"Auf Schlafratgeber kann man verzichten"

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Eltern erzählen vom ersten Kind : „Ich habe plötzlich ein richtiges Zuhause“

Was waren hilfreiche Tipps vor der Geburt?

Meine Mutter hat schon immer gerne gesagt: Elternsein ist der einzige Beruf, für den es keine Ausbildung gibt. Da hilft nur learning by doing. So habe ich gelernt, mich auf mein Kind einzulassen und nicht zu viel auf Ratgeber oder Blogs zu geben. Gold wert war außerdem, dass ich mich rechtzeitig um eine Beleghebamme gekümmert habe, denn die sind in Berlin - wie Geburtsvorbereitungskurse - immer schon sehr früh ausgebucht.

Auf welche Ratschläge hätten Sie verzichten können?
Auf alle Ratgeber zum Thema Schlaf! Da muss man durch. Mal schläft man mehr, mal weniger. Daran herumdoktern funktioniert nicht, sondern frustriert nur. Übrigens: Und, schläft es denn schon durch? oder dergleichen sind nicht nur lästige, sondern auch langweilige Fragen.

Was hat nicht so gut funktioniert?
Ich hatte für die ersten sieben Monate nach der Geburt eine postnatale Depression, die mich mit Panikattacken, Schlaflosigkeit und Selbstzweifeln nahezu ans Haus gefesselt und handlungsunfähig gemacht hat. Davor hatte mich niemand gewarnt oder im Vorfeld über das Risiko aufgeklärt. Zum Glück hat meine Hebamme dies sehr früh und feinfühlig erkannt. Gemeinsam mit meiner Gynäkologin haben wir herausgefunden, was zu tun ist, wie mir zu helfen ist. Bei der kleinteiligen medizinischen Versorgung in der Schwangerschaft finde ich es im Nachhinein erstaunlich, dass diese ernstzunehmende Krankheit selten bis nie angesprochen wird. Meines Wissens nach gibt es keine routinemäßigen Screenings für Depressionen oder andere psychische Belastungen bei werdenden Müttern. Dabei sind Postnatale Depressionen keineswegs selten. Dabei könnte auch hier Vorsorge vieles abfedern. Auf der Internetseite www.schatten-und-licht.de fand ich hilfreiche Informationen.

Welche schönen Orte hast du als Mutter entdeckt?

Die Weberwiese bei uns in Friedrichshain. An heißen Sommertagen spenden Bäume Schatten und ein recht großes, flaches Becken mit hoch sprudelnder Fontaine kühlt die Luft und lädt zum Planschen ein. Von März bis Oktober baut dort außerdem jeden Donnerstagnachmittag der Verein Spielwagen seine selbst entworfenen und -gebauten Spielgeräte auf.

Jenny Westphal (34) wohnt mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Sohn Kiran (10 Monate) in einer Wohnung in Friedrichshain. Sie hat einen Bachelor in Geschichte und Islamwissenschaften und genießt derzeit ihre Elternzeit.

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