Berlin : Elektronisches Ticket kommt – aber nur bei der BVG

Klaus Kurpjuweit

Nach vielen Ankündigungen soll es jetzt wahr werden: Die BVG will rund 200 000 Abonnenten ab Ende des Jahres nach und nach mit einem elektronischen Fahrschein ausstatten. Er ersetzt dann die bisherigen Papierausgaben und Wertmarken. Die S-Bahn dagegen bleibt beim alten System und verzichtet auf die Ausgabe von Fahrscheinen mit einem integrierten Chip. Nutzen kann man den elektronischen BVG-Fahrschein, der den Namen des Kunden und die Gültigkeit speichert, aber trotzdem auch bei der S-Bahn. Der Regionalverkehr der Bahn hat die Vereinbarung noch nicht unterschrieben.

Für Fahrgäste ist ein solches Ticket vor allem bei einem Verlust vorteilhaft. Während es jetzt in der Regel keinen Ersatz gibt, wenn die Monatskarte verloren geht oder gestohlen wird, kann ein Chip einfach gesperrt werden. Der Kunde erhält dann ein neues Ticket mit geänderten Daten auf dem Chip. Und die elektronischen Fahrscheine sollen auch haltbarer sein.

Die BVG selbst will dadurch Vertriebskosten sparen. Nach Angaben von BVG-Chef Andreas Sturmowski ist der Fahrschein für das Unternehmen ein wirtschaftlicher Erfolg. Die S-Bahn und die Bahn AG sehen diesen Nutzen dagegen nicht, wie der Berliner Bahnchef Ingulf Leuschel gestern im Verkehrsausschuss des Parlaments sagte.

Um die BVG-Tickets aber in den Zügen der S-Bahn und des Regionalverkehrs kontrollieren zu können, übernimmt die BVG auch dort die Kosten für die Kontrollgeräte. Abgedeckt werden kann damit aber nur der Tarifbereich AB innerhalb der Stadtgrenzen. Wer mit einem elektronischen ABC-Fahrschein ins Umland fahren will, muss sich nach Sturmowskis Angaben weiter mit einem zusätzlichen Aufkleber behelfen. Im Umland werde voraussichtlich nur der Verkehrsbetrieb in Potsdam Lesegeräte für die Kontrolle erhalten.

In Nordrhein-Westfalen hatte es nach der Einführung der Chipkarten vor allem bei Schülerkarten einen erheblichen Missbrauch gegeben, weil die Kontrollen zunächst unzureichend waren. So konnten als verloren oder gestohlen gemeldete Chipkarten munter weitergenutzt werden. Inzwischen habe man dieses Problem im Griff, heißt es.

Wie viel Geld die BVG bereits in das Projekt eines elektronischen Tickets gesteckt hat, wollte Sturmowski gestern nicht sagen. Allein ein erster Versuch von 1999 bis 2001 habe 13 Millionen Euro verschlungen. Doch auch danach beschäftigte sich bei der BVG rund ein Dutzend Mitarbeiter mit dem Projekt. Das Ziel, den Fahrpreis entfernungsabhängig zu berechnen, hat die BVG inzwischen, wie berichtet, aufgegeben.

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