• Fehlende Ausstattung im Gesundheitsministerium: Nur wenige Brandenburger Krisenmanager arbeiten im Homeoffice

Fehlende Ausstattung im Gesundheitsministerium : Nur wenige Brandenburger Krisenmanager arbeiten im Homeoffice

„Eine historische Altlast“ – Brandenburgs Gesundheitsministerin Nonnemacher bestätigt, dass nur wenige der rund 200 Ministeriumsangehörigen zu Hause arbeiten.

Ursula Nonnemacher (Grüne), Ministerin für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz in Brandenburg.
Ursula Nonnemacher (Grüne), Ministerin für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz in Brandenburg.Foto: Soeren Stache/dpa

In Brandenburg ist in der Coronavirus-Krise ausgerechnet das Gesundheitsministerium, das die zentrale Rolle im Krisenmanagement spielt, selbst am wenigsten geschützt. In dem Ressort, das die Brandenburger auf Sicherheitsabstand trimmt, arbeiten von den rund zweihundert Mitarbeitern bisher nur wenige im Homeoffice.

Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) bestätigte dem Tagesspiegel, dass das die aktuelle Lage im Haus ist. Die lässt sich nach ihren Worten aber nicht kurzfristig ändern, ohne das Krisenmanagement des Landes zu beeinträchtigen. „Das kann man beklagen oder bedauern. Das ist die Realität, mit der wir verantwortungsbewusst umgehen.“

Die Gründe? Zum einen fehlt es nach ihren Worten an der technischen Ausstattung für umfangreiche Heimarbeit. „Wir haben bestellt, wir hoffen, dass wir weiterkommen“, sagte Nonnemacher. „Das ist eine historische Altlast.“

Das Ministerium unterscheide sich da auch von anderen Ressorts. Zum anderen stehe es gerade jetzt „an vorderster Stelle“, sei etwa das Backoffice für den Krisenstab des Landes, müsse oft sofort reagieren – ob bei Bestellungen für Krankenhäuser oder Begleitung von Bundesmaßnahmen.

„Es ist eine Gesundheitskrise“, sagte Nonnemacher. „Wir müssen extrem disponibel sein. Wenn alle im Homeoffice sind, ist das nicht so ohne Weiteres möglich!“ Mitarbeiter, die etwa zu Risikogruppen gehören, seien selbstverständlich in Heimarbeit.

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Gleichwohl gibt es Unruhe im Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz (MSGIV). Es sei „unverständlich, warum das MSGIV die Vor-Ort-Präsenz und etwaige Zusammenkünfte, auch im kleinen Kreis, nicht auf das zwingend Notwendige beschränkt“, heißt es in einem Mitarbeiterbrief des Personalrates. „Viele Beschäftigte nehmen das als fehlende Fürsorge wahr, zumal immer mehr Behörden und Unternehmen für ihre Beschäftigten vorsorglich flächendeckend Homeoffice anordnen; dies gilt auch für andere Ressorts der Landesregierung.“

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Der Personalrat unterstützt demnach zwar „ausdrücklich den Willen der Hausleitung, die Handlungs- und Arbeitsfähigkeit des MSGIV als federführendes Ressort in der aktuellen Krise zu gewährleisten.“

Gleichwohl folgt der Appell an die Hausspitze, dass für alle, „die nicht unbedingt vor Ort benötigt werden“, doch Homeoffice vorgesehen wird. Etwa durch „flexible Möglichkeiten“ für Mitarbeiter, „die bisher dafür keine Technik haben.“ Auch solle geprüft werden, „ob weitere Laptops ... bereitgestellt werden können.“

Und wie schützt sich bis dahin das Gesundheitsministerium, damit es nicht selbst womöglich lahmgelegt wird? „Wir beachten alle Hygieneregeln“, sagte Nonnemacher. Beratungen fänden in größeren Räumen statt, in möglichst kleiner Besetzung, lockerer Sitzordnung, „mit Mindestabstand.“

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