Berlin : Duftes Peeling

Das „Esplanade“ Bad Saarow macht sich den märkischen Sand zunutze – in Seife, die Gäste auch selber herstellen können

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Der märkische Sand gehört spätestens seit der genialen Idee von Gustav Büchsenschütz zu den brandenburger Markenzeichen: In den Zwanzigerjahren schrieb der waschechte Berliner nach einer Wanderung durchs Umland die Hymne von der Märkischen Heide und dem märkischen Sand. Da schien es nur eine Frage der Zeit, bis auch die neuzeitliche Wellnessbranche den so reichlich vorhandenen Rohstoff für sich entdeckte. Das Hotel „Esplanade“ in Bad Saarow erfand für sich das „Märkische Peeling“. Es bringt den Sand auf eine feine, wohlriechende und nützliche Art auf die Haut, denn der steckt in einer Seife, die in Europas einziger Manufaktur dieser Art von jedermann selbst hergestellt werden kann.

In großen Bottichen befinden sich neben feinstem Sand als Zutaten stark konzentrierte Sole, unterschiedlich gefärbte Heilerde, Kakaobutter, Öle aus Mandeln, Oliven, Jojoba oder Leinen, Pflanzenfette und, je nach gewünschtem Duft, auch Rosen, schwarzer Pfeffer, Zitrus, Thymian und anderes. Wohldosierte Zugaben von Tapioka-Kunststoff sollen die belebende Wirkung verstärken.

Auf die Idee, für Touristen Seifenmacher-Kurse anzubieten, kam die Schweizerin Rafaela Hoeck Domig. Sie führt seit 1998 mit ihrem Mann Peter das „Esplanade“. Alle zwei Wochen findet ein fünf- bis sechsstündiger Kurs in Seifenherstellung statt.

Zunächst wollte die Hoteldirektorin, die den gesamten Wellness- und Kosmetikbereich verantwortet, nur für sich eine gute Substanz für das Abschminken entwickeln. Die sollte die Haut schonen und sie nicht austrocknen. Sie experimentierte, verwarf gefundene Mischungen wegen ihrer ätzenden Wirkung und begann wieder von vorn. Viele Bücher wurden gelesen und Studien verglichen. Dabei stieß die Hotel-Managerin auf den entscheidenden Unterschied zwischen kommerziell produzierten Seifen und jenen aus Fertigung per Hand: Letztere behalten den natürlichen Glyceringehalt der verwendeten Öle. Wie das geschieht, kann jeder Kursteilnehmer selbst erfahren. Ausgerüstet mit Schutzbrille, Schürze und Handschuhen verwandeln sich die Gäste in Chemiker. Sie rühren die Substanzen kalt an und geben das erst einmal abgespaltene Glycerin später wieder zur Masse hinzu. Danach kommt auch der märkische Sand zum Einsatz. Durch ihn eignen sich die handtellergroßen Seifen ganz ausgezeichnet für Reinigung und Massage gleichermaßen.

Beim „Märkischen Peeling“ weckt der feine Sand zusammen mit den Kunststoffstücken viele Lebensgeister. Und auch fürs Auge sind sie was: Auf einem großen Teller ausgebreitet, wirken die Formen auf den ersten Blick wie Schokoladenstücke. Einige duften sogar nach Kakao. Zum Anbeißen aber sind sie nicht geeignet. Da stört dann doch der Sand. Ste.

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