Floating University in Berlin : Kreuzberg bekommt Sommer-Hörsaal mit Pool

Im Regensammelbecken des Tempelhofer Feldes entsteht eine temporäre Hochschule für den Kiez. Die "Floating University" will Stadtentwicklung für alle zugänglich machen.

Jakob Pontius
Hörsaal in der Grube: Die Floating University schwebt im Regenwassersammelbecken des Tempelhofer Feldes.
Hörsaal in der Grube: Die Floating University schwebt im Regenwassersammelbecken des Tempelhofer Feldes.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Die Vorlesung beginnt gleich, also schnell noch einen Cocktail holen und in den Pool gleiten. Solche Szenen könnten sich an der Floating University abspielen, einer experimentellen Hochschule mit Pool im Auditorium. Der Hörsaal ist hier eine nach vier Seiten offene Plattform aus Holz und Baugerüststangen, errichtet mitten im Regenwassersammelbecken des Tempelhofer Feldes, vor allem mit Mitteln der Bundeskulturstiftung.

Das Becken liegt in der früheren Pufferzone zwischen Stadt und Flughafen, auf der anderen Seite des Columbiadamms, direkt neben Kleingartenkolonie und Sportplätzen. Hier entsteht eine Pop-up-Hochschule, gebaut vom Architektur-Kollektiv Raumlabor Berlin, das auch den Gedenkort Güterbahnhof Moabit geplant hat. Eine Uni für einen Sommer, an diesem Freitag starten die ersten Workshops. Die Floating University sei ein Ort, um über Stadtentwicklung nachzudenken, um zu experimentieren. Ein Ort für Studierende aus aller Welt – aber vor allem für Berliner, für Kiezbewohner.

So erklärt es Benjamin Foerster-Baldenius, einer der Initiatoren der schwebenden Hochschule. Heute führt er 20 Studierende der TU Berlin über das Gelände, die hier ein Seminar zum Thema Nachbarschaft gestalten wollen. Bevor es losgeht, drückt er allen einen Plastikeimer in die Hand: „Füllt die bitte mit Erde, ich zeig euch gleich, wofür.“

Tomatenwald am Eingang

Hinter einem verrosteten Eisentor führt ein Steg auf ein Baugerüst am Rande des Sickerbeckens. „Hier am Eingang soll ein Tomatenwald entstehen“, sagt Foerster-Baldenius. Um den Geruch der Flutgrube zu übertünchen – und um das viele Wasser zu nutzen. Die Studierenden kippen die Erde in selbstgezimmerte Blumenkästen. Von hier oben sieht man das gesamte Areal. Der Architekt deutet auf ein Holzhaus gleich unterhalb des Eingangs, mit hohen Schiebetüren aus Plastik. „Das ist unser japanischer Pavillon. Da ist Platz für große und kleine Workshops. Und vorn in der Ecke ist unser Immatrikulationsbüro.“

Vom Pavillon aus führen Holzstege über die Grube, rechts liegt die Baustellenzentrale und eine provisorische Küche, links eine Gruppe Holzhäuser mit einem Turm in der Mitte. Dort im „Laborturm“ bereite ein „performatives Filtersystem“ das Regenwasser auf, erzählt Foerster-Baldenius, für die Tomaten, und für den Pool im Hörsaal.

Pool oder Whirlpool?

Noch hämmern und schrauben hier Bauarbeiter, tragen lange Balken in die höheren Ebenen. Eine Arbeiterin sägt Holzlatten zurecht, ihre Kreissäge unterbricht die Führung immer wieder. Für Rücksicht ist es zu spät, am nächsten Tag beginnt das Semester. Die ersten Programmwochen laufen bis zum 20. Mai und sind offen für alle. Die Inhalte? Laut Programmheft geht es um „Visionen urbaner Praxis“. Das ist absichtlich vage, die Besucher sollen entscheiden, welche Bereiche städtischen Lebens sie verhandeln wollen. Sie sind hier die Experten. „Wir binden bewusst alle ein und wollen einen interdisziplinären Zugang zu Stadtentwicklung ermöglichen“, sagt der Architekt.

Die TU-Studierenden untersuchen inzwischen das Auditorium und diskutieren darüber, dass es sogar einen Whirlpool geben soll. „Ich war noch nie in einem Whirlpool, ist mir zu bourgeois-kapitalistisch“, sagt einer der Studenten. Er trägt schwarze Adidas-Sneaker. „Aber ein Pool wäre wohl okay, denke ich.“


Lilienthalstraße 32, alle Infos und das Programm: www.floatinguniversity.org

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