Dürre in Brandenburg : Winzer lässt sich nicht aus der Ruhe bringen

Klaus Wolenski rechnet trotz Hitze mit einer guten Lese. Aber auch Waschbären und Stare stellen ein Risiko da. Ein Besuch im Weinberg.

Felix Hackenbruch
Lara und Klaus Wolenski halten der Hitze stand.
Lara und Klaus Wolenski halten der Hitze stand.Foto: Felix Hackenbruch

Den Wetterbericht verfolgt Klaus Wolenski in diesen Tagen nicht. „Wir müssen es doch sowieso nehmen, wie es kommt“, sagt der 70-Jährige und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Verrückt machen will er sich nicht. Bringt ja nichts. Und so brennt auch an diesem Augusttag die Sonne auf seine Trauben, bereits am Vormittag sind es 30 Grad. Wolenski bleibt trotzdem entspannt. „Mit dem Wetter habe ich kein Problem.“ Wolenski ist einer von rund 25 Winzern in Brandenburg. Seinen Weinberg hat er in Töplitz bei Werder westlich von Potsdam.

Anders als viele Bauern in Brandenburg, die wegen der anhaltenden Dürre über hohe Ernteverluste bei Mais und Getreide klagen, rechnet er mit einer guten Lese. Drei Hektar bewirtschaftet er, möglich wären damit im Idealfall 30000 Liter, de facto produziert das Weingut jährlich jedoch weniger als die Hälfte. „Wir nehmen viel weg, um die beste Qualität herzustellen.“ Für seinen Wein sei der Sommer ideal gewesen. „Die Qualität kann nicht mehr besser werden“, sagt er. Vor allem beim Rotwein erwarte er „exzellente“ Ergebnisse.

Hitze bringt Terminplan durcheinander

Auf dem Weingut, das seit drei Jahren seine Tochter Lara führt, bereiten sie sich in diesen Tagen auf die Weinlese vor. Die Behälter für die Maische werden geputzt, die alte Presse wird neu gestrichen und der Wein aus dem vergangenen Jahr wird aus den Edelstahltanks in Flaschen abgefüllt. „Alles werden wir aber nicht mehr rechtzeitig aus den Tanks herausbekommen“, sagt Wolenski. Der ungewöhnlich trockene und heiße Sommer hat seine Terminplanung etwas durcheinander gebracht. „Eigentlich könnten wir jetzt schon mit der Ernte beginnen, aber wir wollen noch ein bisschen abwarten.“

Jeder Tag Sonne bedeutet für die Trauben mehr Süße, aber für Wolenski auch mehr Risiko. Sollte es in den kommenden Tagen doch noch ausgiebig regnen, sind seine Trauben wegen der hohen Temperaturen extrem von Fäule bedroht. Spätestens in zwei Wochen will Wolenski deshalb die Trauben in den Keller bringen – immer noch gut drei Wochen früher als im Vorjahr. In seinem Weinberg hängen die Trauben tatsächlich prall an den Rebstöcken, die Wespen schwirren süchtig um die Früchte herum. Fünf Weiß- und drei Rotweinsorten hat er hier gepflanzt, alle sind gut entwickelt.

"Wenn man Sicherheit braucht, soll man Beamter werden"

Das liegt unter anderem an der Bewässerung, mit der Wolenski von Anfang an arbeitet. Das Wasser bezieht er aus einem alten Brunnen, den die Zisterzienser angelegt haben. Vor rund 600 Jahren bewirtschafteten die Mönche für das nahe Kloster den Berg mit Trauben. Mit der nahen Havel, die Töplitz wie eine Insel umkreist, fanden sie hier ein ideales Mikroklima vor. Doch über die Jahrhunderte ging das Wissen über den Weinbau in Brandenburg verloren. Vor gut zehn Jahren hat Klaus Wolenski mit den Weinbau in Töplitz begonnen. Von Anfang an setzte er auf Bewässerung. „Wenn man in der Landwirtschaft arbeitet, muss man auf die Natur reagieren“, sagt er.

Die Rufe seiner Kollegen nach staatlichen Hilfen wegen der Dürre will er nicht akzeptieren. „Wir sind Unternehmer und keine Sozialhilfeempfänger.“ Den Satz sagt er mehrfach. Die Einstellung vieler Landwirte ärgert ihn spürbar. Viele würden nicht vorausschauend wirtschaften und dann in der Not die Hand aufhalten. Das Wetter gehöre aber nun mal zum Berufsrisiko. „Wenn man Sicherheit braucht, dann soll man Beamter werden“, sagt er und lacht, denn Klaus Wolenski war selbst mal Beamter.

Der gebürtige Spandauer arbeitete lange für den Berliner Senat. „Das war nicht meine Welt“, erinnert er sich. Vor gut 20 Jahren sattelte er um, zog nach Töplitz, wo die Familie einen Reiterhof übernahm. Die Pferde sind inzwischen nur noch ein Nebenbetrieb. Wolenski war genervt von den verwöhnten Kindern aus der Hauptstadt, die sich auf seinem Hof ein Pferd hielten. Zum Weinbau hatte er schon immer eine persönliche Verbindung, schließlich war bereits sein Großvater Winzer an der Mosel. „Mein Wissen habe ich zu einem Drittel von ihm, zu einem Drittel angelesen und zu einem Drittel angetrunken“, sagt Wolenski verschmitzt.

Die Hitze bringt den Terminkalender durcheinander.
Die Hitze bringt den Terminkalender durcheinander.

„Im vergangenen Jahr haben wir 15 Prozent der Ernte an die Waschbären verloren“

Doch auch ohne Ausbildung ist sein Weingut erfolgreich und wächst. Unlängst haben sich die Wolenskis deshalb Hilfe von einem ausgebildeten Winzer geholt. Eine weitere Qualitätssteigerung erhoffen sie sich davon. „Im Süden sagen sie, der Wein wächst auf dem Berg und wird im Keller gemacht. Ich sehe das aber genau andersherum“, sagt Wolenski. Und auch vierbeinige Helfer haben sie auf dem Bio-Weingut. Seit drei Jahren weiden etwa 60 Kamerunschafe zwischen den Stöcken. Die halten den Bewuchs niedrig und entlauben die Traubenzone. „An die Trauben gehen sie nicht ran“, sagt Wolenski. Anders als Stare und Waschbären. „Im vergangenen Jahr haben wir 15 Prozent der Ernte an die Waschbären verloren“, sagt er und berichtet von betrunkenen Waschbären.

„Morgens grunzen die dann richtig.“ Auch das gehört für ihn zur Natur und damit zum Risiko als Landwirt. „Das muss man einkalkulieren“, sagt Wolenski. Mit Hunden und den Schafen ist es ihm gelungen, die Waschbären zu stören. In diesem Jahr sind die Invasoren weniger geworden. Auch deshalb expandiert das Weingut, vor allem aber weil seit einer Weile Brandenburger Weine gefragt sind. „Wir haben hier mehr Sonnenstunden als in der Pfalz“, sagt Wolenski. Das würden mehr und mehr Weinkenner merken. Parallel werde der Markt für regionale Produkte größer, die meisten Kunden der Wolenskis wohnen in Berlin. Auch einige Restaurants beliefern sie, wie das bekannte Sterne-Restaurant „Nobelhart und schmutzig“. An Supermärkte wolle er seinen Wein jedenfalls nicht verkaufen. Dort würde man seine Flaschen am Ende für drei Euro verkaufen. Kunden auf dem Hof würden sich dann beschweren, warum sie vor Ort das Dreifache zahlen müssten. Der Dumpingpreis sei unwirtschaftlich und der Qualität nicht angemessen, findet Wolenski. Er will weiter auf Qualität und ökologischen Weinbau setzen. Wenn man auf die Natur achte, leide man auch nicht unter ihr. „Für uns ist das der richtige Weg“, ist sich Wolenski sicher.

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