Firma der Woche: Berliner Seilfabrik : Ab Berlin geht's spielend hoch hinaus

Berlins vernachlässigt seine Spielplätze. Dabei sitzt einer der Marktführer für Spielgeräte in Reinickendorf und würde der Stadt einen guten Preis machen.

Magdalena Thiele
Nicht nur privat ein gutes Team. David und Julia Köhler leiten die Berliner Seilfabrik.
Nicht nur privat ein gutes Team. David und Julia Köhler leiten die Berliner Seilfabrik.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Die Kletterspinne ist die Königin des Spielplatzes. Die wenigsten wissen, dass ganz besondere Exemplare aus Berlin-Reinickendorf kommen. „Mein Vater sagt immer, die Ideen dafür entwickelt man unter der Dusche“, erzählt David Köhler. Gemeinsam mit seinem Vater Karl Köhler führt er die Geschäfte der Berliner Seilfabrik. Seine Frau Julia Köhler übernimmt Kommunikation und Marketing.

Angefangen mit industrieller Seilherstellung insbesondere für die Auszugsindustrie produziert das Familienunternehmen seit Mitte der neunziger Jahre ausschließlich Spielgeräte – und dafür 700 Kilometer Seil im Jahr. Die Seile, die in der Produktionshalle auf riesigen Garnrollen zu bestaunen sind, eignen sich ganz besonders für Spielgeräte, weil sie so wandelbar sind.

Je nach Belieben formen die Angestellten aus den Materialien mal eine Schiffstakelage, ein Gebirge oder ein Ritterschloss. Außerdem rege das Spielen mit dem Seil verschiedene Fähigkeiten der Kinder an: Durch das Klettern, Schwingen und Balancieren werde neben dem Gleichgewichtssinn auch Kraftentwicklung und Beweglichkeit gefördert.

Janz weit draußen

„Wir haben alles ingesourced“, erklärt Köhler. Von der Planung bis hin zur Wartung geschieht hier alles aus einer Hand. „Wir wollen alle Fähigkeiten im Haus haben. Dadurch, dass wir völlig unabhängig von Zulieferbetrieben sind, können wir unseren Kunden die nötige Qualität und Flexibilität bieten.“

In der Produktionshalle verarbeiten die Mitarbeiter verarbeiten das Seil zu Trapetznetzen für Spielgeräte.
In der Produktionshalle verarbeiten die Mitarbeiter verarbeiten das Seil zu Trapetznetzen für Spielgeräte.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Hauptabnehmer sind öffentliche Einrichtungen, aber auch Privatunternehmen wie Freizeitparks oder Zoos bestellen ihre Spielplatzausstattung hier. 80 Prozent der Aufträge kommen aus dem Ausland. Die Nachfrage ist groß - leider aber nicht in Berlin. „Berlin leistet sich unsere hochwertigen Produkte nur selten. Die Stadt hat in Sachen Spielplätze generell einen extremen Nachholbedarf“, so Köhler. „Die Haushaltslage ist zwar gut, aber Spielplätze werden weiterhin vernachlässigt. Außerdem fehlen natürlich Flächen.“ In anderen Ländern nutzen wir schon oft Dachflächen auf Parkgaragen oder Bürogebäuden, das traut sich Berlin leider auch noch nicht.“

Bisher gibt es deshalb nur in Reinickendorf oder janz weit draußen in Brandenburg eine der beeindruckenden Kletterspinnen zu bestaunen und zu besteigen.

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