Firma der Woche: TissUse : Der Mensch im Chipkartenformat

Geboren im Wedding. Das „Human-on-a-Chip“-Verfahren soll 70 Prozent aller Tierversuche in der Medikamentenentwicklung ersetzen.

Bei TissUse entsteht ein Multi-Organ-Chip.
Bei TissUse entsteht ein Multi-Organ-Chip.Foto: promo

Den menschlichen Körper auf einem Chip nachbilden, ungefähr so groß wie eine Kreditkarte: Das ist das Ziel von Reyk Horland und seinen Kollegen. Die Forscherinnen und Forscher der Weddinger TissUse GmbH arbeiten an einem „Human-on-a-Chip“, der es ermöglichen soll, zehn Organe gleichzeitig im Labor zu simulieren. Dadurch können neue Substanzen für Medikamente, Kosmetika oder Chemikalien getestet werden - in einem Verfahren, das Tierversuche ersetzen soll.

Die Firma. die als Ausgründung der Technischen Universität Berlin entstand, hat bereits Zwei-, Drei- und Vier-Organ-Chips auf den Markt gebracht. Geschäftsführer ist Uwe Marx. Reyk Horland, zuständig für die Geschäftsentwicklung, erklärt: „Wir entwickeln für unsere Kunden auf unserer Multi-Organ-Chip-Plattform spezifische Testverfahren, mit denen die Stoffe auf ihre Wirksamkeit und potentielle Nebenwirkungen geprüft werden können.“ Die entwickelten Systeme können die Kunden dann in ihren Laboren verwenden, so Horland.

Am Anfang steht die Frage: Welche Kombination von Organen muss für den Stoff, den der Kunde testen will, auf dem Chip abgebildet werden? Das hängt von der jeweiligen Anwendung des Produkts ab.

Prototyp kommt dieses Jahr

Mit ihrer Forschung wollen die Wissenschaftler auch dazu beitragen, Tests an Tieren zu verringern: „Wir glauben, dass wir in Zukunft mit unseren Chips circa 70 Prozent aller Tierversuche in der Medikamentenentwicklung ersetzen können“, sagt Horland.

Und es gibt einen weiteren Grund: „Unser Ziel ist es, mit Hilfe unserer Technologie einen Beitrag zu einer schnelleren und kostengünstigeren Medikamentenentwicklung zu leisten und somit neue Medikamente für uns alle früher zugänglich zu machen.“ Noch 2019 soll der erste Prototyp des „Human-on-a-Chip“ getestet werden. Ein bis zwei Jahre später könnte der Chip dann einsatzbereit sein.

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