Berlin : Ein Star im Alleingang

In „Bobby“ spielt Christian Slater einen Rassisten Gestern war er Gast bei der Berlin-Premiere

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Wer lieber von halbvollen als von halbleeren Gläsern spricht, für den war die gestrige Deutschland-Premiere von „Bobby“ ein Knaller. Christian Slater war da. Der Mann ist ein Hollywoodstar, hat in großartigen Filmen mitgespielt („Der Name der Rose“, „True Romance“). Und in „Bobby“ ist er in einer echten Charakterrolle zu sehen.

Die Vertreter der „halbleer“-Weltsicht könnten einwenden, dass in dem Film noch 21 andere Hollywood-Größen mitspielen. Und die ließen sich gestern im Cinestar am Potsdamer Platz allesamt entschuldigen: Sharon Stone wollte so kurz nach der Berlinale nicht schon wieder anreisen, Regisseur Emilio Estevez steckt bereits in seinem neuen Projekt, Anthony Hopkins und Harry Belafonte mussten ebenfalls absagen. Zum Glück ist Christian Slater ein Entertainer. Der 37-Jährige kann eine Premierenfeier auch im Alleingang gelingen lassen.

Dass überhaupt so viele Hochkaräter in „Bobby“ mitspielen, liegt an der politischen Bedeutung des Projekts. Die Handlung spielt am 4. Juni 1968 im „Ambassador Hotel“ in Los Angeles. Genau an dem Tag, an dem dort Robert F. Kennedy ermordet wurde. Für die damalige AntiKriegs-Bewegung war die Tat ein Schock: Der Demokrat hatte sich für ein Ende des Vietnam-Kriegs ausgesprochen. Und galt bereits als Kandidat für die nächste Präsidenten-Wahl.

Im Film kommt Kennedy jedoch nur am Rande vor – stattdessen wird die fiktive Geschichte von 22 Hotelgästen und Angestellten erzählt, von der alternden Lounge-Sängerin (Demi Moore) bis zum Koch (Laurence Fishburne). Abgesehen von Ashton Kutcher, der einen wirklich miserablen Hippie abgibt, macht das Starensemble großen Spaß. Christian Slater mimt den einzigen echten Bösewicht: einen rassistischen Küchenchef. „Ganz klar, der Mann hat scheußliche Züge“, sagt Slater. „Aber selbst in ihm kann man einen gewissen Grad an Menschlichkeit entdecken“. Nein, bei seiner Vorbereitung auf die Rolle habe er nicht an Matt Dillon in „L.A. Crash“ gedacht – obwohl der wunderbar gespielt habe, von daher macht Slater dieser Vergleich stolz. Was ihm noch schmeichelt: die Gerüchte, er habe während des Drehs eine Affäre mit Sharon Stone gehabt. „Das ist zwar Quatsch. Aber hey: Es gibt tatsächlich Leute, die glauben, ich könnte bei dieser Frau landen.“ sle

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