Firma der Woche: Graforce Hydro GmbH : Adlershof trotzt der Dieselkrise

Ein Berliner Start-up will einen Beitrag zur Energiewende liefern. Dafür hat es einen schadstoffarmen Treibstoff entwickelt: E-Gas.

Jim Muelder
Graforce-Gründer Jens Hanke.
Graforce-Gründer Jens Hanke.Foto: dpa

Ganz Berlin fürchtet Dieselfahrverbote? Nein, in Adlershof ist man schon einen Schritt weiter. Denn das Start-up Graforce Hydro GmbH hat dort einen neuen emissionsarmen Kraftstoff entwickelt. Der entsteht in einem einzigartigen Verfahren: Aus Abwasser wird Wasserstoff gewonnen. Vermischt man diesen wiederum mit Biogas, entsteht das günstige E-Gas – ein schadstoffarmer Treibstoff.

In einem sogenannten Plasmalyzer wird zum Beispiel aus Klär- oder Biogasanlagen stammendes Schmutzwasser, das einen hohen Teil an Stickstoffverbindungen enthält, mithilfe eines starken elektrischen Feldes in seine Bestandteile Sauerstoff, Stickstoff und Wasserstoff gespalten. Diese verbinden sich anschließend neu und werden in einer Gasmembran sortiert. Während Stick- und Sauerstoff in die Luft entweichen, wird der gewonnene Wasserstoff anschließend mit Biogas gemischt. Der nun entstandene Treibstoff kann sowohl in Erdgasfahrzeugen der neuesten Generation als auch in nachgerüsteten Benzinern zum Einsatz kommen.

Das Plasmalyse-Verfahren ist nicht nur vollständig klimaneutral, auch das fertige E-Gas kann einen „maßgeblichen Beitrag zu einer erfolgreichen Verkehrswende leisten“, sagt Graforce-Gründer Jens Hanke. So werden die Schadstoffemissionen der Fahrzeuge um 30 bis 60 Prozent reduziert und auch der Stickoxidausstoß sinkt bis zu 60 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen Erdgasfahrzeugen.

Zusammenarbeit als Chance

Der erste Kooperationspartner von Graforce steht bereits fest: Die Berliner Wasserbetriebe wollen zukünftig ihre Fahrzeugflotte mit E-Gas betanken. Dort sieht man noch einen weiteren gewichtigen Vorteil: Als Nebenprodukt des Verfahrens bleibt nämlich kein schädliches Abfallprodukt, sondern lediglich sauberes Wasser übrig. Deshalb sei die Zusammenarbeit „eine Chance für uns“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Berliner Wasserbetriebe, Jörg Simon. Sie biete eine Lösung für das hoch konzentrierte und schwer behandelbare Prozesswasser, das sonst teuer gereinigt werden müsste.

Und auch der Leiter des Projektmanagements erneuerbarer Kraftstoffe bei Audi, Hermann Pengg, meint, die Plasmalyse optimiere die Herstellung von emissionsarmen Kraftstoffen und könne die Wirtschaftlichkeit von Biogasanlagen erhöhen. Auch bei Audi denkt man über einen Einstieg in Adlershof nach.

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