Fallstricke des Alltags : Null Promille - warum ist das so schwer zu verstehen?

Immer wieder sonntags fragen Sie Elisabeth Binder. Unsere Kolumnistin über eine Alkoholpause und dämliche Kommentare.

Prickelnd. Eine Alkoholpause kann wohltuend sein.
Prickelnd. Eine Alkoholpause kann wohltuend sein.Foto: picture alliance / dpa

Bei der Dinner-Party einer guten Freundin floss reichlich Alkohol. Immer wieder wurden Sekt, Wein und Bier großzügig nachgeschenkt. Nun wollte ich eigentlich mal eine kleine Pause einlegen und bat um Sprudelwasser oder ein anderes Getränk ohne Alkohol. Die Reaktionen waren verständnislos, so nach der Art „Stell dich doch nicht so an, du bist doch sonst nicht so.“ Wird man zur Spaßbremse, wenn man den Alkohol ablehnt?

Zur Spaßbremse wird man nur, wenn man sich komplett humorlos verhält. Lustig sein kann man aber auch ohne Promille, eventuell funktioniert das sogar besser, weil Alkohol oft müde und schläfrig macht, während Vitamine, wie sie in guten Säften enthalten sind, aufmuntern. Viele Menschen legen gelegentlich, meist einmal im Jahr, eine Alkoholpause ein. Dem Körper tut das sicher gut, dem Verstand wohl auch. Also lassen Sie sich nicht irritieren. Es mag zwar gut gemeint sein von der Gastgeberin, Sie zum Genuss von geistigen Getränken aufzufordern. Gleichzeitig ist es aber auch ein bisschen altmodisch. Was früher als gastfreundlich galt, kann heute leicht als Nötigung empfunden werden.

"... Mangel an Sensibilität."

Wenn man zum Dinner einlädt, sollte man immer auch alkoholfreie Getränke vorrätig haben, zum Beispiel Wasser mit oder ohne Sprudel. Auch Getränke, die äußerlich dem angebotenen Alkohol ähneln, also Apfelsaftschorle, Traubensaft oder auch alkoholfreies Bier bieten sich an. Es ist in jedem Fall richtig und freundlich, auf die Wünsche der Gäste einzugehen. Offenbart jemand großen Durst auf Wein, kann man ihm ruhig immer wieder nachschenken, ganz bestimmt, solange man den Eindruck hat, dass er das gut verträgt. Sagt aber jemand ausdrücklich, er wolle lieber auf Alkohol verzichten, dann ist es kein Zeichen von Großzügigkeit, ihm Wein oder Bier oder gar Schnaps aufzudrängen, sondern ein Mangel an Sensibilität.

Lange Diskussionen machen die Sache eher peinlich. Gutes tut man einem anderen Menschen, indem man möglichst stillschweigend seine Wünsche erfüllt und ihn nicht in die Projektion eigener Vorstellungen zwängt.

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