenden LED-Scheinwerfer vielleicht nicht jeden, anders als die Werbetexter des Herstellers, an „Adleraugen“ erinnern. Aber die C-förmigen Tagfahrleuchten und Rücklichter, der silberfarbene Unterfahrschutz, die leicht verlängerte, abgeflachte und verbreiterte Karosserie, die ausgestellten Radkästen – das ist schon schick.

Parken an der Bordsteinkante - dank Kamera kein Problem

Und der Wagen ist dank knapp drei Zentimetern längerem Radstand innen sogar bequemer geworden. Er wirkt dort ausgesprochen übersichtlich und durchaus luxuriös, nicht zuletzt dank der verwendeten Materialien, die den angepriesenen haptischen Wert tatsächlich besitzen. Ein Navigationssystem gibt es überraschenderweise erst ab Ausstattungslinie „Comfort“, der drittteuersten von vier möglichen, eine Seitenansichtkamera im Außenspiegel der Beifahrerseite allerdings schon auf der zweiten Stufe „Active“. Eine nützliche Hilfe beim Einparken, ausgeschlossen sind so Kommentare spottlustiger Beifahrer à la Woody Allen: „Wir können ja zu Fuß bis zum Bordstein.“

Technische Details

Abmessungen: 4,63 m (L), 2,07 m (B, mit Außenspiegeln), 1,73 m (H)
Ladevolumen: 509 Liter (1779 Liter mit umgeklappter Rückbank)
Antrieb: 2-Liter-Boxermotor mit 150 PS, max. Drehmoment 194 Nm; 12,3-kW-Elektromotor mit 16,7 PS, max. Drehmoment 66 Nm; Höchstgeschwindigkeit 188 km/h, von 0 auf 100 in 11,8 Sekunden; Verbrauch 6,7 Liter Benzin auf 100 Kilometer; permanenter Allradantrieb mit stufenlosem Automatikgetriebe
Preis: ab 34.990 Euro

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