Berlin : Ein anziehendes Wochenende

Hunderttausende feierten mit beim Europafest – zur Freude der Hoteliers. Der Handel profitierte kaum

Moritz Honert

Europa feierte sich, und viele kamen nach Berlin, um mitzufeiern. Profitiert haben davon aber nicht alle. „Am vergangenen Wochenende hatten wir eine Auslastungsquote von 90 Prozent“, sagt Hans Eilers, Vizepräsident des Hotel- und Gaststättenverbands Berlin. Das waren zwanzig Prozent mehr Übernachtungsgäste als am Wochenende der Vorwoche und am gleichen Wochenende des Vorjahres. „Eine gute Auslastung“, so Eilers. Die Berlin Tourismus Marketing GmbH errechnete gegenüber dem gleichen Wochenende des Vorjahres ein Besucherplus von 65 Prozent.

Ein Grund für den Ansturm auf die Hauptstadt war das Europafest anlässlich des 50. Jahrestages der Unterzeichnung der Römischen Verträge. Mehr als eine halbe Million Menschen feierten am Sonntag vor dem Brandenburger Tor mit Live-Musik, während die EU-Staatschefs auf dem Jubiläumsgipfel über die Zukunft Europas diskutierten.

Ein weiterer Grund nach Berlin zu kommen war die „Lange Nacht des Shoppings“, die am Sonnabend bereits zum 14. Mal stattfand. 250 Geschäfte beteiligten sich an dem Event, das am vergangenen Wochenende zum ersten Mal nach dem Fall des Ladenschlussgesetz durchgeführt wurde. Marina Münz vom Werbeteam Berlin, den Organisatoren der Einkaufsnacht, zeigte sich angesichts der Besucherzahlen zufrieden. „Mit 500 000 Besuchern kamen 50 000 mehr als im vergangenen Jahr.“ Obwohl die Zahl der Besucher hinter den Ergebnissen im Herbst des Jahres 2006 (600 000 Besucher) und 2005 (700 000 Besucher) zurückblieb, äußerten sich auch die teilnehmenden Geschäfte positiv. Niketown Berlin an der Tauentzienstraße beispielsweise verzeichnet ein Umsatzplus von rund sieben Prozent. Den deutlich stärkeren Umsatz machten die teilnehmenden Geschäfte diesmal jedoch am Tag und nicht in den Nachstunden.

Recht nüchtern fiel hingegen das Wochenend-Fazit des Berliner Einzelhandels aus. „Für viele Geschäfte hat sich der Besucheransturm nicht merklich gerechnet“, so Nils Busch-Petersen, Sprecher des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg. Viele Besucher seien nicht zum Einkaufen sondern zum Feiern in die Stadt gekommen, während viele Berliner aus Angst vor Staus im Stadtzentrum zu Hause geblieben seien. Auch sei am Monatsende stets eine geringe Konsumbereitsschaft festzustellen, da viele mit größeren Anschaffungen bis zur nächsten Gehaltszahlung warten würden.

Nicht profitiert von dem Besucherzuwachs haben auch die Staatlichen Mussen zu Berlin. Nach Auskunft des Besucher-Dienstes hatten die Häuser am vergangenen Wochenende keinen merkenswert größeren Zulauf im Vergleich zu anderen Wochenenden. Als Gründe wurden das gute Wetter und die Europa-Feierlichkeiten genannt.

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