• Europäische Tage des Kunsthandwerks 2018: Vom Wert der Dinge: Design und Handwerk in der Villa Elisabeth

Europäische Tage des Kunsthandwerks 2018 : Vom Wert der Dinge: Design und Handwerk in der Villa Elisabeth

Heute startet die Verkaufsausstellung „Echt – modern craft“. Mitglieder des Berufsverbandes Angewandte Kunst Berlin-Brandenburg präsentieren drei Tage lang ihre originelle Gebrauchskunst.

Der Schmuck von Rainer Wiencke wird unter anderem aus afrikanischem Büffelhorn gefertigt.
Der Schmuck von Rainer Wiencke wird unter anderem aus afrikanischem Büffelhorn gefertigt.Foto: Stefan Reinberger

Die schöne Maserung ist naturgegeben. Der edle Glanz kommt vom Polieren. Eine echte Knochenarbeit, und das darf man durchaus wörtlich verstehen. Denn der Schmuck, den Rainer Wiencke in den eleganten Glaskästen seines Showrooms in Prenzlauer Berg präsentiert, wird aus afrikanischem Büffelhorn gefertigt – direkt aus der Spitze herausgeschliffen; die sei das wertvollste Teil. „Es ist meine Spezialität, mit ungewöhnlichen Materialien zu arbeiten“, sagt Wiencke und zeigt auf eine schlichte schwarze Kette. „Kukui-Nüsse, hohl und extrem leicht.“ Spätestens jetzt wird klar: Die Grenzen zwischen Kunst und Handwerk sind oft nur schwer abzustecken.

„In Paris hat das Kunsthandwerk einen sehr hohen Stellenwert“, sagt Wiencke. In Deutschland sei diese Wertschätzung ein wenig verloren gegangen. Das soll sich nun ändern. Dafür setzt sich der Berufsverband Angewandte Kunst Berlin-Brandenburg (AKBB) ein. 2004 wurde er gegründet und hat inzwischen 80 Mitglieder. „Tendenz stetig steigend“, schiebt Wiencke hinterher, der im Vorstand sitzt. Woran liegt das? Vor vier Jahren habe es einen Umbruch gegeben, seitdem laufe es. „Da ist gerade eine neue Energie zu spüren.“

Alte Techniken, neue Kreationen

Die Verkaufsausstellung „Echt – modern craft“, die von morgen an im Rahmen der Europäischen Tage des Kunsthandwerks in der Villa Elisabeth stattfindet, gehört dazu. Mehr als 40 Künstler stellen sich vor. Auch Rainer Wiencke wird mit seinen Horn-Colliers, Muschel-Ohrringen sowie Ringen mit Mondsteinen und Smaragden dabei sein. „Wir wollen das Kunsthandwerk wieder aus einer Nische holen“, sagt der Designer. Ziel des Berufsverbands ist es, eine Plattform zu schaffen, auf der sich alle Mitglieder gemeinsam präsentieren und eine engere Zusammenarbeit mit der Berliner Handwerkskammer aufbauen können.

Aus diesem Grund sind auf der „Echt“ Designer aus ganz unterschiedlichen Bereichen vertreten. Von Unikaten bis hin zu kleinen Serien: Allen Produkten ist der hohe handwerkliche Anspruch gemein. Das heißt aber nicht, dass bei der Ausführung nur alte Techniken zum Einsatz kommen; auch Neues wird ausprobiert. Wie bei der Hutmacherin Nada Quenzel, die auf sehr alten Holzformen moderne Modelle kreiert. Für das Experimentieren nimmt sie sich Zeit, hat schon Hüte aus leichtem Stroh oder gedrehtem Papier gestaltet. Für ihre aktuelle Herbst/Winter-Kollektion verwendete Nada Quenzel Haarfilz-Velours und Melusine. Kreative Impulse hole sie sich meist auf der Straße direkt vor ihrem Berliner Atelier, sagt sie. Einige außergewöhnliche Kreationen konnte die Designerin auch in Pariser Traditionsateliers ergattern.

Die Entwicklung geht oft über Jahre hinweg

Einem sehr speziellen Werkstoff widmet sich Ulrike Hamm. Die gelernte Gold- und Silberschmiedin, Jahrgang 1962, produziert echtes Pergament. 2014 eröffnete sie ihre eigene Werkstatt in Berlin. „Pergament ist kein Werkstoff von der Stange, der genormt geliefert wird. Es ist störrisch und unberechenbar“, sagt sie und schwärmt zugleich von den ungeahnten Gestaltungsmöglichkeiten. Es sei ein Material, das erobert werden wolle. Das gelingt Hamm hervorragend. In vielen kleinen Herstellungsschritten wie Trocknen, Färben und Goldschmieden lässt sie anmutige Formen entstehen.

Die Fertigung ist oft nur die letzte Etappe im Schaffensprozess. „Die eigentliche Entwicklung geht über Jahre hinweg“, sagt Rainer Wiencke, der schon seit 30 Jahren als Schmuckdesigner arbeitet. In der Zeit konnte er beobachten, wie alte Trends aufleben. „Als ich angefangen habe, hätte man einen Amethyst in Lila nicht verarbeiten können, weil er ein totaler ,Oma-Stein‘ war“, sagt er. Heute ist die Farbe wieder attraktiv und wird nachgefragt. Weil der Schmuck in Deutschland zu den hiesigen Bedingungen gefertigt wird, hat er natürlich seinen Preis. Bleibt aber bezahlbar, versichert Wiencke.

Villa Elisabeth, Invalidenstraße 3, Berlin-Mitte. 23. März: 12 bis 20 Uhr, 24./25. März: 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei, mehr unter www.akbb.de

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