Ehemaliger Flughafen : Über Berge, Seen und FKK-Bereiche auf dem Tempelhofer Feld

Vor 10 Jahren machte der Flughafen Tempelhof dicht. Danach gab es viele Vorschläge für das stillgelegte Gelände. Ein Rückblick.

Jan Wendt
Ein Berg auf dem Flughafenfeld Tempelhof. Dieser Vorschlag kam von dem Architekten Jakob Tigges.
Ein Berg auf dem Flughafenfeld Tempelhof. Dieser Vorschlag kam von dem Architekten Jakob Tigges.Foto: reuters/Jakob Tigges

Bergsteiger erklimmen luftige Höhen mitten in Berlin, Millionen Bücher stapeln sich in der Zentral- und Landesbibliothek, statt heulenden Propellermotoren ertönen plantschende Kinderstimmen an einem Badesee: Seit zehn Jahren gibt es keine Flugzeuge mehr am Tempelhofer Feld, dafür viele Ideen zur Umnutzung des stillgelegten Flugplatzes im Dreiländereck zwischen Kreuzberg, Neukölln und Tempelhof. Ein Projekt etwa wollte auf dem zentralen Parkgelände einen Berg errichten. Der künstliche Riese sollte 1071 Meter in den Himmel ragen – ein Paradies für Berliner Gipfelstürmer.

Auch SPD-Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann aus dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hatte gigantische Pläne für das Areal. Seine Idee: Das neue Hertha-Stadion sollte auf dem alten Fluggelände seine neue Heimat finden. Platz für den Neubau wäre genug. 400 Fußballfelder passen auf die unbebaute Wiese.

Badeort, Bibliothek oder Neubauwohnungen?

Die Senatsverwaltung wollte den alten Flugplatz sogar fluten. So sollte ein Wasserbecken als Erholungsort entstehen. Der Badeort sollte 500 Meter lang und bis zu 120 Meter breit sein – und erst mal ohne eine künstliche Wellenanlage für Surfer, wie es hieß. Kostenpunkt: um die elf Millionen Euro.

Eine weitere Idee lautete, die Zentral- und Landesbibliothek auf dem ungenutzten Areal zu bauen. Abgeordnete sprachen sich auch für neuen Wohnraum auf dem alten Fluggelände aus. Tempelhof sei ein Luxus, den sich Berlin nicht leisten könne, hieß es immer wieder. Entwürfe für Neubauwohnungen am Rande des Tempelhofer Feldes lagen bereits vor. Aber der Berliner Volksentscheid verhinderte die Baupläne. Im Mai 2014 stimmten 64,3 Prozent der Hauptstädter dafür, dass der Senat das Gelände weder verkaufen noch bebauen darf. Denn die riesige Freifläche ist bei Berlinern sehr beliebt: Drei Millionen Menschen strömten im vergangen Jahr auf den Flugplatz.

Im Osten des Baudenkmals sollten Wasserbecken und -läufe entstehen, die über Stege erschlossen werden.
Im Osten des Baudenkmals sollten Wasserbecken und -läufe entstehen, die über Stege erschlossen werden.Foto: promo

Unesco-Weltkulturerbe: Dann könnte das Feld so bleiben, wie es ist

Dennoch rissen die kreativen Ideen für eine Umgestaltung nie ab. Im südlichen Gelände war ein Innovationspark geplant. Bürger schlugen Leuchtturmprojekte vor, der Standort könne als Demonstrationsfeld oder Zirkusplatz dienen. Die Kuriosität einiger Ideen kannte keine Grenzen. Von einem FKK-Bereich und einer riesigen Trampolin-Anlage war die Rede. Auch eine Öko-Sauna wurde vorgeschlagen. Die Saunagänger könnten den Strom an Fitnessgeräten selbst produzieren, hieß es, dabei kämen sie gleich zusätzlich ins Schwitzen. Auch ein Obdachlosenzentrum wurde debattiert.

Andere Vorschläge benötigten kaum Umbauarbeiten, zum Beispiel ein Eiswagen, der täglich seine Kreise um das Feld zieht. Oder die Wiese als natürlichen Wäschetrockner-Salon unter freiem Himmel nutzen – inklusive Videoüberwachung.

Auch die Idee, den alten Flugplatz als offizielles Unesco-Weltkulturerbe zu deklarieren, stand im Raum. Dann könnte das Tempelhofer Feld so bleiben, wie es zurzeit ist: einzigartig, kurios und liebenswert – zumindest für viele Berliner.

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