Familien-Kolumne zum Homeoffice : Wenn Kinder plötzlich „in einem Call“ sind

„Ich bin in einem Call, Mama.“ Wenn die Tochter plötzlich die eigene Homeoffice-Sprache übernimmt, ist es Zeit für eine Flucht in die Natur.

Im Park Babelsberg kann man auch mit Kindern wunderbar radeln - mit Wasserblick und Schloß.
Im Park Babelsberg kann man auch mit Kindern wunderbar radeln - mit Wasserblick und Schloß.Foto: Privat

In der Hochphase der Coronazeit, während des Schul-Shutdowns, stand meine Tochter (10) mit dem Handy am Ohr in ihrem Zimmer. Sie drehte sich kurz zu mir um, als ich hereinkam und sagte mit leicht genervtem Ton: „Ich kann jetzt nicht Mama, ich bin in einem Call.“

Aha, dachte ich. Mein Homeoffice hat Spuren hinterlassen. Den „Call“ hielt sie per Videochat mit ihren Freundinnen aus der Klasse.

So lustig es war, dass mein Mädchen die eingespielten Verhaltensweisen meiner neuen Homeoffice-Existenz annahm – irgendwie war es auch rührend zu sehen, wie die Kinder über die Chat-Funktionen versuchten, sich wenigstens ein bisschen zu sehen und den Kontakt zu halten. Was für eine verrückte Zeit!

Die Digitalisierung zog also schnell bei uns ein. Leider weniger in der Schule und im Unterricht meiner Tochter, dafür mehr privat.

Eigentlich war das Smartphone, das sie voriges Jahr bekommen hatte, für wichtige Nachrichten gedacht und um telefonisch erreichbar zu sein, weil sie nun allein zur Schule und zurück fuhr.

Wir müssen raus in die Natur - mit dem Rad

Schon nach kurzer Zeit wurden daraus aber Whatsapp-Mitteilungen wie: „Bin gleich da. Darf ich was Süßes?“ Oder: „Was gibt es bei uns zum Abendbrot? Ich kann auch bei Franzi essen, je nachdem, was es bei uns gibt.“ Jetzt erreicht mich oft nachmittags nur das Tür-Emoji auf meinem Handy. Mein Kind möchte, dass ich öffne, damit es nicht nach dem Schlüssel kramen muss. 

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Neuerdings postet sie auf ihrem Whatsapp-Profil verschiedene Status (Bevor jetzt irgendwer Schnappatmung bekommt: Der Plural heißt nicht Stati, sondern auch Status!), wie etwa: „Schickt mir Eure Profilbilder, und ich bewerte sie (ich mach auch nicht streng)“. Aufhalten werde ich diesen Beginn der Social-Media-Aktivitäten nicht, aber wenn wir schon Corona vorm Balkon haben, dachte ich mir, müssen wir jede Gelegenheit nutzen, um ins „richtige Leben“ rauszukommen – in die Natur. Mit dem Rad.

Die Tochter darf die Tour per App planen und uns lotsen

Um das Ganze etwas spannender zu gestalten, kaufte ich nicht nur für mein neues Fahrrad eine Hinterradtasche, sondern auch meinem Mädchen zwei kleine Fahrradtaschen für ihren Gepäckträger. Wir packten sie mit Proviant und Schwimmzeug voll und suchten uns schöne Touren heraus. 

Als Motivation kam mir die Digitalisierung wieder gut zu pass: Wir mögen die Fahrrad-App Komoot. Meine Tochter darf unsere avisierte Tour auf der App planen und sogar per Halterung am Lenker das Handy befestigen und uns lotsen.

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Kürzlich sind wir nach Zehlendorf, weiter nach Kleinmachnow, dort ein paar Stunden ins tolle Schwimmbad, über Stahnsdorf nach Babelsberg und von dort Richtung Wannsee.

Ich gebe zu: Auf der langen Königstraße bekam das Kind schlechte Laune. Zurück nahmen wir mit den Rädern die S-Bahn. Daheim fiel mein Mädchen erschöpft ins Bett und seufzte: „Das war ein schöner und, wie sagt man, ereignisreicher Tag, Mama.“ Schwupps, war sie eingeschlafen.

Tipp: Das Freibad Kiebitzberge in der Fontanestraße 30 in Kleinmachnow ist empfehlenswert. Von dort kann man per Rad wunderbar in den Park Babelsberg radeln (Unesco-Weltkulturerbe).

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