Familie : In guter Gesellschaft

Viele Mütter machen sich selbstständig, um besser Job und Familie zu vereinbaren. Ein Internet-Portal vernetzt sie miteinander.

Simone Bergholz
Mit Mama am Schreibtisch. Wer fest angestellt ist, hat nicht unbedingt die Möglichkeit, sein Kind mit zum Arbeitsplatz zu nehmen, wenn die Kita geschlossen ist. Auch deshalb gründen viele Mütter eine eigene Firma.
Mit Mama am Schreibtisch. Wer fest angestellt ist, hat nicht unbedingt die Möglichkeit, sein Kind mit zum Arbeitsplatz zu nehmen,...Foto: Getty Images/iStockphoto

Mütter haben nicht selten nach der Rückkehr aus der Elternzeit in den Job Probleme: Sie werden dort als „unflexibel“ eingestuft. Sie stellen fest, dass sich Familie und Beruf nicht optimal vereinbaren lassen. Nicht wenige kündigen deshalb ihren Job und gründen ein eigenes Unternehmen, um flexiblere Arbeitszeiten zu haben. Und auf einmal müssen sie sich ganz allein um einen Businessplan, die Kranken-, Renten und Sozialversicherung, eine eigene Website, die Buchhaltung und Mitarbeiter kümmern.

„Niemand sagt, dass man es als selbstständige Mutter leicht haben wird, beruflich erfolgreich zu sein. Da tut es gut, wenn man das Gefühl hat, nicht allein zu sein und sieht, dass viele Frauen ähnliche Probleme haben“, sagt Esther Eisenhardt, Mutter von zwei Töchtern im Alter von zehn und zwölf Jahren. Die heute 46-Jährige gab 2011 ihr gut bezahltes Angestelltenverhältnis auf, da es mit „viel Fahrerei und Hetzerei“ verbunden war. Doch ihr erstes Geschäftsmodell als Selbstständige scheiterte.

Das erste Treffen fand in Berlin statt

Daraufhin kam sie auf die Idee, eine Internetplattform zu gründen, die sich an Frauen wie sie richtet: Mütter, die sich selbständig machen. Vor drei Jahren gründete sie das Online-Netzwerk „MomPreneurs“. Das Wort gab es schon, eine Kombination aus dem englischen „Mom“ und dem französischen Wort für Unternehmer „Entrepreneur“, Esther Eisenhardt ließ es sich als Marke registrieren. Gleichzeitig gründete sie auch die erste „MomPreneurs Meetup Gruppe“ in Berlin. Denn die Mütter sollten sich auch außerhalb der virtuellen Welt vernetzen.  Inzwischen finden in zehn Großstädten regelmäßig solche lokalen Treffen in zentraler Lage statt. Oft werden bei den Treffen auch Vorträge angeboten, zum Beispiel: „Arbeitet meine Website für mich?“.

Gründerin. Esther Eisenhardt rief die Plattform „MomPreneurs“ ins Leben.
Gründerin. Esther Eisenhardt rief die Plattform „MomPreneurs“ ins Leben.Foto: promo

Das Netzwerk „MomPreneurs“ solle selbstständige Mütter „unterstützen, sie inspirieren und mit den wichtigsten Business-Tipps und -Tools versorgen“, eben genau jenes „Gefühl, nicht allein zu sein“ vermitteln, sagt Esther Eisenhardt. Rund 15 000 bis 20 000 Mütter habe sie schon erreicht. Wie viele es genau sind, weiß sie nicht, denn es gibt keine feste Mitgliedschaft.

Als äußerst schädlich für Gründerinnen mit Kindern empfindet Eisenhardt ein falsches Umfeld, wo sich selbstständige Mütter ständig dafür rechtfertigen müssten, wie sie das eigentlich alles schaffen wollten. „Ich bin davon überzeugt, dass Mütter eine der meist unterschätzten Ressourcen in der heutigen Wirtschafts- und Unternehmerwelt sind“, sagt sie. Viele Mütter hätten besonders kreative, innovative Ideen und würden darauf brennen, sie auch in die Tat umzusetzen. „Es kommt darauf an, dass wir Unternehmerinnen uns noch mehr gegenseitig unterstützen, zum Beispiel bei der Vergabe eines Auftrages.“ Im Business-Verzeichnis des Portals können sich deshalb Selbstständige aus ganz Deutschland präsentieren und damit wiederum von anderen Unternehmerinnen. die einen Auftrag zu vergeben haben, schnell gefunden werden.

Es gibt Angebote zu einem Gruppencoaching

Unternehmerinnen, die in manchen Dingen unentschlossen sind oder bei bestimmten Themen Nachholbedarf haben, können von den so genannten Mastermind-Angeboten profitieren, das ist eine Art Gruppencoaching. Dabei treffen sich kleine Gruppen über einen längeren Zeitraum in regelmäßigen Abständen und erarbeiten Schritt für Schritt die Erfolgs-Strategie, die jede einzelne Teilnehmerin individuell für sich und ihr Unternehmen benötigt. Dabei wird individuell auf das Firmenmodell, die Persönlichkeit der Gründerin und ihre speziellen Ziele geachtet. Eine Voraussetzung für jede Teilnehmerin sei die ernsthafte Absicht, das eigene Unternehmen voranzubringen, sagt Eisenhardt. Die „Masterminds“ sind kostenpflichtig.

Ein wichtiges Bestandteil des Konzepts ist eine geschlossene Facebook-Gruppe, die mittlerweile knapp 8 500 Mitglieder hat. „Hier sollen sich Mütter kennenlernen und austauschen“, sagt Eisenhardt. „Es geht vor allem darum, dem Gefühl vom Alleinsein entgegen zu wirken, sich gegenseitig zu unterstützen, Mut zu machen, Meinungen auszutauschen sowie Tipps und Wissen weiter zu geben.“ Zusätzlich gibt es kleinere lokale Facebookgruppen. In der Facebook-Gruppe wird regelmäßig das Schwarmwissen bemüht. Immer wieder tauchen Fachfragen auf: „Kann jemand Tools zur Terminbuchung empfehlen?“, „Wie habt ihr euer Logo kostengünstig und kreativ entwickelt?“ oder „Kann mir jemand ein Programm oder eine Webseite empfehlen, mit der ich ein Interview aufnehmen und nachher per Link verschicken kann?“

Eine Unternehmerin fragte beispielsweise in der Gruppe: „Was waren eure größten (finanziellen) Herausforderungen oder Schwierigkeiten nach der Elternzeit wieder in den selbstständigen Job einzusteigen?“ Es antworteten andere Frauen: „Ich hatte oft wenig Zeit und zu wenig Energie“, „Die Kinderbetreuung ist teuer, also muss ich meine verfügbare Arbeitszeit optimal nutzen“ und „Zu wenige Stellen im Teilzeitbereich in meiner Branche. Wenn man die Kinder nicht Vollzeit von Fremden betreuen lassen will, bleibt einem nur die Arbeit als Freelancer von zu Hause!“

Es geht um Krankenkassen, Elterngeld - und Kleider

Die Themen, die diskutiert werden, sind höchst unterschiedlich: Da fragt eine nach Details zum Elterngeld für Selbstständige und eine andere, ob jemand Erfahrungen mit einer Stilberatung gemacht habe, weil sie nach vier Schwangerschaften nicht mehr sicher sei, welche Kleidung ihr stünde. Beide Themen werden gleichermaßen sachlich und freundlich kommentiert. Themen wie günstige Krankenkassen, Rentenversicherung und Steuern sind in regelmäßigen Abständen vertreten. Außerdem gibt es für die Mitglieder jede Woche die Möglichkeit, ihre eigene Webseite, Blogs, Aktionen und Gesuche jeglicher Art in die Kommentare zu schreiben und andere zu „liken“. Regelmäßig rufen Posts zur Interaktion auf: „Dein Wochen-Ziel ist?“, „Marketing-Montag“, „Blog-Tag“ und „suchen und finden“. Dabei können Kommentare rund um das Thema Jobs, Mitarbeiter, Mitgründer, Experten und Kooperationspartner „gepostet“ und „geliked“ werden.

Für Esther Eisenhardt sind alle Mitglieder Multiplikatorinnen. Und die jährlich steigende Mitgliederzahl bestätige sie darin, dass sie die richtigen Themen bespielt, die selbstständigen Müttern in allen Phasen ihrer Unternehmerschaft begegnen und ihnen auf der „Seele brennen“. „Ich habe beobachtet, dass es vielen Frauen schwerfällt, sich zu fokussieren, sich zu verkaufen oder Geld für ihre Leistung zu verlangen“, sagt sie. „Andere verharren zu lange in ihrem traditionellen Muster, weil sie der Meinung sind, sie müssten erst dutzende Bücher gelesen haben, bevor sie überhaupt arbeiten könnten. Meine Empfehlung für jene ist, schneller ins Machen zu kommen, und dabei weniger perfektionistisch zu sein.“

Esther Eisenhardt Plan, durch die Selbstständgkeit flexibler zu werden hat bestens geklappt – inzwischen kann sie sich sogar aussuchen, in welchem Land sie arbeiten möchte: Im Spätsommer 2017 wanderte sie mit ihrer Familie nach Lissabon aus. „In meinem Fall spielt es keine Rolle, wo ich lebe. Denn das Online-Business gibt mir die Freiheit, ortsunabhängig zu arbeiten.“

Infos unter: https://mompreneurs.de

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