Erster Polizist mit Coronavirus : So will die Berliner Polizei ihre Beamten schützen

Am Samstag wurde die Infektion bekannt, Kontaktpersonen werden isoliert. Die Polizei muss derweil arbeitsfähig bleiben – auch bei weiteren Fällen.

Die Einsatzzentrale der Berliner Polizei.
Die Einsatzzentrale der Berliner Polizei.Britta Pedersen/dpa

Nach dem ersten bestätigten Coronavirus-Fall in der Berliner Polizei sind 35 Beamte auf Anweisung der zuständigen Amtsärztin unter Quarantäne gestellt worden. Das teilte die Polizei mit. Am Samstag war der Beamte der 32. Einsatzhundertschaft positiv auf den Virus getestet worden, der Einsatz der Einheit beim Bundesligaspiel Hertha BSC gegen Werder Bremer wurde abgesagt – und eine andere Hundertschaft eingesetzt.

Bei der Überprüfung des Falls sind 35 direkte Kontaktpersonen ermittelt worden, die meisten kommen aus derselben Hundertschaft, aber auch aus anderen Bereichen der Polizei - etwa aus dem Abschnitt 28 in Moabit. Da Hundertschaften in sogenannte Züge aufgeteilt sind, muss nicht auch die gesamte Hundertschaft betroffen sein.

Weitere Beamte auch aus anderen Bereichen sind aber überprüft und mit einem „geringen Infektionsrisiko“ eingestuft worden. Bis Sonntagnachmittag ist bei der Polizei kein weiterer Covid-19-Fall bekannt geworden.

In der Polizei wird zwar mit weiteren Infektionen gerechnet, die Behördenleitung geht bislang jedoch davon aus, die Lage im Griff zu behalten. Noch liefen die normalen Abläufe, eine neue Befehlskette in einer sogenannten „Besonderen Aufbauorganisation“ sei noch nicht nötig, davon sei man noch meilenweit entfernt. Dennoch sind Vorkehrungen getroffen worden.

Im Kern geht es darum, dass die Polizei arbeitsfähig bleibt – also für Sicherheit und Ordnung sorgt, Gefahren abwehrt und Straftaten verfolgt. Sollte all das durch das Coronavirus beeinträchtigt sein, wäre eine der zentralen Aufgaben des Staates betroffen – die Bürger zu schützen.

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„Die Polizei Berlin hat sich organisatorisch darauf eingestellt, dass das Corona-Virus nicht vor ihr halt machen wird“, sagte Polizeisprecher Thilo Cablitz. „Eine Koordinierungsstelle, in der alles zusammenläuft, was aus Sicht der Polizei Berlin im Zusammenhang mit dem Virus steht, ist faktisch eingerichtet.“ Beteiligte Bereiche, Ansprechpartner und Leitung seien festgelegt.

Pandemiepläne könnten zum Einsatz kommen

Polizeipräsidentin Barbara Slowik habe die Details bereits Ende der Woche mit den Beschäftigtenvertretungen, Gewerkschaften und Berufsverbänden umfassend erörtert. „Die Koordinierungsstelle wird sich sämtlicher Belange, damit insbesondere der Fragen der Kolleginnen sowie Kollegen annehmen und Maßnahmen zur Gewährleistung der Arbeitsfähigkeit der Polizei Berlin veranlassen.“ Dabei könne man auf die schon seit langem bestehende Pandemiepläne zurückgreifen.

Hintergrund zum Coronavirus:

Die Gewerkschaften und Berufsverbände reagierten unterschiedlich auf das Vorgehen der Behördenleitung. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) erwartet, „dass die Polizeiführung transparent und stets aktuell über die Entwicklung informiert und unverzüglich entsprechende Maßnahmen trifft, um den Kreis an Betroffenen möglichst gering zu halten.“ Benjamin Jendro, der Sprecher der GdP Berlin sagte: „Dazu gehört es auch, Dienstpläne flexibler zu gestalten und die Einsätze auf die Kernaufgaben der Bereitschaftspolizei zurückzufahren.“

Ein Corona-Fall in einer Hundertschaft könnte potenziell 100 Kräfte außer Gefecht setzen. Daher sollten Einsätze in den nächsten Wochen eher von kleineren Einheiten durchgeführt werden, sagte Jendro. Zudem müsse gesichert werden, dass die Beamten in den nächsten Wochen mit Schutzausrüstung wie Mundschutz, Handschuhen und Desinfektionsmittel ausgerüstet werden.

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„Der Verlauf und die Verbreitung des Coronavirus ist zur Zeit nicht absehbar“, sagte hingegen Jörn Badendick, Sprecher des Berufsverbands „Unabhängige“. „Deshalb wurde eine Koordinierungsstelle eingerichtet, die die Situation täglich neu bewertet und dann reagiert.“ Badendick lobte ausdrücklich Polizeipräsidentin Slowik für ihr Vorgehen. Im Spannungsfeld zwischen polizeilicher Auftragserfüllung und Fürsorge für die Beamten sei Slowik offensiv auf Gewerkschaften und Berufsverbände zugegangen. „Das gab es unter früheren Polizeipräsidenten nicht“, sagte Badendick. „In der jetzigen Situation ist es auch unerlässlich, dass alle an einem Strang ziehen.“

Zugleich sieht Badendick die aktuelle Lage als Musterfall. Die bestehenden Pandemiepläne seien noch unter dem früheren Polizeipräsidenten Dieter Glietsch, der bis 2011 amtierte, entwickelt worden. Er sehe die Pläne als Provisorium, sagte Badendick. „Die jetzige Situation ist zwar leider einzigartig, bietet aber die Gelegenheit, Erfahrungswerte zu sammeln“, sagte der Sprecher des Berufsverbandes. „Natürlich muss das wissenschaftlich und interdisziplinär begleitet werden.“ Die Erfahrungen könnten für die Zukunft von unschätzbarem Wert sein.

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