• Floristen, Goldschmiede, Caterer: Wie Hochzeitsdienstleister in der Coronakrise leiden

Floristen, Goldschmiede, Caterer : Wie Hochzeitsdienstleister in der Coronakrise leiden

Viele Paare verschieben in der Coronakrise ihre Hochzeit. Darunter leidet eine ganze Branche: die Hochzeitsdienstleister.

Anima Müller
Heiraten in der Pandemie: ganz schön kompliziert.
Heiraten in der Pandemie: ganz schön kompliziert.dpa

„Jetzt küsst euch einmal normal“, sagt die Frau mit der Kamera, „gleich habt ihr’s geschafft.“ Das Paar folgt der Anweisung, der Bräutigam lehnt mit dem Rücken gegen einen polierten Oldtimer. Der Wind geht ordentlich an diesem 6.6.2020, dabei trägt er Rosenblätter über die Baustelle vor dem Eingang zum Standesamt. Um die Ecke das dichte Treiben der Dominicusstraße, vor dem Rathaus Schöneberg findet ein Trödelmarkt statt – fast so, als hätte es Corona nie gegeben.

Franziska und Christoph Wank, so heißt das Paar, durften zu ihrem Termin im Trauzimmer dagegen nicht einmal die engste Familie mitnehmen. Nur Trauzeugen und Fotografin waren erlaubt. Als sie ihren Termin im November buchten, hatten sich die beiden das natürlich anders vorgestellt. „Aber es geht ja um die Liebe, die kann Corona nicht aufhalten“, sagt Christoph Wank. „Durch die Lockerungen ist es jetzt doch sehr schön geworden“, sagt Franziska Wank.

Seit dem 2. Juni dürfen Veranstaltungen mit 150 Personen in Innenräumen und mit bis zu 200 Personen unter freiem Himmel wieder stattfinden. Außerdem sind Veranstaltungen im „privaten oder familiären Bereich“ mit bis zu 50 Personen gestattet, sofern diese „aus zwingenden Gründen erforderlich sind“. Dazu zählen auch standesamtliche Eheschließungen.

Das Standesamt Tempelhof-Schöneberg befindet sich trotzdem bis auf Weiteres im Notbetrieb. Bereits „terminierte und schriftlich bestätigte Eheschließungen“ finden zwar statt, eine Anmeldung kann aber derzeit „nicht durchgeführt werden“. Auch für Paare, deren Termin feststeht, erschwert sich die Planung: Wen darf man einladen und, wenn ja, wie viele? Wo darf man überhaupt feiern? Viele sagen da lieber ab oder verschieben.

Tausende Unternehmen und Selbstständige sind betroffen

Die Unsicherheit spiegelt sich mittlerweile in einem ganzen Wirtschaftszweig – den Hochzeitsdienstleistern. Bei ihnen handelt es sich um Tausende Unternehmen und Selbstständige in Deutschland: Hochzeitsplaner, Floristen, Caterer, Trauredner, Goldschmiede.

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Für das Frühjahr 2020 rechnet der Bundesverband der Hochzeitsdienstleister mit Verlusten zwischen 838 und einer Milliarde Euro für die Branche. Die Initiative „Stand up for Love“ will nun auf die Lage aufmerksam machen mit einer Demo am 9. Juni auf dem Pariser Platz. Sie fordert einheitliche Richtlinien zur Umsetzung von Hochzeiten und Pläne zum finanziellen Ausgleich von Einnahmeverlusten von der Berliner Politik.

Das Brautpaar Wank hat sein Fest für August geplant. „Bis dahin bangen wir“, sagt die Braut. In einem Monat entscheidet sich, ob die beiden es verschieben oder „durchziehen“. Eine Hochzeit mit freier Trauung, keine kirchliche. Hoffentlich mit großer Party.

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