• „Fast schon bewusst infiziert“: Stephan von Dassel steht wegen Coronavirus-Infektion in der Kritik

„Fast schon bewusst infiziert“ : Stephan von Dassel steht wegen Coronavirus-Infektion in der Kritik

Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Eine Äußerung im RBB brachte ihm Kritik ein. So verteidigt er sich.

Sigrid Kneist
Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne).
Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne).Foto: dpa/Jörg Carstensen

Seit über zwei Wochen befindet sich Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) in häuslicher Quarantäne, viele Tage davon sei es ihm schlecht gegangen: Kopfschmerzen, Husten, Fieber, Druck auf dem Brustkorb – die Symptome einer Covid-19-Erkrankung. Angesteckt hatte er sich bei seiner Freundin, die sich in der Schweiz mit dem Coronavirus infiziert hatte.

Gegenüber dem RBB sagte von Dassel, dass er sich "fast schon bewusst infiziert" habe, weil er seine Freundin nicht in der Quarantäne allein lassen habe wollen. Diese Äußerung bringt ihm nun Kritik ein.

"Absolut verantwortungslos", nennt die CDU Mitte das Verhalten Stephan von Dassels in einer Pressemitteilung. "Ein Bezirksbürgermeister muss gerade in der Krise zu 100 Prozent Vorbild für die Menschen im Bezirk sein (...) Mit der bewussten Infizierung verharmlost der Bezirksbürgermeister die Gefahr."

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Der CDU-Abgeordnete Sven Rissmann fordert nun sogar, ein Disziplinarverfahren. "Ein Bezirksbürgermeister muss gerade in der Krise handlungsfähig und für die Allgemeinheit da sein (...) Hier ist die Bezirksaufsicht gefordert. Der Senat hat unverzüglich ein Disziplinarverfahren gegen Herrn von Dassel einzuleiten", schreibt er am Mittwoch in einem Facebook-Post.

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Gegenüber dem Tagesspiegel verteidigte der Bezirksbürgermeister sein Verhalten. Seine Freundin habe schon Krankheitssymptome gehabt, als sie positiv auf das Virus getestet wurde. In der gemeinsamen Wohnung sei es kaum möglich gewesen, sich räumlich zu separieren. Deshalb habe er sich bewusst dazu entschieden, sich mit seiner Freundin in häusliche Quarantäne zu begeben. Zu diesem Zeitpunkt sei auch nicht ausgeschlossen gewesen, dass er sich bereits angesteckt habe. Nur drei Tage später habe er Symptome gezeigt.

"Die Ansteckung mit dem Covid-19-Virus war nicht freiwillig, sondern zwangsläufig", teilte Stephan von Dassel außerdem am Mittwoch in einer Pressemitteilung mit. Weder er noch seine Freundin hätten einen zweiten Wohnsitz. Der Umzug ins Hotel oder zu Freunden sei weder ihr als Infizierte noch ihm als Verdachtsfall zu diesem Zeitpunkt erlaubt gewesen. Seine Äußerung gegenüber dem RBB nennt von Dassel in einem Tweet "missverständlich".

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Nun hofft der Bezirksbürgermeister, dass er noch diese Woche wieder ins Büro kann. „Ich bin jetzt symptomfrei“, sagte er auf Nachfrage des Tagesspiegels. Am Dienstag sei er getestet worden und hoffe jetzt auf ein negatives Ergebnis.

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