Der Tagesspiegel-Adventskalender : Die neunte Tür ist ein Stück Tradition

Bis zum 24. Dezember öffnen wir täglich Berliner Türen - und berichten, was sich dahinter befindet. Hinter Nummer neun wird gearbeitet.

Eine Berliner Garage für „Auto und Service“.
Eine Berliner Garage für „Auto und Service“.Foto: Caroline Fetscher

Die Toreinfahrt neben der S-Bahntrasse, mitten in Charlottenburg, lässt kaum ahnen, was sich dahinter verbirgt: Das Reich von Erdal Kösker, der hier in der Wielandstraße 9 mit seinen Leuten Autos repariert, alte und neue, große und kleine, unter dem Namen „Auto und Service“. In der größten der Garagen, am Ende des Hinterhofs, erfreut Kunden und Mitarbeiter ein meterlanges Gemälde: eine Flusslandschaft mit Bäumen, davor ein Oldtimer mit einem Ausflüglerpaar, darüber die Schrift: „Der nächste URLAUB kommt bestimmt!“

Erst vor Kurzem ist die Traditionswerkstatt in die Hallen gezogen, fort aus einem ähnlich versteckten Winkel in der Schöneberger Gleditschstraße. Dort wohnte über Jahre ein riesiges Kaninchen in einem Verschlag. Auf dem Hof roch es nach Öl und Benzin – und nach Heu. Vor dem Umzug wurde das neun Jahre alte Tier aufs Land gegeben. Alle Mitarbeiter nahmen Abschied, ihre Handyvideos zeigen das Riesentier munter hoppelnd auf grüner Wiese. Mit umgezogen ist der weiße, ovale Schreibtisch des Meisters, ein weiteres Kunstwerk: ein Raumschiff Orion in Miniatur, Design der siebziger Jahre, importiert aus der Türkei der Moderne.

Die Werkstatt ist ein Familienunternehmen, sie existiert seit 1934. Damals hatte Otto Nitsche, geboren 1904, den Betrieb gegründet und später an seinen Sohn Manfred weitergegeben. Nach dem 50. Jubiläum übernahm Erdal Kösker, geboren 1973, mit der Werkstatt ein Stück Berliner Tradition.

Berlin als Adventskalender: Wo führt eigentlich diese kleine schwarze Tür unterhalb des Humboldt Forums hin? Unscheinbar liegt sie im alten Mauerwerk direkt über der Wasseroberfläche am Spreekanal, über ihr wächst gerade der Neubau des Berliner Schlosses in die Höhe. Was sich hinter diesem Eingang verbirgt, erzählen wir an einem der kommenden 24 Tage, wie auch die Geschichten hinter 23 anderen Berliner Türen. In diesem Sinne laden wir Sie zu einer Entdeckungsreise durch Berlin ein und wünschen Ihnen eine schöne Adventszeit.

Türchen Nummer eins führte bereits nach Schöneberg, die zweite Tür erzählt von alten Zeiten und die dritte vom Untergrund. Die vierte Tür ist ein geheimer Übergabeort, um die fünfte "kommste nicht drumrum" und die sechste bringt das Glück. Hinter der Sieben aber steppt der Berliner Bär und die achte Tür ist unscheinbar.

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