Fest zum 1. Mai in Kreuzberg : Das Myfest könnte kleiner werden

Immer lauter und dreckiger: Anwohner beschweren sich seit langem über das Myfest - jetzt befragt sie der Bezirk. Der Berliner Marketingchef ist besorgt.

Dichtes Treiben: Das Myfest wurden in den vergangenen Jahren immer beliebter.
Dichtes Treiben: Das Myfest wurden in den vergangenen Jahren immer beliebter.Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Das Kreuzberger Myfest könnte 2019 kleiner werden als in den vergangenen Jahren. Nachdem es in der Vergangenheit immer mehr Beschwerden von Anwohnern wegen steigender Müll- und Lärmbelästigung gegeben hatte, will der Bezirk nun mit einer Umfrage die Stimmung im Kiez herausfinden. Einem BVV-Beschluss folgend wurden dafür 5000 Fragebögen an Anwohner und Gewerbetreibende versendet.

„Mit dieser Befragung möchten wir ein repräsentatives Ergebnis über die Erfahrungen und Einschätzungen der Betroffenen zu den Feierlichkeiten am 1. Mai in Kreuzberg“, sagt Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann.

"Das Myfest ist schon lange kein kleines Anwohnerfest mehr"

Die Grünen-Politikerin stellt dabei den eigentlichen Sinn des Festes infrage. Nachdem es am 1. Mai in Kreuzberg immer wieder zu Gewaltexzessen gekommen war, hatten Anwohner, Politik und Gewerbetreibende gemeinsam das Myfest entwickelt, um potenzielle Gewalttäter aus dem Kiez herauszuhalten. „Das Myfest ist schon lange kein kleines Anwohnerfest, sondern wird immer exponierter“, sagt Herrmann. Tatsächlich wurde wegen des Besucherandrangs im vergangenen Jahr erstmals auch der Görlitzer Park als Festgelände aufgenommen. „Die Menschen, die seit 15 Jahren darunter leiden, haben ein Recht, gehört zu werden.“ Die Ergebnisse will Herrmann „sehr ernst“ nehmen, eine Verkleinerung sei möglich. Dass es dadurch wieder zu mehr Gewalt kommen könnte, hält sie für unwahrscheinlich.

Kurt Wansner sieht das anders. Der CDU-Politiker im Abgeordnetenhaus ist Kreuzberger und hält das Myfest für ein Bollwerk gegen gewaltbereite Demonstranten. „Ich hoffe, dass der Bezirk nicht die Straßen für Gewaltexzesse frei macht“, sagt der 71-Jährige, der ursprünglich gegen das Fest gewesen war.

CDU fordert mehr Toiletten

Handlungsbedarf sieht aber auch Wansner: „So wie es zurzeit läuft, ist es für die Anwohner eine Zumutung.“ Er selbst sei in den vergangenen Jahren immer wieder von hilflosen Anwohnern angerufen worden, weil viele Feiernde in den Hinterhöfen uriniert hätten. „Wir brauchen weit mehr Toiletten“, sagt Wansner. Auch das Verbot zum Verkauf von Glasflaschen sei nicht konsequent genug umgesetzt worden, dafür macht der CDU-Politiker auch den Bezirk verantwortlich. Er fordert, dass sich Bezirk und Innenverwaltung nun an die Planung für 2019 machen. „Eine Abschaffung des Myfests will ich nicht.“

Sollte das Myfest abgeschafft werden, würde Burkhard Kieker das sehr bedauern. Der Chef der Berliner Marketingbehörde Visit Berlin beobachtet angesichts der Absagen des Kunstprojekts Dau und dem Google-Campus die Entwicklung mit Sorge. „Es gibt bestimmte Gruppen in Berlin, die biedermeierliche Vorstellungen haben und mit der Entwicklung Berlins zur Metropole nicht zurechtkommen“, sagt Kieker. Als Stadt, findet er, könne man sich das nicht leisten.

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