• Fachtagung zur Zukunft der Wohunungsnotfallhilfe: Notplätze für Wohnungslose gesucht

Fachtagung zur Zukunft der Wohunungsnotfallhilfe : Notplätze für Wohnungslose gesucht

Die Übernachtungsplätze für Menschen in Not müssen ausgebaut werden. Doch wer finanziert das? Experten fordern eine gesamtstädtische Steuerung.

In Berlin sollen die Kapazitäten für Notunterkünfte ausgebaut werden.
In Berlin sollen die Kapazitäten für Notunterkünfte ausgebaut werden.Foto: dpa

In einigen Punkten waren sich die Teilnehmer der Fachtagung zur Zukunft der Wohnungsnotfallhilfe am Freitag im Abgeordnetenhaus einig: Die Übernachtungsplätze für Menschen in Not müssen ausgebaut werden, Zwangsräumungen von Haushalten mit Kindern ohne Ersatzwohnraum darf es nicht geben, und für Härtefälle soll es eine Servicestelle geben. Nicht nur Alleinstehende, sondern immer mehr Familien mit Kindern stehen in Berlin auf der Straße, weil sie ihre Wohnung verlieren und auf die Schnelle keine neue finden. Obdachloseneinrichtungen sind auf ihre Bedürfnisse nicht ausgelegt.

In Berlin werden die Kapazitäten an Notübernachtungen für Familien ausgebaut auf bis zu 100 Plätze. Der Senat finanziert seit 2016 eine Notübernachtung des Diakonischen Werkes Berlin Stadtmitte mit 30 Plätzen. Und in Reinickendorf hat das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk (EJF) eine Notübernachtung für Familien mit Kindern eingerichtet, die wohnungslos sind oder denen der Verlust der Wohnung droht.

Die „EJF-Notübernachtung für wohnungslose Familien Am Bärensprung“ in Reinickendorf hat im Mai die Arbeit aufgenommen. Sie bietet 44 Notschlafplätze und Betreuung rund um die Uhr im Diakoniezentrum Heiligensee. Mitfinanziert wird das Projekt durch die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie.

Bezirke sollen für 600 weitere Plätze aufkommen

Für Kinder und Jugendliche in akuten Notsituationen stehen im Berliner Notdienst Kinderschutz 39 Plätze und in weiteren Kriseneinrichtungen zirka 300 Krisenplätze zur Verfügung. Die Unterbringung mit Haustieren ist nur in der Einrichtung „Sleep in“ möglich.

Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) sagte, das Land würde 600 Plätze der Kältehilfe ganzjährig finanzieren, wenn die Bezirke für die weiteren 600 Plätze aufkommen würden. Der stellvertretende Bürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, Knut Mildner-Spindler (Linke), wies auf die Not der Bezirke hin und forderte eine gesamtstädtische Steuerung der Wohnungsnotfallhilfe. In seinem Bezirk entsteht zwischen Berghain und Comeniusplatz das Obdachlosenheim „Panorama Ost“ mit 90 Plätzen für Wohnungslose.

In verschiedenen Etagen sollen unterschiedliche Zielgruppen untergebracht werden. Mildner-Spindler kündigte eine Informationsveranstaltung am Mittwoch, 19. Juni, von 19 bis 21 Uhr in der Mehrzweckhalle des Dathe-Gymnasiums, Helsingforser Straße 11-13, an.

Breitenbach wies auf eine besondere Problematik hin: „Berlin benötigt reine Notunterkünfte nur für Frauen.“ Davon gibt es bisher nur sehr wenige. Auch darüber wird auf der dritten Strategiekonferenz zur Wohnungslosigkeit am 28. Oktober gesprochen werden.

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