Digitale Verbrechensbekämpfung : Wo Computer Einbrüche prognostizieren

Berlin und andere Länder testen eine Polizei-Software zur Einbruchsprognose – Brandenburg zögert noch.

Marion Kaufmann
Wo schlagen die Einbrecher als Nächstes zu? Die Prognosesoftware „Precobs“, die in einigen Ländern getestet wird, soll die Polizeiarbeit erleichtern.
Wo schlagen die Einbrecher als Nächstes zu? Die Prognosesoftware „Precobs“, die in einigen Ländern getestet wird, soll die...Foto: Bernd Thissen/dpa

Der Einbrecher setzt das Brecheisen an der Balkontür des Einfamilienhauses in Kleinmachnow an. In dem Moment fährt die Streife vorbei. Die Beamten steigen aus dem Wagen, nähern sich unauffällig dem Grundstück und zack! – noch während der Täter an der Tür hantiert – klicken die Handschellen. Kommissar Computer hat den Kollegen mal wieder den richtigen Tipp gegeben.

So könnte sie im Idealfall aussehen, die Brandenburger Polizeiarbeit der Zukunft. In anderen Bundesländern und einzelnen Städten ist der computerbasierte Hilfssheriff bereits im Einsatz. Auch in Brandenburg könnte „Precobs“ zum Einsatz kommen, ein Prognosesystem, das die Wahrscheinlichkeit von Wohnungseinbrüchen in bestimmten Gebieten voraussagt.

Dem Innenministerium liegt seit Dezember eine ausführliche Machbarkeitsstudie zur Einführung einer solchen Software vor. Noch sei aber nicht entschieden, ob und wo ein solches Programm getestet wird, heißt es in einer aktuellen Ministeriumsantwort auf eine Kleine Anfrage der CDU-Fraktion.

Wiederholungstäter auf die Schliche kommen

Das Computerprogramm funktioniert folgendermaßen: Jeder Einbruch der vergangenen Jahre wird mit genauem Ort und genauen Daten in das System eingespeist. Registriert wird zum Beispiel, ob der Täter in ein Ein- oder Mehrfamilienhaus einstieg, ob er Gewalt anwenden musste, um das Haus zu betreten, oder ob er durch ein offenes Fenster einstieg. Auch zu welcher Tageszeit der Einbrecher die Schubladen durchwühlte, ist von Bedeutung.

Aus diesen Daten errechnet das Programm eine Wahrscheinlichkeit, wann Einbrecher an einem bestimmten Ort zuschlagen werden. Der Hightech-Kollege liefert den Beamten aus Fleisch und Blut Hinweise und eine Karte, wo sie bei ihrer Streife vorbeifahren sollten. Grundannahme, die dahinter steht: Einbrecher sind Wiederholungstäter und verfahren mehrmals nach einem bestimmten Prinzip.

„Precobs“ steht für Pre Crime Observation System und wurde vom Oberhausener Institut für musterbasierte Prognosetechnik entwickelt. Die Polizei in München und Zürich nutzt die Software, deren Anschaffungskosten bei mindestens 100.000 Euro liegen. In Hessen, Hamburg und Niedersachsen werden solche Programme erprobt – mit überwiegend positiver Resonanz.

Die Zahl der Einbrüche sei zurückgegangen, was wohl auch daran liege, dass das Wissen über die technischen Möglichkeiten der Polizei potenzielle Täter abschrecke. Auch in Berlin ist man vom Nutzen der Einbruchsprognose überzeugt. „Die Software ist ein weiteres Werkzeug und Ergänzung bestehender präventiver Bekämpfungsformen des Wohnraumeinbruchs“, teilt ein Sprecher der Senatsinnenverwaltung mit.

Berlin hat ein eigenes System mit dem Namen „KrimPro“ entwickelt. Eine Eigenentwicklung verursache geringere Kosten, zudem sei man unabhängig von einem kommerziellen, externen Betreiber und behalte die Hoheit über polizeiliche Daten, so der Sprecher, denn Datenschützer sehen das Programm durchaus kritisch. Der Probelauf für das Programm endete bereits im Juni 2017, alle sechs Berliner Polizeidirektionen haben das System getestet. Schrittweise soll die Software nun in den „Echtbetrieb“ übernommen werden.

Potsdam: Steigende Einbruchszahlen und sinkende Aufklärungsquote

Am besten gemeinsam mit Brandenburg, wie der innenpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Björn Lakenmacher, fordert. „Ich bedaure sehr, dass das System in Brandenburg noch nicht im Einsatz ist.“ Die Erfahrungen anderer Regionen zeigten, dass die Technik von Nutzen sei.

Es sei Zeit, dass sich Brandenburg einer Modernisierung der Polizeiarbeit nicht länger verschließe. Zumal Täter nicht an der Landesgrenze zu Brandenburg haltmachen. Wer erfolgreich einen „Bruch“ in Wannsee gemacht hat, versucht es vielleicht kurz darauf in Potsdam.

In der Landeshauptstadt ist die Zahl der Einbrüche von 2014 zu 2016 von 166 auf 220 gestiegen – bei stark gesunkener Aufklärungsquote (von 22,3 auf 7,3 Prozent). Betroffen sind in Potsdam vor allem Einfamilienhäuser. Brandenburgweit wurden 2016 insgesamt 4180 Wohnungseinbrüche registriert. Die Statistik für 2017 wird erst im März vorgestellt.

Die Brandenburger Polizei sei von Beginn an über die eigenständige Berliner Vorgehensweise informiert gewesen, heißt es aus der Senatsinnenverwaltung. Es bestünden enge Kontakte zwischen den Fachdienststellen. Ob sich Brandenburg für die Berliner Variante oder „Precobs“ entscheidet, ist noch nicht klar.

„Zunächst bedarf es einer grundsätzlichen Entscheidung zum weiteren Vorgehen, danach ist eine Pilotierung vorgesehen“, heißt es in der Ministeriumsantwort auf die CDU-Anfrage nur. Ein Programm, das prognostizieren kann, wann im Ministerium welche Entscheidung getroffen wird, ist leider noch nicht entwickelt.

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