• „Ein wichtiger Ort für Hygiene“: Berlins Sozialsenatorin besucht Duschmobil für obdachlose Frauen

„Ein wichtiger Ort für Hygiene“ : Berlins Sozialsenatorin besucht Duschmobil für obdachlose Frauen

Wohnungslose Frauen sind häufig von sexualisierter Gewalt betroffen. Am Leopoldplatz gibt es einen Ort, an dem sie sich im Sommer waschen und erfrischen können.

Saubere Sache. Sozialsenatorin Breitenbach im Duschmobil auf dem Leopoldplatz in Wedding.
Saubere Sache. Sozialsenatorin Breitenbach im Duschmobil auf dem Leopoldplatz in Wedding.Foto: Jörg Carstensen

Auch wenn die Temperaturen das am Mittwoch leicht vergessen ließen: Wer auf der Straße lebt, für den kann der Sommer gefährlich werden. "Hitze und Sonne bedeuteten eine große Belastung für Menschen, die auf der Straße leben, denn für sie gibt es oft kein Entrinnen", sagt Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke), als sie an diesem Vormittag das Duschmobil für wohnungslose Frauen auf dem Leopoldplatz in Wedding besucht.

Unter dem Motto "Wasser. Würde. Wohlbefinden" bietet das Duschmobil Frauen seit September 2019 wochentags an verschiedenen Standorten die Möglichkeit, sich zu reinigen und zu erfrischen. Gerade jetzt, im Sommer, "ein wichtiger Ort für Hygiene", so Breitenbach.

Die Frauen können hier „so lange verweilen, wie sie möchten“. Nur mit dem Wasser müssten sie etwas sparen, sagt Ella Winkelmann, eine der beiden Sozialarbeiterinnen, die das vom Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) betriebene Mobil betreuen.

Für Frauen, sagte Breitenbach weiter, "ist das Leben auf der Straße besonders hart und gefährlich. Viele von ihnen sind von sexualisierter Gewalt betroffen." Das Duschmobil biete den Frauen somit auch einen Schutzraum – und durch Beratung und Vermittlung die Möglichkeit, einen Weg aus der Obdachlosigkeit finden. Die Senatsverwaltung fördert das Duschmobil mit jährlich 125.000 Euro.

Früher sei der typische Obdachlose einheimisch, männlich und zwischen 30 und 50 Jahre alt gewesen. Heute lebten viel mehr Frauen, Migranten und Ältere auf der Straße. Es gebe auch Menschen im Rollstuhl – darauf seien die Hilfsangebote noch nicht ausreichend eingestellt. Durch die hohen Mietpreise seien auch immer mehr junge Menschen gefährdet.

Senatorin appelliert Solidarität der Berliner

Zusätzlich zu den organisierten Hilfsangeboten fordert Breitenbach die Berliner auf, Obdachlosen Hitzehilfe anzubieten: "Jeder kann eine kleine Flasche Wasser mitnehmen und sie einem Bedürftigen anbieten."

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Die Senatorin ist überzeugt, dass es sich lohnt, an die Solidarität der Berliner zu appellieren: "Die Stimmung à la ’Eure Armut kotzt uns an’ haben wir überwunden." Das beste Beispiel dafür sei die Nacht der Solidarität im Januar gewesen: Fast 3000 Freiwillige zählten in einer Nacht die Obdachlosen in Berlins Straßen. Die nächste Nacht der Solidarität soll im Sommer 2021 stattfinden.

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Breitenbach will die Hilfen für Wohnungslose in Berlin schrittweise verbessern. Projekte wie das Duschmobil oder das Modell "Housing First", das bis Oktober 2021 läuft und Obdachlose in Wohnungen unterbringt, seien erste erfolgreiche Ansätze: "Die Wohnungslosenhilfe muss sich an die Menschen anpassen und nicht umgekehrt."

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