Eine Mutter erzählt, wie sie sich mit ihrer Tochter in der Nationalgalerie alte Meister und üppige Frauenformen anschaut, um deren Schönheitsideal zu verändern.

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Dreamhouse eröffnet in Berlin-Mitte : Barbies rosarote Lebenswelt

Es sind Leute von „Pinkstinks“, die gegen geschlechterspezifisches Spielzeug demonstrieren. „Es ist nichts dabei, sich an Mamis Kleiderschrank zu verschönern“, sagt eine Mutter. „Aber Matell, lasst Barbie zunehmen, macht ihren Hals ein wenig kürzer!“ Eine Mutter erzählt, wie sie sich mit ihrer Tochter in der Nationalgalerie alte Meister und üppige Frauenformen anschaut, um deren Schönheitsideal zu verändern.

Nach einer halben Stunde vertreibt sie die Security von Barbie. Privatgelände.

„Es gibt eben Dinge, die sind mehr für Jungen und andere, die sind mehr für Mädchen“, sagt Rahofer.

Selina läuft jetzt durch eine Winterwelt, blau-weiße Glitzerkutsche, Eiszapfen, Kristalle. Dann kommt sie in Barbies Wohnzimmer. Rosa Flügel, Sparschwein, in Vitrinen Pappbücher ohne Namen. „Barbie kann lesen!“, schreit eine belgische Studentin. Sie und ihre Freundin haben viel Berliner Kultur gesehen in den letzten Tagen, Pergamonmuseum, Reichstag, Berghain. Heute albern sie einen Vormittag in der rosa Welt herum.

Später wird sich hier eine Frau mit nacktem Oberkörper in den unechten Brunnen werfen, ein Mann wird ein brennendes Holzkreuz ins Barbiehaus werfen und auf seinem Weg des Widerstands einen Kinderwagen umreißen. Es liegt kein Kind darin. Die Polizei rückt an mit schusssicheren Westen. Der Themenpark wird fast am ersten Tag wieder geschlossen.

Die Linksjugend Neukölln, auch Pinkstinks, distanziert sich später von jeder Gewalt. „Das war eine bescheuerte Aktion, wir haben damit nichts zu tun“, sagt ein Sprecher auf der Kundgebung vor der Weltzeituhr am Alexanderplatz. Etwa 200 Gegner haben sich versammelt, sie tragen Sticker: „Riots not diets“ und sie sagen, dass sie nicht gegen Puppen sind, aber gegen Profit, der mit den Träumen von Mädchen gemacht wird.

Selinas Mutter, gerade steht sie am nachgebauten Strand von Malibu, wo Barbie herkommt, versteht die Argumente nicht. „Das sind doch Kinder“, sagen auch die anderen Eltern. Selina legt sich in einen blau-weiß gestreiften Sonnenstuhl, läuft ungerührt an Vitrinen voller Barbies vorbei. Sie interessiert das Barbieschlafzimmer. Dort brennt in der Ecke ein Feuer – auf Leinwand.

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