Er soll Massaker befohlen haben : Neukölln sucht neuen Namen für die Wissmannstraße

Der Kolonialist Hermann von Wissmann soll Massaker an Einwohnern Deutsch-Ostafrikas befohlen haben. Nun können alternative Namensvorschläge eingereicht werden.

Die Anwohner der Wissmannstraße sehen der Umbenennung positiv entgegen.
Die Anwohner der Wissmannstraße sehen der Umbenennung positiv entgegen.Foto: imago/Klaus Martin Höfer

Während über die mögliche Umbenennung der Mohrenstraße in Mitte und der Onkel-Tom-Straße in Zehlendorf bislang nur diskutiert wird, ist man in Neukölln bei der Wissmannstraße schon weiter.

Bereits im Sommer 2019 beschloss die Bezirksverordnetenversammlung (BVV), die Straße umzubenennen. Bislang trägt sie den Namen des Kolonialisten Hermann von Wissmann, der Reichskommissar und Gouverneur von damals Deutsch-Ostafrika (heute Tansania, Burundi und Ruanda) war und Massaker an der lokalen Bevölkerung befohlen haben soll. Wissmannstraße

Gesucht wird nun eine Namensgeberin, die sich um den Bezirk besonders verdient gemacht hat oder Widerstand gegen koloniale und rassistische Strukturen geleistet hat.

Bis Sonntag konnten Anwohner Vorschläge einreichen, die Resonanz sei überwältigend gewesen, sagte die zuständige Stadträtin für Bildung und Kultur, Karin Korte (SPD) auf Anfrage. Mehr als 400 E-Mails mit Namensvorschlägen seien eingegangen.

Ab August soll eine Jury aus Experten und Anwohnern zusammentreffen, um drei Namen auszuwählen. Zehn Anwohner haben sich für die Jury beworben. Diese werden dann im Herbst im zuständigen BVV-Ausschuss und mit der Bevölkerung diskutiert.

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Wenn alles gut gehe, werde die BVV im Dezember einen der drei Namen auswählen, sagte Korte. Ihren neuen Namen könnte die Straße womöglich bereits im kommenden Frühjahr erhalten.

Bislang sei die Resonanz der Anwohner überwiegend positiv. Um den direkten Bewohnern der Straße die Sorge vor bürokratischem Aufwand durch die Adressänderung zu nehmen, seien spezielle Termine im Bürgeramt vorgesehen, sagte Korte.

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