Feuer in Brandenburg : War es Brandstiftung?

Der Großbrand bei Treuenbrietzen könnte durch Brandstiftung verursacht worden sein. Er soll an mehreren Stellen zugleich ausgebrochen sein.

Marion Kaufmann
Die Feuerwehr versucht einen brennenden Wald nahe Klausdorf zu löschen.
Die Feuerwehr versucht einen brennenden Wald nahe Klausdorf zu löschen.Foto: dpa/Patrick Pleul

Der Großbrand bei Treuenbrietzen ist möglicherweise auf Brandstiftung zurückzuführen – das zumindest vermutet Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD). Das Feuer sei an mehreren Stellen gleichzeitig ausgebrochen, sagte Schröter am Freitag. Das lasse die Vermutung zu, dass es sich um Brandstiftung handele. Die Untersuchungen dazu seien aber noch nicht abgeschlossen.

Hunderte Feuerwehrleute werden auch an diesem Wochenende noch Glutnester und Nachbrände südlich von Berlin bekämpfen. Unterdessen wird bundesweit über den Kauf von Löschflugzeugen gesprochen. Angesichts der heftigen Waldbrände in Brandenburg häufen sich entsprechende Forderungen. Der Präsident des Technischen Hilfswerks (THW), Albrecht Broemme, sagte am Freitag: „Ich gehe davon aus, dass wir auch in Deutschland den Einsatz von Löschflugzeugen brauchen.“ Er favorisiere eine europaweite Abstimmung. Auch FDP und AfD forderten Löschflugzeuge, die es nicht gibt, weil die Maschinen zum Betanken auf dem Wasser landen, die deutschen Seen aber bislang als zu klein dafür eingestuft wurden. Allein in Brandenburg gab es dieses Jahr mehr als 400 Waldbrände – das am Freitag tobende Feuer um Treuenbrietzen in Südbrandenburg ist dabei wohl das größte.

Mehr als 600 Feuerwehrleuten gelang es, diesen Brand einzudämmen. „Weite Teile sind unter Kontrolle“, sagte Schröter. Wenn der Wind so bleibe, sehe er gute Chancen, dass das Feuer bald gelöscht werde. Rund 500 Männer, Frauen und Kinder hatten ihre Häuser vor der Nacht verlassen müssen und kamen bei Freunden, Angehörigen oder einer Notunterkunft unter. Betroffen waren Frohnsdorf, Klausdorf und Tiefenbrunnen. Zumindest die Bewohner aus Frohnsdorf konnten zurückkehren. In der Region brannten auf einer Fläche von mehr als 400 Hektar Bäume, Wiesen und Büsche. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) fiel nur wenig Regen. Die Kräfte sind auf Löschflüge durch Hubschrauber der Bundeswehr und Wasserwerfer der Bundespolizei angewiesen.

Der Einsatz kann noch Tage lang andauern

Noch während des Löscheinsatzes meldeten Helfer aus dem nahen Jüterbog neue Feuer. Dort brannte die Vegetation auf dem einstigen Truppenübungsplatz. Bisher habe man alle Häuser schützen können, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), die Ursache des Brandes sei unklar. Woidke zufolge werde der Einsatz noch dauern: „Es kann sich um Tage handeln.“ Der Bürgermeister von Treuenbrietzen Michael Knape sagte: „Wir haben schon einige große Waldbrände in der Region gehabt. In dieser Dimension, wo es sich zwischen den Ortschaften bewegt, haben wir das noch nicht gehabt.“ Erschwerend kommen Munitionsreste, die im Wald liegen, hinzu. Feuerwehrleute können sich kaum gefahrlos bewegen. Das Feuer wirkte sich auch auf den regionalen Bahnverkehr aus. Teilweise sei sogar der Ersatzverkehr wegen gesperrter Straßen eingeschränkt, teilte die Ostdeutsche Eisenbahn mit.

Wind hatte den Rauch nachts bis nach Berlin getragen – dem Tagesspiegel berichteten Anwohner aus dem Südwesten der Stadt von Rußpartikeln in der Luft. Am Freitagvormittag drehte sich der Wind, der Rauch zog aus der Stadt ab. Dem DWD zufolge kann es in der Nacht zu Samstag aber erneut zu Rauchbelastung in Berlin kommen.

Auch aus der Hauptstadt waren Feuerwehrleute nach Brandenburg gefahren. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagte: „Es ist völlig normal, dass wir in einer solchen Situation unseren Kolleginnen und Kollegen solidarisch mit Hilfe zur Seite stehen.“ Bundesweit gelten freiwillige und hauptamtliche Feuerwehren als zu knapp ausgestattet – sowohl personell als auch materiell. Woidke kündigte Prämien für freiwillige Feuerwehrleute an. In Berlin will Senator Geisel die Personalnot durch Neueinstellungen lindern – wofür derzeit aber Fachleute fehlen.

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