Von geheimen Plänen und Leonardo Di Caprio

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Die Formel E kommt nach Berlin : Der große Preis von Tempelhof
Kalle Harberg

Das denkmalgeschützte Flughafengebäude aus dem Jahr 1936, das mit seinen monumentalen Ausmaßen noch immer das viertgrößte Gebäude der Welt sein soll, steht sowohl für nationalsozialistischen Größenwahn als auch für die Heldentaten der Luftbrücke. Wenn es nach dem Sprecher der Tempelhofer Freiheit, Martin Pallgen, geht, der am Dienstagmorgen ebenfalls den Ort der zukünftigen Strecke inspizierte, soll der Flughafen nicht nur ein „Geschichtskoloss“ bleiben, sondern auch den Weg in die Zukunft weisen. Und für Automobilveranstaltungen sei das Vorfeld perfekt, „schließlich fährt man hier auf keinen Fall gegen einen Baum“, sagt Pallgen und lacht.

Die Formel E kommt nach Berlin
Sowas kommt einem nicht alle Tage auf der anderen Fahrbahn entgegen: Mit Polizeigeleit fuhr Lucas di Grassi seinen Rennwagen gekonnt durch die Straßen der Stadt, hier vorbei am weltstädtischen Potsdamer Platz.Alle Bilder anzeigen
1 von 7Foto: dpa
11.07.2013 17:03Sowas kommt einem nicht alle Tage auf der anderen Fahrbahn entgegen: Mit Polizeigeleit fuhr Lucas di Grassi seinen Rennwagen...

Mercedes-Benz feierte hier sein 125-jähriges Jubiläum, Audi testete vor Kurzem den Elektrosportwagen R8 auf dem Vorfeld. Letztes Jahr wollte auch die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft ein Rennen über das gesamte Parkgelände austragen. „Aber das funktioniert nicht“, sagt Pallgen. „Erstens wollten sie mit den lauten Wagen unter dem Dach fahren und zweitens passen Verbrennungsmotoren nicht in unser Konzept.“ Der Flughafen soll eine „Bühne des Neuen“ werden.

Kleiner Rundgang durch den ehemaligen Flughafen Tempelhof
Die Fotografen-Kollegin Kitty Kleist Heinrich war zur exklusiven Führung auf dem Dach des Flughafengebäudes. Dem von Tempelhof.Weitere Bilder anzeigen
1 von 14Foto: Kitty Kleist-Heinrich
12.07.2013 10:43Die Fotografen-Kollegin Kitty Kleist Heinrich war zur exklusiven Führung auf dem Dach des Flughafengebäudes. Dem von Tempelhof.

Von dem Vorfeld zurück in die stille Haupthalle mit ihren goldenen Wänden. Auch sie soll für das Formel-E-Rennen genutzt werden, aber wofür genau darf Wrobel noch nicht verraten. Vielleicht als VIP-Bereich? Aus Kreisen der Formel E heißt es, Leonardo DiCaprio denke darüber nach, ein Rennteam zu finanzieren. Neben dem Qualifying und dem Rennen am Sonnabend gibt auch erste Pläne für Wohltätigkeits- und Prominenten-Rennen sowie ein Rahmenprogramm mit Konzerten. Von der Haupthalle geht es mit dem Fahrstuhl nach oben in den fünften Stock und von hier aufs Dach. „Hier hat man den besten Überblick“, sagt Martin Pallgen.

Keine Tribünen auf dem Dach, aber Besucherterrassen

„Die schiere Dimension des Flughafens ist schon beeindruckend. Er lässt die menschliche Größe nicht zu.“ Auf dem Dach planten die nationalsozialistischen Bauherren einst Tribünen für 80 000 Zuschauern, die den Fliegern des Dritten Reiches bei Flugshows zujubeln sollten. Obwohl man von hier den besten Blick auf das Rennen haben könnte, werden auf dem Dach wohl keine Tribünen gebaut werden. Allerdings sollen in den oberen Etagen der Kopfbauten an den Enden des Flughafens bald Besucherterrassen entstehen. Wer es schafft, am Renntag auf diese Aussichtsplattformen zu klettern, hat sich den besten Blick auf den Großen Preis von Tempelhof wahrlich verdient.

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