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Der Oberfunktionär der Döner-Hersteller hat kürzlich 7,30 Euro für eben kostendeckend befunden.
© Fabian Sommer/dpa

7,30 Euro fürs Kultgericht?: Die Zeit des Berliner Billig-Döners ist vorbei

Street-Food-Köche haben längt bewiesen, dass besserer Döner möglich ist – und auch klaglos bezahlt wird. Zeit, dass Berlin sich ehrlich macht. Eine Glosse.

Eine Glosse von Lars von Törne

Berlin ist bekanntlich die Döner-Hauptstadt schlechthin. Bescheidwisser erkennen das schon daran, dass die „Berliner Verkehrsauffassung Döner“ seit 1991 gesamtdeutsches Lebensmittelrecht ist und somit auch den Kontrolleuren in Viersen und Pirmasens den Weg weist: Nicht mehr als 60 Prozent Hackfleisch!

Gleichzeitig galt Berlin aber auch als Hauptstadt des Billig-Döners, dessen Preis bisweilen bis auf drei Euro runtergekämpft wurde, vermutlich unter kompletter Ausreizung der Verkehrsauffassung und auch darüber hinaus, wie viele Insider unken, die in manchem Billig-Spieß sogar Schwein vermuten oder wasserbindende Phosphate.

Diese Zeit scheint indessen vorbei zu sein. Denn die Kosten steigen, unter fünf Euro läuft praktisch nichts mehr, der Oberfunktionär der Döner-Hersteller hat kürzlich 7,30 Euro für eben kostendeckend befunden – und da ist der demnächst steigende Mindestlohn noch nicht mal mit drin. Klingt glaubhaft, zumindest für „mit alles“, plus scharfe Soße.

Zeit, dass Berlin sich ehrlich macht. Viele enthusiastische Street-Food-Köche haben längst bewiesen, dass besserer Döner möglich ist und von den Kunden auch klaglos bezahlt wird.

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Richtig teuer wird es nur für Leute, die die Dinger zweimal täglich als Grundnahrungsmittel einwerfen, was sie ohnehin nicht tun sollten.

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Wer stur ist, der kann auch zurück zur Currywurst, die komischerweise nicht so im Gerede ist, eine Insel relativer Stabilität. Auch sie wird zum großen Teil von ausgabefreudigen Touristen konsumiert, die die hier geltende Berliner Verkehrsauffassung – der Preis steigt mit der Nähe zu wichtigen Sehenswürdigkeiten – einfach ignorieren.

Aber womöglich sind die Currywurster einfach PR-mäßig nicht so gut aufgestellt wie die Döner-Leute? Wir wollen es nicht beschreien. Aber: Solange eine miese Curry Pommes an jeder Autobahnraststätte 8 Euro 90 kostet, ist Berlin noch nicht verloren.

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