• Diskriminierungsvorwurf gegen Immobilienfirma: Mietinteressent verklagt Deutsche Wohnen

Diskriminierungsvorwurf gegen Immobilienfirma : Mietinteressent verklagt Deutsche Wohnen

Die Deutsche Wohnen soll einen Mietinteressenten wegen seines türkischen Namens benachteiligt haben. Nun verklagt der Mann die Immobilienfirma.

Justitia.
Justitia.Foto: helmutvogler Fotolia

Rassismus oder Zufall? Vor dem Amtsgericht Charlottenburg fand am Donnerstag die erste Verhandlung in einem Prozess gegen die Deutsche Wohnen statt. Der Kläger wirft dem Immobilienunternehmen vor, ihn wegen seines türkisch klingenden Namens diskriminiert und nicht zu Wohnungsbesichtigungen eingeladen zu haben. Er fordert von der Deutschen Wohnen ein Schmerzensgeld in Höhe von 3000 Euro. Ein zweiter Verhandlungstermin ist für Ende Oktober angesetzt.

Im Herbst vergangenen Jahres hatte Cem Beyaztepe (Name geändert) sich zweimal zur Wohnungsbesichtigung bei der Deutschen Wohnen beworben und war jeweils abgewiesen worden. Neben dem Namen und der Telefonnummer des Bewerbers fragt das Onlineinteressebekundungsformular keine weiteren Daten ab. Daher vermutete Beyaztepe, dass der türkische Klang seines Namens ausschlaggebend gewesen sein könnte für die negativen Antworten, und machte die Probe: Zweimal bewarb er sich erneut auf die Wohnung, beide Mal mit dem Namen Martin Weißberg. Seinen türkischen Nachnamen übersetzte er einfach ins Deutsche. In beiden Fällen wurde er mit dem jetzt deutsch klingenden Namen umgehend eingeladen und bekam die Formulare zugeschickt, mit denen er sich ausführlicher bewerben sollte.

Beim ersten der beiden Versuche tat Beyaztepe das auch. Er füllte die erhaltenen Formulare aber mit seinem echten, türkischen Namen aus. Dann brachte er die Unterlagen zum Servicedesk der Deutschen Wohnen in Britz. Hier wurde ihm mitgeteilt, die Wohnung sei bereits vergeben. Da er die Sache nicht auf sich beruhen lassen wollte, bat er einen Arbeitskollegen, kurze Zeit später beim gleichen Servicedesk anzurufen. Der Arbeitskollege gab an, er heiße Martin Weißberg, und erhielt daraufhin tatsächlich eine Einladung zur Wohnungsbesichtigung – für die selbe Wohnung, die gegenüber Beyaztepe als bereits vergeben bezeichnet worden war.

Das Gericht muss klären, ob Beyaztepe wegen des türkisch klingenden Namens tatsächlich benachteiligt wurde, oder ob die mehrmalige Ablehnung über das Onlineportal reiner Zufall war. Das nämlich behauptet die Deutsche Wohnen. Von widersprüchlichen Antworten am Britzer Servicedesk, wie Beyaztepe sie schildert, gibt sie an, keine Kenntnis zu haben.

Beweislast liegt jetzt bei Deutscher Wohnen


Laut der Richterin ist Einigkeit in dieser Frage aber auch gar nicht erforderlich. Allein die zweimalige Abweisung des Bewerbers mit türkischem Namen über das Onlineportal genüge als Indiz für eine Diskriminierung. Damit läge die Beweislast nun bei der Deutschen Wohnen, die belegen müsse, dass tatsächlich keine Diskriminierung stattgefunden habe.

Zum nächsten Verhandlungstermin wird eine Mitarbeiterin der Deutschen Wohnen als Zeugin geladen, die Auskunft geben soll, wie sich ausländisch und deutsch klingende Namen unter den eingeladenen und abgewiesenen Bewerbern zahlenmäßig aufteilen. Für den Fall, dass der Deutschen Wohnen gelingen sollte zu beweisen, dass in der Reaktion auf das Onlineinteressebekundungsverfahren tatsächlich keine Diskriminierung stattgefunden hat, wird ein weiterer Zeuge geladen: der Arbeitskollege von Beyaztepe, der laut Anklage als vermeintlicher Martin Weißberg mit dem Servicedesk telefoniert hat. Er müsste bezeugen, dass zumindest die Mitarbeiter des Servicedesks bei vermeintlich unterschiedlicher ethnischer Herkunft unterschiedliche Antworten dazu gegeben haben, ob die Wohnung noch frei ist oder nicht.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!