Grüne wollen das Gründstück eintauschen

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Update
East Side Gallery : Grünanlage statt Hochhaus

Das ein Meter breite Segment, das Bauarbeiter aus der East Side Gallery geschnitten haben, steht nun wie ein Kunstwerk auf dem Grünstreifen zwischen Mauer und Uferradweg und ist bereits eine Touristenattraktion. Fotos werden geschossen. Auch auf der anderen Seite der Gallery, zur Mühlenstraße hin, schauen Neugierige auf die Lücke, die seit dem Wochenende in der Mauer klafft und mit einem Bauzaun versperrt ist. An der Absperrung hängen Plakate von Demonstranten. „Geschichte muss sichtbar bleiben“, steht auf einem Transparent. „Auch im Ausland redet man darüber, dass in Berlin der letzte erhaltene Mauerstreifen abgerissen wird“, sagt ein Engländer, der mit seiner Freundin in die Stadt kam.

Meter für Meter - die komplette East Side Gallery
Bevor sie vielleicht doch zerstückelt wird, sind wir die 1316 Meter der East Side Gallery abgelaufen und haben jedes einzelne Stück Mauerkunst im Bild festgehalten. Wir beginnen an der Oberbaumbrücke mit Oskar (Hans Bierbrauer) und "Ohne Titel".Weitere Bilder anzeigen
1 von 309Foto: Kitty Kleist-Heinrich
30.01.2018 11:51Bevor sie vielleicht doch zerstückelt wird, sind wir die 1316 Meter der East Side Gallery abgelaufen und haben jedes einzelne...

Das neue Loch ist ja nicht die einzige Lücke in dem 1,3 Kilometer langen Mauerstreifen. Fünf Durchbrüche gibt es. Ein 50 Meter breites Stück wurde entfernt, um die Uferanlegestelle gegenüber der O2-Arena zugänglich zu machen. Die anderen Lücken sind jeweils fünf bis zehn Meter breit. So können das Wirtshaus Löwenbräu Speicher, das Eastern Comfort Hostelboat und das frühere Oststrand-Gelände nur durch Löcher in der Gallery erreicht werden. Zusätzlich gibt es einen Durchgang für Fußgänger und Radler. Die Segmente wurden nicht zerstört, sondern stehen als Einzelstücke auf dem Grünstreifen hinter der East Side Gallery.

Die Bauvorhaben am Spreeufer gehen auf einen städtebaulichen Ideenwettbewerb von 1992 zurück, der den Wiederaufbau der Brommybrücke und eine „niedrige gewerbliche Struktur mit eingestreuten Solitären unter Freilassung einer Uferpromenade“ vorsah. Auf der Grundlage dieser Planung beschloss das Bezirksamt Friedrichshain 1997 die Aufstellung eines Bebauungsplans, der 2005 (nach der Neugliederung der Berliner Bezirke) vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg festgesetzt wurde. An der Mühlenstr. 60 sollte ein 60 Meter hohes Wohngebäude entstehen, auf dem Nachbargrundstück 61-63 ein 140 Meter langer und 30 Meter hoher Gebäuderiegel.

Was Touristen mit der East Side Gallery treiben
Die East Side Gallery ist einer der touristischen Anziehungspunkte in Berlin. Doch viele kommen nicht nur, um sich das Stück bemalte Mauer anzusehen - eine Bildergalerie.Weitere Bilder anzeigen
1 von 11Foto: Kitty Kleist-Heinrich
28.10.2010 07:41Die East Side Gallery ist einer der touristischen Anziehungspunkte in Berlin. Doch viele kommen nicht nur, um sich das Stück...

Nach Darstellung des Bezirksbürgermeisters Schulz sind seitdem alle Bemühungen des Bezirksamts gescheitert, diese Neubauten zu verhindern. Zuletzt forderte die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) im November 2010 auf Antrag der Grünen, sich beim Senat für einen „wertgleichen Tausch der Grundstücke“ einzusetzen. Da bereits Baurecht bestehe und eine einseitige Änderung des Bebauungsplans zu Schadensersatzansprüchen führen würde, sei dies die bessere Lösung, hieß es in dem BVV-Beschluss.

Im Herbst 2012 lehnte die Finanzverwaltung des Senats dieses Ansinnen endgültig ab. Noch am letzten Mittwoch sagte Bürgermeister Schulz in der BVV-Fragestunde, damals habe sich der Bezirk auch von den Bürgern „allein gelassen gefühlt“. Hätte es im letzten Herbst Proteste gegeben, „hätte man noch etwas erreichen können“.

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